Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-26
- Page
- 482 (sequence 6)
- Language
- German
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482 und verbitten ihm jeden Verkehr? — Henker: Ich habe den. Befehl des Vizegespans. — Gölvös: Und würden Sie Jeden gefangen nehinen, wenn cd Ihnen der Vizegespmi befiehlt, ancfj wenn Src wüßten, dag derselbe frei und unschuldig ist? — Henker: Ja wohl! Ich bin nur ein Diener und thne, was mir befohlen wird. Ter Zeuge leugnet. Moriz je geschreckt 11יי haben: er glaube selbst, daß ihn die Inden, stehlen oder vernichten ivollten. — Verlheidiger Henmann: Warum hat Bareza jenes Papier mit den Anszeichnnngen verbrennen müssen, nachdem Sie ihm ja erlaubt haben, die Anszeichnnngen zu machen? Sic hatten jedenfalls Dinge gehört, welche Sic nicht schriftlich bewahrt wissen!vollten. — Zeuge giebt eine ausweichende?lntrvort. — Friedmann: Wenn Moriz vor Bareza dasselbe anssagte tvic immer, so war ja die Anszeichnnng nicht gefährlich. Warum hat sic also vernichtet werden müssen? Zeuge Anton Global, Unecht beim ttaficllan, erzählt, Bareza habe ihn unter vier Augen aufgesordert, den Moriz zu bewegen, das; er seine AnSsage zurückziehe. Wenn dies ihm gelinge, tverdc er so viel Geld erhallen, das! er zeitlebens ein reicher Braun sein wird. — Bareza findet es 11 utcr seiner Würde, diesen Zeugen auch nur einen Lügner zu neunen. Für so dumm halte ihn hosseullich Niemand, daß er einem solchen Brenschen solche Anträge machen iverde. — Zeuge beharrt bei seiner Aussage. — Henker, dem unwohl wird, verläßt auf Grlaubniß des Präsidenten den Saal. Sodann wird der Zeuge .HoUuiian Peezely hcreiugcführ: und mit Bareza, den er oberflächlich kennt, kousrontirl. — Bareza: Peezely, erinnern Sie sich nicht, das;, als Sic sich darüber bekiaglen, das; Vary Sie vernachlässige, Sie mir ansdrücklich sagten, das; Sie allein den Knaben zum Geständnisse bewogen haben. — Peezely Zn Bareza): Schämen Sie sich nicht? — Bareza: Ich, Daniel Bareza, der ich 21־ Jahre lang dem Staate diene, soll mich schämen? Staatsanwalt Lzcysscrt ersucht den Präsidenten, den ihm gestern überreichten, aus Peezely bezüglichen Straseptrakt zu verlesen. — Der Präsident verliest das vom Jahre datirte Schrislstück, wonach Koloman Peezely, 2:; Jahre alt, röutisch - katholisch, Landmann, and Hernad-Büd gebürtig, ein wegen liederlichen Lebenswandels, Verdachts mehrsacherl Diebstahls und überhaupt wegen eines in Gemeinschaft mit Anna Talacs begangenen Mordes ,uittelst Unheils des LandcSgcrichles Kaschan zu sünszehn Jahren schivcreu Kerkers vernrtheilt worden ist. — Peezely macht bei der Perlcsnng des Aktenstückes keine Bewegung und hat lein Wort der Entgegnung. — Staatsanwalt Szcyfsert beantragt, das; die Zeugen Nee^ly utid Peezely, tvelche als offizielle Fnntiionärc bei der Untersuchung milgewirkt haben und durch den amtlichen Gid gebunden waren, außerdem, tvcil die Vergangenheit des Peezely eine solche ist, das; seine Atissagc ungültig ist, nicht becidel werden. Gegen die Beeidigung der übrigen Zengen habe er nichts cinznivenden. — Verlheidiger Friedmann wünscht auch, daß der Gerichtshof darüber entscheiden möge, ob Moriz beeidet werde oder nicht. iUad) längerer Berarhnng beschließ! der Gerichtshof, die Zeugen Nceskn und Peezely ans den vorgebrachten Gründen nicht zu beeiden. Zeuge Gregor Dane! tvird ans dem Grunde, iveil er sich jetzt in Hast bcsindct, nicht beeidet. Auch die Zeuginnen Maria Lcsko und Iosepha Arvai, deren Aussagen divergircn, lvcrdcn nicht beeidet. Gegen den Bescheid hinsichtlich der lebten drei Zeugen meldet Vertheidigcr Hcumann die Berufung an. Die übrigen Zeugen werden beeidet und die Verhandlung für heule .geschlossen. 2K. Juni. Die heutige Sitzung wird um halb 10 Uhr eröffnet. Als erster Zeuge tvird Gabriel Tanyi HnSzar ans TiSza-Gszlar vernommen) er hat Gsthcr gekannt, sic Samstags um 11 Uhr noch gesehen, wie sie zum Kaufmann ging. Ancki znrückkommcn sah er sie, gesprochen hat er jedoch nicht mit ihr. — Staatsanwalt fragt, ob zu dieser Zeit schon Mittag geläutet war. — Zeuge: Nein. — Ans Götvös' Frage nach der Verwandtschasl crgiebt sich, daß Zeuge mit mehreren Zeugen desselben Namens, sowie and) mit dem Gszlarer Richter verwandt ist. — Sb Samstag oder Sonntag oder Mittwoch war, als er Gsthcr zuletzt gesehen, weiß Zeuge nicht, auch weis; er nicht genau die Zeit, denn er hatte keine Uhr, aber cs war vor dem Läuten. — Gotvös: Gs ist mir sehr ausfallend, daß Sie sich nicht an den Tag, doch aber an die Stunde erinnern. — Aus Henmanri's Frage, wann der Zeuge sodann von dem Verschwinden Gsthcr'S gehört, antwortet er, denselben Tag Abends. Dainals sah er and) die alle Solymosi ihre Tochter suchen. — Verth. Götvös macht ans die Haltung des Publiknms aufmerksam, tvelche absolut keine solche ist, daß die Aklionssrcihcit deS Gerichtshofes oder die Unabhängigkeit der Vertheidignng tinbrengt blieben. Das Verhalten des Publikums beeinflußt die Aussagen der Zeugen, indem eS geivist'e Aussagen mit Beifall, andere mit Murren begleitet. GörvöS ersucht den Präsidenten, er möge dem Auditorium ohne Androhung von schärferen Maßregeln, zu welchen man wahrscheinlich nicht rvird greifen müssen, crkläreit, daß im Beisein von Angeklagten, über deren Loos hier entschieden wird, tedcnliösc Beifallsnub Mißfallens - Kundgebungen bei gebildeten Menschen nicht nsnell sind. — Präsident: Ich bitte das Auditorinm, sich allen LäritlS, sowie aller prinzipiellen Beifalls- und Mißfallens-Kundgebungen zu enthalten, denn diese geben jedesmal zu unangenehmen Ginsprachen Anlaß, und hiedurch tvird auch meine Lage erschwert. Ter nächste Zeuge Wolf Werlhciiner, Lederhandler in Gszlar, erinnert sich, daß an jenem Samstag die zwei Schächter- Kandidaten dort waren: auci) er war im Tempel, kam und ging allein, wie dies seine Gewohnheit sei. Gr erinnert sich bestimmt, den Angeklagten Lustig hinter sich ans dem Teiitpcl kommen und später in sein Hans eiittreten gesehen zu haben. Auf den Vorhalt des Präsidcitten, das; er jetzt anders spreche, als vor dem Unkcrsnchnligsrichter, ciigegnet?,enge,- er erinnere sich jetzt besliiitmt, damals habe er in der Vcrwirrling uub Angst ausgesagt. Gs folgt ntin die Veritehmnng des Herrn Fenermann ans Gszlar: er war dort Lehrer und niitcrrichtcte and) Moriz Schars mit anderen Kindern zusammen, und zwar ein Jahr lang, ohne Unlerbrechnitg bis zu dessen vollendetem dreizehnten Jahre. Zeuge erinnert sich an den Bettler tind die srcmden Schächter. Der Andacht hat er auch beigewohnt, die Schächter kamen zusammcn mit den Anderen ans dem Tempel. Je 11 ge ging als Letzter ans dem Tempel, sah auch, wie Scharf dessen Thür zusperrte. Bezüglich des Heimganges der Schächter deponirt Zeuge übereinstimmend mit den anderen Gszlarer jüdischen Zeugen. Gr war Abends nicht mehr im Tempel. Ans die Frage Szckcly'S antwortet Zeuge, auch Moriz, dem er viel Gutes als Schüler nachsagt, sei damals im Tempel gewesen. Unter den Personen, die bestimmt mit ihm zusammen ans dem Tempel gingen, nennt Zeuge auch den angeltagten Weißstcin. Seine Tstcrbrole hatte Zeuge bei Weißstein backen lassen, damals halte er sie schon vorräthig. Im Tempel sah er nichts Ausfälliges, leine Teller und keine Gesäße. Die nächste Zeugin. Inliana MeSzaroS. 20 Jahre alt, ans Tarezal, war vom 7. Mai bis Juni vorigen IahrcS Stuben- Mädchen bei Neesky in Nagysaln. Sic erinnert sich, daß um 0 Uhr Abends ein Indcnknabe ans Gszlar dahin gebracht und sofort ins Speisezimmer geführt wurde. Beim Nachtmahl trug Neesly dem Knaben Schinken an. Der Knabe sagte, lieber sterbe er, als daß er Schinken esse. Hierauf kam der Pandur Bako und führte Moriz in die Küche. Warf) dem Nachtmahl ries man den Knaben tviedcr ins Zimmer. Ncrsky, ein fremder Herr, Moriz und Bako gingen in ein kleines Gckzimmer. Zeugin ging samml der ganzen Dienerschaft zum Fenster, sah und hörte nichts, und sic wurden von Jemandem sortgetriebcn. Die Dienerschaft