Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-07-26 · Heft 30 (26.7.1883) · p. 484

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 30 (26.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-26
Page
484 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933026-2953542--13105-2953587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

484 begonnen mevben föitno, die Venbindlnng biö Montag;1! ver<! t.1qcn. Der ctantx'amiult psliäilcl dem ׳?lnir.iqc bei. Der > Präsident cinicheidel au^ den anqcnilivicn Gründen in diesem : 2innc und desnwnu die nächste Dwnng für Alontag um 1 IO Uhr Vormittags. ^ortfcbii 111ן folflt.: KorrcsMdcilzcli m>d Nmhcilhtcu. Oesterreich-Ungarn. Pra^, 10. Juli. Die folgende Thalsache nieste allen Ellern zur beherzigungswcrthen Warnung dienen. Ein steachtcler israelitischer Bndapester Tischlermeister harte den Ted seiner P׳atli!1 zu beivcinen, ivelche 'seiner Sorge eine Kinderschaar znrückgelasscn. deren Gelteste, ein zwölfjähriges Mädchen, der Barer in ein Pensionat gad. Er Halle es aber verabsäumt, sich stenaner über dasselbe zu ertundigeu und so keinite er freilich nicht wissen, das; die religiöse Erziehung seines Kindes arst vernachlässigt wurde. Die kleine Sophie besuchte sehr sterne und hänsist die Kirche' und erregte auch eines schönen Tages die Aufmerksamkeit des Geistlichen, welcher sich über die näheren Verhältnisse des andächtig mit gefalteten Händen vor beut Altar knieeuden DKädchens insvrmirte. Er näherte sich demselbeit mit freundlichem Zusprnche und vermochte unschwer, das leicht endzüud׳ bare kindliche Gemüth für die Kirche zu gewinnen. Beim Heimgänge traf Sophie ihren Barer im Pensionäre und thcilte ihm ihren Entschluß mit, sich taufen zu lassen. Der Vater hielt dieses erst für Scher;, über»;enstte sich aber bald von dem Ernste. Sophie blieb fest und entschieden bei ihrem Entschluß. Der bestürzte Vater nahm die Tochter mit sich nach Haust; der Pater aber fand sie auch dort und richtete verlockende Schreiben an Sophie, die ihren Eindruck nicht verfehlten. Darum entschloß sich der Vater, seine Tochter nach Kacag, einen! böhmischen Torfe,;n einem Bruder;11 senden, hoffend, daß, fern von Pest, das Kind anderen Sinnes werden würde. Aber er sah sich stetänschl, das Mädchen beharrte aus seinem Kopf. Man brachte eS hierher;11 einer Tante, des ehrwürdigeu Paters Einfluß weiß jedoch den Weg von der Donau auch;111׳ Moldau;11 finden. Das Mädchen erhielt hier einen Brief — Schreiber dieser Zeilen hat ihn gelesen —, der voll'.- kommen geeignet ist, ein schwärmerisches fünfzehnjähriges Mädchen;1! verwirren. — Fortan blieben alle Gegen- Vorstellungen, selbst solche von bernfenster Seite, völlig wirkungslos: ״ich brauche weder Bedenkzeit, noch Ueberlegung", entgegnete slclS das Mädchen, ״ich bleibe fest bei meinem Entschlüsse." Und eS wird fest bleiben. — 02 a 11)011 W eißl 0 vitS. Italic 11. -i- Nom, 13. 811lf. Auch unter Italiens blauem Himmel gedeihen antisemitische Blümlein! Warum auch nicht? Sollte denn die jüngste Weltmacht so sehr in der .Kultur und der fortschreitenden Aufklärung zurückbleiben? Wenn Rußland an dem 'Ruhme der Juden- Massaeres;ehrt, Deutschland sich seiner Marr, Stöcker und Genossen freut, Oesterreich-Ungarn stolz auf Tisza- Eszlar himveist, dürfte da Italien ganz neidlos dreinschanen? Das duldete nicht ein um die nationale Ehre besorgtes Gemüth. Es galt auch etwas zu Ehren des italienischen Namens;n thnn, sollten nicht spätere Geschlechter vor.vnrsSvoll ans ihre Ahnen, die Zeitgenossen der glorreichen europäischen Aera vollendesten AntisemitismnS, znrückblicken: warum nur slavische' und germanische Namen ans dieser Heroenzeit, warum nicht auch romanische, und unter diesen vor allem der Edelsten Edler, nicht auch italienische? Und mau entschloß sich zur rettenden nationalen That. Diese aber sollte nur der Sache des nationalen, nicht deS eigenen Ruhms gelten. Und darum hüllte sich der Gackere in den Mantel der Anonymität, und dem Veilchen gleich, das im Verborgenen blüht und seinen lieblichen Duft hinausströmen läßt, also sendete der edle unbekannte Patriot sein Werk hinaus unter dem Titel-. ״II sangue crisiiano nei rite ebraici stell a moderna sinagoga. Prato 1883" (Das Ehristeublut im jüdischen NituS der gegenwärtigen Synagoge"). Die ״Eivilta Eattoliea" hat es in Verlag genommen und versendet eS mit der ausdrücklichen Empfehlung ans dem Umschläge ״Bitte um Anzeige, vertrieben von der Propaganda"; cs giebt sich als die Uebersetzung von Enthüllungen eines getauften Rabbiners der Walachei, welche schon vor 70 bis 80 Jahren in's Griechische und Arabische übertragen sein sollen. Die südliche Phantasie weiß leb- Hafter zn zaubern Ein Rabbiner, noch dazu aus der Walachei, — wie interessant! Da müssen ganz bestimmt -neue Dinge enthüllt werden! Ja gewiß. — Der Ehristenblnt-Knltus epistirt thatsächlich und vererbt sich von Vater ans Sohn. Auch deS EprabbinerS Vater hat den Sohn in dessen Mysterien unter erschrecklich schauerlichen Beschwörungen eingeführt; uiedergeschricben wird davon nichts. Aber jetzt wissen wir es, Dank der verlegenden wackeren ״Eivilta Eattoliea", nicht nur am Ostern, sondern auch am Purim, ja bei jeder Beschneidüng wird dieser geheimnißvolle Kultus auSgcübt bis in die Gegenwart. — Und — nun ja, ziehe hin, Streiter der Wahrheit, großer Rohling, erfülle dein Gelübde, pilgere in das Magyarenland zu den Ufern der Theiß, und beschwöre, das ,,II sangue cri- Miano״ in der Hand, in Gemeinschaft mit dein andern jüdischen Zeugen, dem wackern Moriz Scharf, den von Inden vollbrachten Mord in TiSza-ESztar! — Denn weiter hat eS keinen Zweck. ^Fortsetzung der Korrespondenzen und Nachrichten ans Leite 48').;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.