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Jeschurun · 1883-08-02 · Heft 31 (2.8.1883) · p. 492

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 31 (2.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-02
Page
492 (sequence 2)
Language
German
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402 auf il)11, i;1 )!1cldjcn sein unnatürliches, unkindliches Verbauen gekennzeichnet wird? Sie prallen an seiner oollendelen <>Lcichgültigkcit ab. (5s wäre ein Frevel, . einen solchen Menschen zu beeidigen." lind der vierte Olnwalt, Di־. •Heitmann, begründete die 01 i di!}lila mim! mit der Karakterisrik des Zeugen, der sittlich gesunken, und an moralischer Farbenblind׳-- ljeil krankt." Jemand, der also wie Moriz Schars sich über Barer und Mutter und Religionsgenosscn anslaut, von Haß erfüllt und von Gemüthsrohheit bcberrscht wird, der sei von selbst ein verdächtiger Zeuge und unfähig;um Schwur. 30 hatte OOIori; 3chars seine moralische Vcrnrrheilung fünf Mal vernommen. Er rührt sich nicht, er beweg! sich nicht. Ist cs Frechheit, ist co Blödsinn? 3er Gerichtshof hat sich zurückgezogen, um einen Beschlui; zu fassen. Tiefe Stille herrscht in dem weiten Räume. ׳.Nil dieser Entschließung der Richter ist das Urtheil gesprochen. Das feindliche Auditorium erhofft die Frucht des freventlichen Spiels zu pflücken; die Angeklagten starren düster -vor sich hin; die nächste Minute wird ihnen (Gewißheit bringen, ob sie noch hoffen dürfen. Eine Stunde ist so verronnen. Moriz steht wie angewurzelt regungslos ans seinen Platz. Endlich wird er ungeduldig; es arbeitet in ihm: welche (Gefühle bei il)!1t rege werden, weiß nur der, der Her; und Nieren prüft. Seine Wangen röthen sich; man glaubt Angst aus seinen Zügen zu euträthseln. Er schant nicht ans - und doch weilt .in nächster Nähe sein Pater, sein unglücklicher Pater, der Angeklagte Joseph Schars, für den der furchtbare Moment heranuaht, wo sein Sohn die ihn bezichtigende schreckliche Aussage mit dem Eide bekräftigen wird. Welche Seelenpein der bedanernswerthc Mann in diesem Augenblicke erduldet, das läßt sich kaum nachempfinden. Auch er blickt zu Boden, auch seine Brust hebt und senkt sich in namenlosem Schmerz. Auch seine Finger zielien sich krampshast zusammen, sein Haar sträubt sich empor; Schweißtropfen perlen ans seiner Stirn. So sitz! er da, ein herzzerreißendes Bild der Pcrzweislnng, des Grams. Was war das? Ein Schrei dringt durch den Saal, ein Schrei, so furchtbar und grauenvoll, wie er noch keines Menschen Brust sich jemals entrungen. Alle Anwesenden fahren entsetzt in die Höhe — da sicht Ioseph Schars ansrecht, wirr hängt ihm das Haar um das Haupt, die Angen sind ans der Höhlung getreten und blutig nnterlansen. ״Mein Sohn ist mir geraubt worden — man hat ihn zum Lügner gemacht — falsches Zcngniß ansznsagcn — was wird aus ihm werden'.!" — ״Schweigen Sie!" ruft ihm der Staatsanwalt zu. ״Ruhig, ruhig!" schreit das Publikum. Er aber drängt vorwärts zu seinem Sohne hin, und läßt sich von den Wächtern nicht zurückhalten. ״Ich will zu meinem Kinde, — ich kann nicht ruhig bleiben bei solchen Schurkenstreichen. — Hörst Du nicht? — Man will Deine Seele vergiften — Du sollst bei Gott dem Lebendigen Lügen beschwören. — Ich leide cs nicht! — Höre nicht aus die Verbrecher, die Dich verleiten. — Du wirst auch keine Belohnung dafür auf Erden haben. — Man wird Dich vergiften! — O Gott, mein Gott, was soll aus dem Kinde werden!" Seine Stimme klingt hohl und heiser — in seinem Antlitze prägt sich die schrecklichste Qua! aus, welche in seinem Busen wüthet. Der Gesüngnißwärtcr will ihn hinanssührcn; er aber ist nach dieser Answallnng seines ganzen Wesens erschlafft und zu seinem Platze zurückgekehrt. Doch bald springt er wieder ans und schreit: ״Ich halte cs nicht ans! — O Gott! — — Ich halte es nicht ans!" — Bringt mich fort!" — Man macht sich schlechterdings keinen Begriff von dem Entsetzlichen dieser Szene. Aller Augen begleiten den unglücklichen Mann, welcher unter Bewachung aus dem Gerichtssaal hinanswankt! — — Und M oriz Schars? — Er bleibt ruhig bei dem Tische des Präsidenten stehen. Wohl hat er gebebt, als der Vater sich ihm näherte; jetzt aber steht er ruhig da, und mrr seine Finger bewegen sich ans dem grünen Tische. So verfließt eine weitere halbe Stunde. Joseph Schars hat sich gefaßt. Er kehrt in den Saal zurück. Inzwischen sind die Richter zu einer Entschließung gelangt. Ucber eine und eine halbe Stunde hat die Bcrathung gewährt. Auch in dem Berathnngszimmer müssen erregte Augenblicke durchlebt worden sein. Man sieht cs an des Präsidenten Haltung, an der Blässe seiner Stirn, man hört es ans dem Tone seiner Stimme, als er jetzt in eingehender Motivirnng das Resultat der langen Berathung verkündet. Der Einwand des jugendlichen Atters gegen die Beeidigung wird znrückgcwiescn, ebenso derjenige, daß Moriz nicht gleich bei dem ersten Verhör belehrt worden sei, von der Zengnißablagc gegen den Vater befreit zu sein. Damals sei Moriz nicht als Zeuge, sondern noch als Angeklagter verhört worden. Ein Zug der Befriedigung lagert auf dem Gesichte der meisten Zuhörer ob dieser abweisenden Motivirung der beiden gegen die Beeidigung erhobenen Einwände. Ein lauter Bravorns begleitet dieselbe ans den Reihen des Auditoriums. Der Präsident aber fährt langsam und die Stimme etwas hebend fort: ״Obgleich die Eidesleistung nicht von dem Bekenntniß zu irgend einer Religion bedingt ist, so kann Moriz Scharf dennoch nicht in Eid gc-

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