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Jeschurun · 1883-08-02 · Heft 31 (2.8.1883) · p. 498

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 31 (2.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-02
Page
498 (sequence 2)
Language
German
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408 au? 3$cffcnr,e mit zwei Rumänen ן 11 ג einem Floße abwärts [ sal,reit. 3nc umrbett mit Hersko bc*,ii1]Iid) de? ikeichentrauSportS j ()iiiibcteciii?, tttib die beiden Walachen trugen die Reiche ans! das Floß. j;Huf die׳'en Vorhalt seiner früheren Anssage erklärt Smi-! lovics. befürchtet;11 haben, daß er einem Sicherheits-Zomiuissär! in die Hände geliefert und von diesem gepeinigt werden könnte, j Deshalb entichlos; er sich, diese Unwahrheiten auszusageu. Das j Wahre sei in seiner henligen Aussage enthalten.! Der Pt äsident hält dem Zeugen vor, daß er die erwähnten! Aussagen auch am IS. Juli v I. noch mit einigen Details er-! weitert und dabei den Amsel Vogel, sodann die Gszlarer Juden! Groß und ftlcin, schließlich einen getvissen MendelovieS als! Theiluehincr dieses ^'eichenschmuggels bezeichnet habe. Gr präzij sirte bei jener Gelegenheit ganz umständlich die Thätigkeit aller! Theilnehmer in dieser Sache, sowie die Gutlohuuugsverhältutsse.! Schließlich bemerkt der Präsident, daß der Angeklagte alle diese belastenden Aussagen am H». Oktober v. I. auch vor dem Gerichts- | hofe bestätigte, und sragt den Angeklagten, was ihn eigentlich - ,zu jenen Aussagen bewog. >?lugellagter Smilovies beharrt dabei, daß diese Aussagen ' völlig ersundett sind und von ihm, wie er schon bemerkt habe, j nur;11 dem Zwecke ausgedacht wurden, um sich vor eventuellen! körperlichen Mißhaudluugcu zu bewahren.! Staatsanwalt: Grllären Sie mir, wie cS möglich war, daß Sic, ohne in der Hast mit Hcrsko verkehren zu können, eine Geschichte erfinden konnten, die mit den Aussagen Hersko'S völlig übereinstimmend war. — Angeklagter: Ich habe keine Schulen kennen gelernt, um daS erklären zu können, doch kann ich sagen, daß ich zu diesen Aussagen durch fortwährende Dro. Hungen und dttrch die Furcht, mißhandelt;11 werden, bewogen wurde. Präsident : Sic sagen, Sie hätten sich vor Mißhandlungen gefürchtet: fürchteten Sie denn das Nebel nicht, welches Ihnen ans dielen Aussagen später erwachsen könnte? — Angeklagter: Ich wußte, daß ich meine Aussagen später zurück׳,Lehen kann. Heumann: Woher haben Sie überhaupt gewußt, daß in Dada eine Reiche gesunden wurde? — Angeklagter: Ich wurde doch, ehe ich noch. meine Aussagen abgegeben hatte, im Gesänguisse mit David Hcrsko kottsrontirt. Dieser erzählte mir die ganze Geschichte ins Gesicht,!voraus ich dann dieselbe später, um nicht gepeinigt zu werden, aus mich nahm. Die Taten ivaren mir von jener Ztousrentirung her bekannt. Vertbeidiger Heitmann konstatirt, daß mit den Angeklagten Konsroutirnttgen slallfanden, von welchen sich in den Untersuchnugs-Akten keine Spur sindet. Die Verhandlung wird aus eine halbe Stunde unterbrochen. Nach Wiederaustlahme der Verhaudkuug dcpontrt Augeklagtet׳ Smilovies auf die Frage des Vertbeidtgers Götvös, er habe, als er die belastende Auslage machte, sich vor den Pandureu gefürchtet, die hinter ihm üauden. Die Gszlarer Assaire habe er aus verschiedenen Mittheilnngen gekannt. Die Gszlarer Inden Groß und Ulein habe er auss Gerarhewohl genannt. Gr habe durch das Fenster des Gszlarer Gemeindehauses zehn oder zwölf Juden führen gesehen, diese habe er als dlcjcuigcn bezeichnet, welche über Kleider mit ihm verhandelten. . Zwifchen dctu ersten am l». Juli v. I. mit ihm -ausgeuountteuen Verhöre, bei welchem er sich unschuldig bekannte, un.d dem eine Woche später erfolgten Verhöre, bei welchem er anssagtc, was man tvolltc, sei er mit Hersko kousrotutrt worden, der ihm die anklagende Aussage ins Gesicht sagte, so daß er dann, um Miß- Handlungen zu entgehen, Hersko's Aussagen bekräftigte. Untersuchnngsrichtcr Bart) habe ihn sehr oft bei Tag und bei Nacht im Hastlokale ausgesucht — wohl sünszigtnal — ohne je Protokoll aufzunchtnen. Leine Selbstanklage habe er aus freiem Gut. schlusse zurückgezogen, da er sah, daß man ihn nicht sreiließ. Auch noch vor dem Gerichtshöfe habe er seine Selbstauklage aufrcchterhaltcu, weil er noch immer Furcht hatte und weil auch Vary beim Verhöre vor dettt Gerichtshöfe zugegen war. Der Angeklagte erzählt, er habe gesehen, wie Vary in TiSza-Lock Vogel au beiden Wangen backte und dessen Gesicht der Sonne entgegeuhieli. Solcher Peinigung wollte er um jeden Preis ent gehen. Staatsanwalt: Womit hat man ihnen gedroht? — Smilovies kann keine bestimmte Antwort geben. Präsiden.׳.: Wären Sie bei Ihrer Selbstauklage geblieben auch daun, wenn tttau Sie :!ud Vogel srcigelasi'.ni hätte? — Smilovies: Gewiß nicht, in Freiheit hätte ich umsomehr getrachtet, die Wahrheit aus ßicht zu bringen. Staatsauwatt Szeyfsett beantragt bezüglich der Aussage, daß Vary den Angeklagten anch bei Nacht im Hastlokale be Nichte, den Gesängnißwächier ats Zeugen zu zitireu. Angeklagter Wollucr rortretenb’: Auch ich wurde mehr als einmal in der ׳)facht im Gefängnisse verhört. Verthetdiger Friedmann konstatirt die A'.twefcuheit Bary'S im Verhandittttgsiaale und fordert im Interesse de? guten Nnscs des ungarischen Nichterstandes die Vorladung Bary'S. WaS die Vorladung des Gesängnißwächters betriss:, schließt er sich dem staatsanwaltlichcn Anträge an. (Zn Smilovies:) Wie kam Ihnen der Naute MendelovieS als desjenigen, der die Rosien bestreiten wird, in den Sinn? — Smilovies: Ich kannte ihn sehr gut. Gr war auch mein Schwager, ltub ich wußte, er wird beweisen können, daß die Anklage unwahr sei. Verthetdiger Götvös: Ich will in diesem Augenblick nicht hervorheben, wie nächtig die Aussagen bezüglich der nächtlichen Verhöre Vary s sind. Wenn Smilovi.s die Wahrheit sagt, war das Vorgehen Vary's ein Verbrechen, Mißbrauch der Amtsgewalt, und ich bitte den löblichen Gerichtshof, sofort eine strenge Unrersttchung cinzuleiten und dnrchzusühren, damit diese Angelegenheit klargcstellt werde. Bevor tch jedoch diesen Antrag begründe, ersuche ich, Vary ans dem VcrhaudlnngSsaale zu entfernen. Präsident: Ich kenne keine gesetzliche Praxis, wonach ein Zuhörer entfernt werden könitte, wenn er sich anständig benimmt. Vary in eben hier nur Zuhörer. iGljenrnsc im Auditerii'.m. - — Präsident verweist zur Ruhe. Verlhcidtgcr Götvös: Dann werde ich wenigstens einen Theil meiner Vcgrnttdnng Vorbringen. Im vorigen Jahre entstand eine heftige kontroverse zwischen Staatsanwalt Nagy tutd Vary, beten Vedetttnng ich erst jetzt ganz würdigen kann. Nagy veröffentlichte in den Blättern eine Reihe von Gnthtillungen über Vary's Gcsängnißbcsnche und dessen Vorgehen in dieser Assaire. Meinen bereits tviederholt zurückgewiesenen Antrag ans Vorladung Bart,'S will ich nicht wiederholen und and) Herrn Nagy nicht persönlich hierher bemühen: aber ich ersuche den löblichen Gerichtshof, anznordnen, resp. den Herrn Ober-StaatSanwalt-Snbstitutctt anfztisorden, den Staatsanwalt Nagy zu verhalten, dicke Gnthüllnngen und alle Daten und Belege derselben dem Gerichtshöfe vorztilcgen, die sodann den GerichtsaTtcn beigclcgt werden sollen. Präsident zu Smilovies: Wurden jene Verhöre, über welche Protokolle ausgenotnrnen tvnrden, auch bei Nacht borgenommen? — Angell.: Nein, am Tage. Präsident zu Götvös: Wünscht der Herr Vertheidiger über seinen Antrag einen Gerichtsbeschluß? - Götvös: Ich bitte darum. Präsident: Nun wohl, der Gerichtshof wird später hierüber entscheiden. Der Präsident hält cS für angczeigt, in Anbetracht der vorgerückten Zeit noch heute jene Zeugen zu vernehmen, welche aus entfernten Gegenden hierher kamen. Staatsanwalt und Verthetdiger erklären sich einverstanden.

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