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Jeschurun · 1883-08-02 · Heft 31 (2.8.1883) · p. 497

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 31 (2.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-02
Page
497 (sequence 1)
Language
German
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M 31. 497 Jeschurun. Die Verhandlung desTiöza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in A'yiregyhäza. (Fortsetzung '> 2. Juli, Nach dreitägiger Unterbrechung eröffnet der Präsident die Verhandlung mit der eindringlichen Mahnung an das Auditorium, Ruhe und Anstand zn bewahren, um ihn nicht zu strengen Mastregcln zu zwingen. Sodann wird die Vcrlcsnng der Prototolle fortgesetzt, und zwar werden die Berichte des Ltnhlrichters vom Juli vorigen Jahres über die Auffindung der Dadacr Reiche verlesen. Der Staatsanwalt stellt dem Präsidenten die Berichte der staatSanwaltschastlichen Funktionäre über die Untersuchung zur Verfügung. Präsident: Hierüber wird der Gerichtshof nach der Panfe entscheiden. Bei Verlesung zweier Berichte bemerkt Vertheidiger Dr. Heumann, da st dieselben zwar an die Staatsanwaltschaft adrcssirt, in deren Gxhibiten-Protokoll aber nicht eingetragen sind, Gs wird das betreffende Gxhibitcn-Protokoll cingeschen und konstalirt, dast diese Schriftstücke bei der Staatsanwaltschaft nicht eingelangt und nicht protokollirt worden sind. Sodann werden Berichte des Arztes Kist verlesen über dessen Wahrnehmungen an der Dadacr Leiche. Vertheidiger Dr. Henmann ersucht, von der Verlesung ähnlicher Berichte, welche keine fachmännische Darstellung, sonder» Aussagen über Wahrnehmungen enthalten, abzusehen, da ja Acrzte später hier vernommen werden sollen. Der Staatsanwalt ist derselben Ansicht. Die Verlesung wird abgebrochen und das Zeugcnvcrhör bezüglich des LeichenschmuggclS fortgesetzt. Grster Zeuge Andreas Varadi sah die Dadacr Leiche erst, als dieselbe wieder ansgegrabcn wurde. Als die Leiche ans dem Wasser gezogen und begraben wurde, war Zeuge nicht zugegen. Nach den Kleidern urtheilte er, dag cs eine weibliche Leiche gewesen sei. Das Gesicht konnte er nicht unterscheiden, da die Untersuchung am Abende bei Lampenlicht stattsand, wobei die Leiche gar nicht aus.der Grube gehoben wurde. Ans die Frage des Präsidenten, ob er an der Leiche ein Tuch wahrgcnonimen, antwortet Zeuge, er habe nichts gesehen und auch keine darauf bezügliche Acnsternng der Herren gehört, hinter deren Rüden er gestanden. Ans den Vorhalt des Präsidenten, er habe vor dein Untersuchungsrichter ausgesagt, daß er den Stnhlrichlcr über ein Tuch mit Färbe sprechen hörte, sagte der Zeuge, er habe nur von einem Freunde gehört, der Stuhlrichter hätte diese Aenstcrnng gethan. Der Zeuge deponirt weiter: In der 'Nacht wurden Wachen bei der Leiche ausgestellt; auch er diente als Wächter, ging jedoch um Mitternacht nach Hanse. Vertheidiger Dr. Götvös ridjtct an den Zeugen mehrere Fragen, ans tvclchc derselbe deponirt, das; er am andern Tage die Leiche wieder gesehen und bei dieser Gelegenheit an derselben einen starken Lcichengeruch wahrgcnommen habe. Entkleidet hat Zeuge die Leiche nicht. Auch wurde die Leiche bei der Unrersuchnug nicht sorgfältig gewaschen, sondern nur mit Thcistwasscr übcrgossen. Die Kleider der Leiche hat Zeuge in der Theist ausgespnlt, dann wurden dieselben zum Trocknen ansgehängt. Gin Austauschen derselben bei dieser Gelegenheit war ausgcschlossen, da die Kleider strenge bewacht wurden. Ter Staatsanwalt macht den Präsidenten ans die Bestimmnng der Strafprozest-Ordnnng ansmcrksam, wonach zuerst der Angeklagte und sodann erst Zeugen zu vernehmen sind, nicht aber umgekehrt, wie es jetzt hier geschieht. Präsident: Ich will nur Zeugenaussagen darüber hören, wie die Dadacr Leiche anfgefnnden wurde, sodann werde ich sosort das Verhör der Angeklagten vornehmen. Nächster Zeuge, Georg Olah, sagt Unwesentliches über die Umstände der Anssindnng der Leiche aus. Gr war persönlich nicht zugegen. An der Stelle, wo die Leiche gefunden wurde, war das Wasser tief, nicht rclstend. Aus die Frage des Staatsanwaltes antwortet der Zeuge, er habe Farben, in gelbes Papier gewickelt, bei der Leiche gesehen. Die Kleider tvurdcn am nächsten Tage in Gegcmvart weniger Personen von der Leiche entfernt. Der Zeuge sah von weitem zn. Gr sah nicht, auf welche Weise die Leiche ans dem Wasser gehoben wurde. Ter Zeuge sagt ferner aus Fragen des Vcrthcidigers Gölvös, er wisse sicher, dast die Brust der Leiche ganz flach tvic bei einem Manne war. Die Brustwarzen waren sehr klein und nicht braun gefärbt. (Die Damen verlassen den Saal.) Die Leiche wurde nicht sorgfältig gewaschen, sondern nur mit Wasser begossen. Gincn Geruch konnte der Zeuge bei der Leiche nicht konslaliren, da er sür Gerüche nncrnpfiltdlich ist. Bei der Herausfischnng der Leiche wurden über dieselbe keine Mnthmastnngcn laut, und die Leute sprachen auch nicht darüber, um welche Person es sich hier handeln könne. Der Zeuge beschreibt das Tuch und die .Kleider, die an der Leiche gesunden wurden. Haare sah der Zeuge an gar keiner Körpcrstclle. An dem Arme der Leiche sah er keine Wunde, leine Abschürfung. Der nächste Zeuge Josef Litvai, ein junger Bursche, sah die Leiche noch im Wasser liegen.- Das Gesicht sah er nicht. Gr erinnert sich, dast die Leiche braune Kleider hatte und einen starken Geruch verbreitete; er hat mit den Flüstern gesprochen, die ihn ansgcsordert hatten, dem Richter den Fund zu melden, damit die Leiche begraben werde. Gs folgt das Verhör der Angeklagten. Als erster wird Jankel Smilovicö vernommen. Gr ist angeklagt, die Leiche dem Hersko zum Transport übergeben zu haben. Smilovics erklärt sich unschuldig. Gr führt anS, dast er zn jener Zeit, als er die Leiche angeblich an David Hersko übergeben haben soll, in Kerecsen war und sein Alibi mit Zeugen Nachweisen könne. Ucbcr seine Beschäftigung im vorigen Sommer ans der Theist befragt, giebt er an, damals Hol; vcrslöstt zu haben. Von Rcmete sei er an einem Montag anfgcbrochcn, nach Bari aber am Mittwoch gelangt. In letzterem Orte hielt er mit seinen Leuten des Hochwassers wegen an. Der nächste Haltepunkt war Kerecsen, wo er Holz lud. Güzeny besuchte er im Laufe seiner Reise gar nicht. Dcn David Hersko kannte er während der Reise nicht einmal den! Namen nach. Das erste mal sah er ihn ganz zufällig in Vari, das zweite inal in Kerecsen. Später traf er ihn ein drittes mal in einer Schänke ״Zum Storch", wo Hersko sich vom Angeklagten f;ü krauslich. Von der ganzen Leichcnschmnggcl- Geschichte ist dem Angeklagten nichts bekannt. Der Präsident macht den Angeklagten aufmerksam, dast er bei seiner Ginvernehmung am 15». Juli v. I. dcn Hergang der Reise ganz anders erzählt habe, indem er damals, von seinem Aufenthalte in Kerecsen berichtend, zu Protokoll gab, dast er in Gszcny gewesen sei, um bei Martin Gpürki eine Schuldsordernng von fünf Gulden einznkassircn. Bei dieser Gelegenheit sei er von zwei Inden, die ans ihrem Wagen eine Mädchenleiche hatten, ausgefordert worden, diese, Leiche unterhalb GSzlar zu schassen, dort irgendwie deren Auffindung zu bewerkstelligen, wofür er daun die ans die Anssindnng der Gsther Solhmosi j ausgcsetzle Prämie von 5000 fl. bekäme. Ter Angeklagte habe; damals auf diese Aufforderung erklärt, dast er sich mit diesem \ Anstrage nicht beschäftigen könne, da ihm hierzu die Zeit fehle,! doch riclh er, die Leiche Szcklenczcr Flüstern zu übergeben, die! den Transport besorgen würden. Als diese Verhandlungen > stattfanden, bemerkten die Unterhandelnden den David Hersko

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