Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-26
- Page
- 481 (sequence 5)
- Language
- German
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4SI man mich bei den Ohren 1]r,0flcn. Aber Herr Pcezcli) fa^tc mir, baf!, wenn ich es gesehen habe und cs nicht erzähle, werde ich in den Kerker kommen — wenn ich es sage, könne ich nach Hause ziehen." Dies Alles erzählte Moriz auch dem Untersuchiingsrichter Barl) u 11 ה dem Staatsanwalt Ladislaus Nagn, aber diese sagten ihm, daß er das nicht sagen dürfe. Ich bcnaehrichligtc über all dies den Ober-Staatsanwalt, der mir die Weisung gab, über Pcezcli) etwas zu erfahren. Ich suchte Pcczrly im Äiurc auf. und zwar mit der Ausrede, über einen Pferdedicbftahl mir ihm sprechen zu müssen׳, ich brachte das Gespräch ans die.Gsstarer Assairc und äußerte mich, daß ich nicht glaube, daß die Inden vcrurtheilt werden. Pcezcli) antwortete: ״Die Sache ist schon verpfuscht-, ich weiß nicht, warum mich Bari) ignorirt hat, wahrend ich doch das Geständnis! von Moriz herausuahm": aus meine Frage, wie dies geschehen, sagte er, daß, als sich Moriz nicderlegte, er ihn fragte, ob er wisse. n׳o er morgen übernachten werde. ״Dn wirst im Kerker übernachten, wo dir nicht einmal der Hund, das Brod ans der Hand nehmen wird, und dort wirst du versanken " Hieraus stand der Knabe ans und sagte: .,Ich werde es erzählen". Der Ienge bemerkt, daß das, was er nicdcrgeschrieben, wahr sei, und er cS auch mit dem Gide bekräftigen könne. Ob aber das wahr fei, was Moriz aussagte, wisse er nicht. Ans die Frage des Präsidenten, ob er NceSli) kenne, antwortet der Zeuge bejahend. (5:1־ erinnere sich nicht, wie lange er bei der ersten Gelegenheit in Nmreglchaza blieb. Bei der zweiten Gelegenheit blieb er auch nur einige Tage. Zur Zeit, als er den Knaben verhörte, verbrachte er drei Tage bei Hcntcr. Damals hatte er schon den Auftrag von Seite des Ober-Staatsanwalts. Daß ihm Inden viel ׳Geld versprochen hätten, sei eine grundlose Verleumdung. Georg LcbeS, der dies behauptet, und Georg Papp, der Zeuge hierfür sein will, sind dieselben, die dem Untersuchungsrichter Barr, einen Pokal übergaben. ״Ich wäre ein sehr schwacher Polizist״, bemerkte Bareza, ״wenn ich solche Geheimnisse verralhen würde." Ans die Frage des Bertheidigers Gölvös depouirt Zeuge, daß er mit dem Ministeriairathe Iekelsalnssp zrvei- oder dreimal in dieser Angelegenheit konserirte. Sein Auftrag war ein mündlicher. — Götvös konstatirt, daß Miuisterialrakh Iekelfalussl) ihm über den Auftrag des Bareza dasselbe sagte. — Bcrthcidiger Hcnmann fragt den Zeugen, ob die Auszeichnungen, welche Bareza vorher verlesen, die Original-Notizen sind, die er während des Verhörs des Moriz machte. - - Bareza: Nein, das ist nicht die Original-Auszeichnung. Diese habe ich aus Verlangen Henlcr'S noch dort bei ihm verbrennen müssen. Heuler sagte: ״Bruder, das darfst du von da nicht mitnehmeu." — Hcnmann: Und wieso haben Sic doch diese Auszeichnungen gemacht? — Bareza: Ich habe sie sofort am andern Morgen geinacht, und ich schivöre, daß dieselben wörtlich genau dieselben sind. — Verlhcidigcr Hcnmann ersucht den Gerichtshof, das Schriftstück dem Zeugen abzuvcrlangcn und den Akten beizulegen. . Bcrthcidiger Friedmann: Zur (Ergänzung dieser Aussage halte ich es für unumgänglich, daß der Kastellan Heuler vernommen, Moriz Schars mit dem Zeugen konsroiuirl und Staatsanwalt Nagy, sowie Untersuchungsrichter Bari) als Zeugen vernommen werden. — Staatsanwalt Szeysserl: Der Berthcidigcr ist mir mit dem Anträge znvorgekommcn. Ich habe gestern aus dem Grunde den Antrag aus Vernehmung Barp'S gestellt, weil solche Umstände austauchren, welche aus den Untcrsnchnngsakten nicht scstzustellen sind. Ter Gerichtshof har meinen Antrag nicht alzeptirt und berief sich ans die gesetzliche Praxis. Aber eben weil dies ein seltener Fall ist, erscheint cs nothwendig. daß dieses Verhör stattsinde. Auch bin ich bereit, jeden zur Staatsanwaltschaft gehörigen Zeugen zu stellen, welcher Zeugenschaft oblegen soll. Zeuge Necski) wird hieraus durch den Präsidenten befragt > und erklärt, daß Bareza ihn über die Einvernehmung des! Moriz Scharf aussorschen wollte. Der Zeuge habe ihm; aus seine ,Fragen gesagt, daß Moriz ihm nur so gestanden habe.! Bareza sei dann angeblich nach Nanas gefahren, waS dem! Zeugen aussiel, da Bareza nicht durch Nagnsalu kommen mußte, wenn er nach Nanas gehen wollte. — Bareza erwidert, daß er nicht ,'0 albern sei, sich direkt an Ncesli) zu werden׳. wenn er etwas aussorschen nwllie, standen ihm andere Mittel zu Gebote. Moriz Schars ivird hcreiugesühri. Gr erkcuut den Zeugen Bareza ׳. er hat mit ihm bei Heiner oft gesprochen, manchmal über die Gszlarer Sache, manchmal über andere Dinge. Moriz sagt, Bareza habe gefragt und er geantwortet. Gnies Abends befragte ihn Bareza wieder über Gsther und sagte ihm, daß seine Anssagen über den Mord nicht ivahr seien,!voraus Moriz ihm erwiderte: ״Nun, wenn sic nicht ivahr sind, so sollen sic nicht wahr sein.״ Seine damaligen Anssagen sind zu Papier gebracht worden׳, was damit geschah, weiß er nicht. Ne es ly und Moriz Schars werden mit Bareza konsrontin. und dieser hält alle seine Anssagen vollinhaltlich ansrecht. Zn bemerken ist, daß Moriz Schars dem Zeugen Bareza bei der Konsrontirnng die Bemerkung machte: ״Sic sind ja kein Unlersiichnngsrichtcr, und darum habe ich Ihnen gesagt: Nun, dann ist mein Ge׳ ständniß nicht ivahr." Zeuge Anton Heuter, •Hl Jahre alt, Kastellan, wohnt im Komilalshanse. Gr ist eine starke, große Gestalt mit kurzem Halle, mir Spenser, Stiefelhose und gcspoinlcn Stieseln --bckleidet. Bei ihm wohn! Moriz, und er ist dessen unmittelbarer Hüter. Gr giebt ans die zahlreichen Fragen kurze Antworten. Gr depouirt, daß ihm Moriz vom Vizegcspan übergeben wurde, nnd daß der Knabe täglich eine Stunde Unterricht erhalte. Moriz Pflege auch außerhalb des Hauses spazieren zu gehen, aber nie allein, sondern stets mit dein Zeugen. Heuler kennt Bareza seil einiger Zeit׳, derselbe war mehrmals in seinem Hause,.und sie haben auch über Moriz gesprochen. Bareza sagte zu Heuler, er inöchtc gerne in dieser Angelegenheit Mitwirken Niemals habe ihm aber Zeuge erlaubt, den Moriz über die- Sache auszusragcn. — Präsident: Hat Bareza anfgcschricben, was Moriz sagte? — Heuler: Nein — das heißt, er hat ans ein Stück Papier 'Notizen mit Bleistift gemacht. Was er gc׳ schrieben hat, weiß ich nicht. Daß Moriz zuletzt dein Bareza gesagt habe, er wisse von nichts, komme daher, weil er -"Hcntcr) den Moriz ausmcrlsam gemacht halte, wenn ihn Ieinand frage, solle er nur sagen, er wisse von nichts? — Bareza: Gin er von uns Beiden wird falsch schivören müssen. Ich vervslichte mich hier össentlich, mir, wenn es sich Herausstellen sollte, daß ich falsch ansgesagt habe, eine Kugel durch deu Kopf zu jagen. Ich wünsche nicht, daß auch Hentcr solche Vrrpslichtnng cingehe. — Heuter: Gr hat mit׳ auch von Geldsummen gesvrochen und gesagt, wenn die Sache gut ende), werden wir Beide glücklich sein! Lärm im Publikum׳ Hinfc: Aha!! — In Folge Ans. forderung des Bertheidigers Götvös ermahnt der Präsident zur Ruhe. — Heuler: Ich bitte, den Zeugen Kodak zu vernehmen. Derselbe wird hierüber eine Ansklärnng geben können. . Görvös: Ich habe an den Zeugen Hcntcr Fragen zu stellen und bitte, alle Thüren des Saales zu schließen, denn ich weiß, daß hier zwischen den ,-!engen eine verbotene Kemmunikalion herrscht. -Die Thüren iverden geschlossen.- Aus die Fragen, die Götvös stellt, depouirt nun Hcnter Folgendes: Gr übernahm den Moriz ans den!nündlichcn Auftrag des Vizegespaiis nnd ivurde damit betraut, ihn vor jeder Unaiinchnilich-, keil zu bewahren. Für den Unterhalt des Knaben erhält der Zeuge inonailich *J'> sl. von dem Grasen Palssp. Von der jüdischen Neligion wolle Moriz seit ׳Neujahr nichts mehr wissen. Zeuge habe ihrn oft zugcredel, doek> bei sciner Neligion zu ble'.dcn nnd ihm auch jüdische Gebetbücher gekauft. — Verth. Götvös: Mil welchem Rechte halten Sic den Moriz bei sich