Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-26
- Page
- 483 (sequence 7)
- Language
- German
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483 fragte die Zeugin, was sie gesehen haben. Diese sagten, sie haben nichts gesehen und gehört.?11* die Szigeter Jüdin nach Nagyfalu gebracht wurde, war sie schon nicht mehr bei Recsly. — Ans die Frage des Staatsanwaltes Szehfsert sagt die Zeugin, die Fenster seien geschlossen und ohne Vorhänge gewesen. Sic blieb nur einen Monat bei Recsky, weil die Bezahlung zu gering war. Was mit Moriz vorgegangen, wisse sie nicht: sie sah ihn nicht weinen und glaubt nicht, das; ihm etwas zu Vcibc geschehen sei. Beim Gartensensler, dessen Jalousien geschlossen, haben die Dienstlente nichts gehört, nichts gesehen, und sie standen nur ans Neugierde daselbst. In der Küche blieb der Knabe höchstens eine halbe Stunde. Dag niemand Fremder ins Hans gerufen wurde, um Zeuge zu sein, weis; sie nicht, sie hat Niemanden gesehen. Das Verhör geschah um l l Uhr: sie ging oft ins Zimmer hinein und hätte Fremde sehen müssen, es waren aber leine dort. Als Necsly herauslam, zerstoben die Dienstlente. Die Zeugin und die Köchin gingen schlafen: es ist möglich, das; die Änderen nochmals horchen gingen. Präsident kotistatirl, das; ntehrerc Zeugen und die früheren Dienstlente ReeSly'S nicht ausgesunden werden konnten. Der nächste Zeuge ist Jos. Huri, der 17 jährig/ Sohn der Dienstgeberin der verschwundenen Esther: derselbe sagt, er habe Gsther auch schon früher gekannt: an jenem Samstage war er nicht zu Hanse, als er Abends kam, tvnrde Esther schon gesucht. Seine Mutter habe ihm erzählt, sie habe Esther um II Uhr weggeschickt. Esther hatte znrneist leichte Arbeiten zu verrichten. Zeuge hat Esther seit der Kindheit gekannt und ist mit ihr zusammen in die Schule gegangen. Ans Szekely's Frage, ob er sie lieb gehabt, antwortet Zeuge: Nein, Esther paar weder lustigen noch traurigen Temperaments; gesungen hat sie nie. Vom Felde kaut Zeuge vor Sonnennntergang znrück. Angeklagter Weisistcin bittet, an Frau Solymosi eine Frage richten zu dürfen, und fragt dann, ob sie sich erinnere, daß eine ihrer Töchter ein Zeichen am Fitste gehabt. - Frau Salpmosi: Ich tveist nichts davon. Präs.: Nun ist daS Zengenverhör bezüglich des ersten Theiles der Anklage beendet: sollten noch erschienene Zeuge׳ sich später melden, kann ihr Verhör stattsinden. Bevor wir aber;um ztveiten Theile der Anklage übergehen, werden die nöthigen, ans die Anklage bezüglichen Akten verlesen. Da jedoch ein sehr entfernt wohnender Zeuge, Johann Antal, hier ist, dessen Depositionen sich ans den?eichenschntnggel beziehen, wäre es angezeigt, denselben jetzt zu verhören. Vertheidiger Henmann hat hingegen leine Ginwendnng, nur sollen bei dem Verhör des Zeugen die Angeklagten Groß und Klein zugegen sein. Die genannten Angeklagten werden vorgesührt und;leuge Gsabaj verhört. Zeuge spricht verschiedenes wüstes Zeug über Religion und Zeremonien und wird schließlich vom Präsidenten fange־ schickt. Zeuge Johann Antal war es, der dem Angeklagten Moriz Klein seinen Waget! lieh, mit welchem angeblich die Dadaer Reiche geführt tvnrde. Ans dem Kreuzverhöre geht hervor, das; Zetige dem Angeklagten seinen Wagen eine Woche vor Pfingsten, also jedenfalls int Mai, geliehen hat. Der Angeklagte Klein be־ merkte ans Befragen, das; er diesen Wagen brauchte, um für Rosenberg Mehl zu bringen. Auf diesem Wagen fuhren auch die Mutter der Frau Schars, sowie die Frauen Junger und Weiststein. — Vertheidiger Henmann bittet, diese Frauen bei Gelegenheit zu vernehmen. — Staatsanwalt Szepfsert stellt bezüglich der Beeidigung der heute vernommenen Zeugen Anträge und bittet um Entscheidung betreffs der Zuining Barh's und Nagh'S als Zeugen. Der Gerichtshof zieht sich zur Berathnng zurück. Nachdem der Gerichtshof über den Antrag des Staatsanwaltes •JO Minuten berathen hatte, verkündet er den Beschlnfz, wonach außer dem Zengen Joseph Huri, welcher belanglos ans« sagte, alle Zeugen beeidet werden. Bezüglich der Vernehmung des Untersuchungsrichters Barh und des Staatsanwaltes Nagy beschloß der Gerichtshof, dieselben als Zeugen nicht zu vernehmen. — Staatsanwalt Szepffert erklärt, sich bezüglich der Rechtsmittel gegen diesen Beschluß später zu äußern. — Der Präsident erilärt, dev Zustand des Moriz Schars durch den Gerichtsarzt l>r. FI eg nt an und die Augenärzte Dr. BakoS und l'r. Iosza untersuchen zu lassen. Hierauf tritt eine halbstündige Panse ein, nach welcher der Stnblrichter Gugen Iarmn vernommen ivird. Zeuge depo, ttirt, das; Frau Solnmosi das Verschwinden Gsther'S am April bei ihm angezeigt habe: er meldete den Vorfall dein Vieegespan, pflog aber weiter keilte Erhebungen. Die Salhinosi sagte, dast sie die Juden des Mordes ihrer Tochter verdächtige. Zeuge fragte sie, tvie sie solches sagen könne, dies könne heutzutage schon nicht mehr geschehen. Die Nachricht von dein Morde verbreitete 'sich in Gszlar in Folge des Geschwätzes des kleinen Samuel. Frau Solymosi setzte das Verschtvinden ihrer Tochter ans die .Zeit zwischen kl und lO Uhr Vormittags. Frau Solymosi, hierüber befragt, konnte sich nicht erinnern, was sie dantals gesagt hat. Ans die Frage des StaatSantvaltes entgegnet sie, den Verdacht habe Joseph Schars'S Grzählnng von dem Nanaser Falle erweckt. Staatsanwalt Szeyssert: Warum haben Sie aber am <>. September dein UntersuchungSrick)ter gesagt, Sie wissen nicht, woher der Verdacht gekommen? — Frau Solyniosi: Fragen Sie mich nicht, es ist ein Wunder, das; ich meinen Verstand nicht verloren habe. — Staatsanwalt Szepssert: Auch haben Sie gesagt, Gott habe es Ihnen offenbart. — Solpmosi schweigt. Sodann wird Amsel Vogel vorgernsen. (n׳ ist von starker, untersetzter Gestalt, mit langem Barte, trägt i'öckchen und soll bei der Vernehmung der von ihm znm Nachweise seines Alibis in der ^'eicheiischmuggel - Assaire nominirlen Zeugen anwesend sein. Zeuge Vasil Popovie deponirt mit Hülfe eines Dolmetschers authentisch, er kenne Vogel seil einem Jahre, der ihn mit 'J'J anderen Flößern in Fejereghhaza gedungen habe, tun Hol; nach Szolnok zu slösten. Mittwoch nach dett griechischen Psingsten snhren sie von Körtvelyes ab. Zeuge deponirt bestimmt, daß Vogel während der ganzen Fahrt von Szolnok tind auch dort stets bei Tag und Nacht!tut seinen Flößern zusammen war, bei Tag mit ihnen arbeitete, Nachts mit ihnen beisammen schlief und niemals mit einem Fremden sprach, was gierige sonst gewiß bemerkt hätte. Vollkommen lonsorm depontrten sodann noch die Flößer Vasil Polko und Vasil Hrba. Präsident erklärt das Zengenverhör für heute geschlossen. Tie drei Flößer werden beeidet, sodatut wird tnit der Verlesung der Untersuchungs-Protokolle begonnen. Zuerst erfolgt die Verleimig der Aussage des kleinen Samuel Schars, tvobci GötvöS bemerkt, das; der Knabe von gewissenlosen Indenhassern ans diese Aussage abgerichtet wurde, ferner daß das Protokoll vorn Untersucht!ngsrichter als snnunarisches Ergebnis; dessen, was Samuel mit anderen Dingen vermengt plapperte, hergestellt wurde. Gr beantragt demnach nochmals, die Ginvernahme Barh'ü und Nagtss, Jotiuc auch Peczely's bezüglich dieser Fakta.' Staatsanwalt <5>;eyssert pflichtet diesem Anträge bei und macht den Gerichtshof daraus ansmerts.uu, daß er für die Vernehmung von behördlichen Drgaiien durch die Zitirnng von Recsky, Bareza, Peezelp und Anderen ja schon eilt Präzedenü geschaffen habe, tvarnm sollen also nicht auch diese Personen vernommen werden? — Präs.: Hierüber wird der Gerichtshof später entscheiden. Sodann wird die amtliche Beschreibung des ThatorteS׳ und der Umgebung verlesen, tvobei Gvtvös ersucht, die Gutscrnnngen durch Fachleute messen und bestimmen zu lassen. Die Verlesung ivird tun halb :i Uhr unterbrochen. Vertheidiger Friedmann stellt den Antrag, mit .Rücksicht ans die bevorstehenden zwei christlichen und den dazwischen fallenden jüdischen Feiertag, sowie auch damit mit der Abfassung des Protokolls