Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-26
- Page
- 480 (sequence 4)
- Language
- German
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480 allgemein bekannt ist, das; er unter Aussicht der AdministrationS- Behörde sicht. Die Vcrlhcidignitg, welche der Meinung ist, der Jtnabc sei ans die Art und Weise, wie er seine Anssage hier abgcbcn soll, abgerichtet worden, will erfahren, was dieser Knabe, dieser Zeuge, während!3 Monaten gcthan, wie er behandelt wurde, tvelche Gesellschaft er Halle, wie und von wem er überwacht wurde. Der Zeuge hat im Laufe der Verbandlung Heuler und den Lehrer D-lsavski genannt und milgelheilt, das; er den ״Függellenseg" und ״Budapest" liest. Mit Nncksicht ans alle diese Daten bitte ich, den Herrn Vizcgespan zu ersuchen, in einem ansjührlichen Berichte über all das Auskunft zu geben, damit der Gerichtshof die Ucberzcngnng gewinne, ob der Zeuge während dieser Zeit in Freiheit gewesen oder solchen (iinslüssen prciSgegeben war, die seine freie Anssage behindern, ferner unter welchen moralischen (iinslüssen er gestanden׳, denn davon hängt Wort und Gewicht seiner Aussage sehr ab, und sein Vater, der, so lange er nicht vernrtheill ist, seine väterlichen Ncchte voll besitzt, wünscht über das, was mit seinem Sohne im letzten Jahre geschehen, Ausklärnng;n erlangen. Ich bitte den Gerichtshof, den Vizegeipan anfznsordern, jenen Ministcrial- Erlast, aus den er sich in seinem Bescheide, worin er den Vcrwandten des Mori; verbietet, den Knaben;n besuchen, beruft, hier vorznlcgen, damit dieser (irlaß den Gcrichtsakten beigeschlossen werde. Verthcidiger Fricdinann wünscht, dag Mori;, der nach seiner eigenen Aussage ein schwaches Auge hat und mit dem andern Äuge eine Stunde lang durch das Schlüsselloch gescheu habe, von einem Gcrichtsarzt und einem Augenarzt auf Farbenblindheit geprüft werde. Staatsanwalt Szchfsert pstichtet dem ersten Ansuchen bei, bezüglich der Augenprüfnng glaubt er, cs habe dies Zeit, bis bei der Verhandlung des Lcichenschmuggels ärztliche Autoritäten anwesend sein werden, die dann befragt werden können. — Verthcidiger Fricdinann konstatirt, daß auch heute Vary den Platz im Saale cinnimmt, den die Zeugen passiren müssen. Mit Rücksicht daraus, das; hier Dinge vorgebracht werden, die nicht in den Untcrsuchnngsakten Vorkommen und über welche er eventuell Aussagen;n machen haben rvird, bittet Verthcidiger Fricdinann den Präsidenten, Barn ״י׳: dem Saal;11 cntserncn, und beantragt gleichzeitig, ^gn als Zeugen zu;itircn. Die Staatsanwaltschaft schließt sich diesem Anträge an. — Präsident: Der Gerichtshof wird später hierüber ent chcidcn. Unter allgemeiner Spannung betritt nun Daniel Bareza den Saal. Zeuge bittet den Präsidenten um die (irlaubniß, seine Depositionen von Anfang bis zu (inde in einem Stücke abgeben zu dürfen, und sagt dann: Ich habe am '23. Juni vorigen Jahres in einer Zeitung gelesen, daß cs keinen guten Polizisten in Ungarn gebe, sonst würde derselbe ans den Schauplatz der räthselhastcn Tisza-(is;larcr Angelegenheit gehen und dort Erhebungen Pflegen. Ich ging in Folge dessen zu meinem Vorgesetzten, dem Debrecziner Ober-Sladthanplmann, und bat ihn um eine Verordnung betreffs eines gewissen Schasdiebstahls. Mit dieser kam ich zu dem Vizegeipan des Szabolcser Komitatcs, führte das Gespräch so, daß ich ans die Disza-Gszlarcr Angelegenheit kam, und erwähnte, daß ich bei derselben gerne Mitwirken möchte. Der Vizegespan rief mich zur Seite und sagte: ״Bareza, wird ans diesem Schaf nicht Solymosi Esther?" Ich sagte, daß ich in dieser Angelegenheit gerne Mitwirken möchte. Mit dem Staatsanwalt Ladislaus Nagh war ich persönlich bekannt. Ich übernachtete bei ihm und tvir sprachen über diese Angelegenheit. Tags daraus mittagmahlte ich bei dem Grafen Pongraez: wir sprachen von der Angelegenheit und ich schwur, daß ich die Tisza-^szlarer Assairc klarstcllen werde. Der Graf sagte mir: ״Und wenn die Inden das Mädchen nicht ermordet Hütten?" Dann, erwiderte ich, habe ich sie nicht zu suchen, denn dann ist sie sicher ersoffen. Ich ging nach Gszlar und nahm ans dem Thatortc den Thalbestand ans. Beim rcsormirtcu Geistlichen traf ich den rcforwirken Lehrer: ich bat ihn, er möge mir die Plätze zeigen, wo (isther Lolymosi sich bewegte. Natürlich gingen wir auch zu Frau Andreas Huri, wo ich ohne zu fragen erfuhr, wie das Mädchen in Verlust gerathcn. Von dort ging ich zu Frau Solymosi, die ich befragte, wie ihrer Tochter das Tuch um deu Hals gebunden war. Sic zeigte mir ein zweites, ganz gleiches Tuch. Bei der zweiten Gelegenheit kam ich hierher und fuhr wieder nach (iszlar, kehrte bei dem katholischen Geistlichen ein und hielt Umschau. Nicht lange darauf ging ich nach T'.sza- Lök, denn Staatsanwalt Nagh sagte mir, daß wir uns ans dem 'Wege nach Lök treffen würden. Herr Nagh fragte mich, ob ich Fäden gefunden habe: ich bat ihn, er möge Vertrauen zu mir haben, und ich werde die Sache klarstellen. Ich kam hierher, nach mir kam Herr Ladislaus Nagh. Nachdem ich aber fand, daß man mich nicht gerne sah, fuhr ich nach Hause. Zn Hause hörte ich, daß hierher ein Brief gekommen sei, wonach Bareza bestochen sei. Ich sprach mit dem Debrecziner Staatsanwalt über diese Angelegenheit, und derselbe versprach mir, daß er mich dem Sbcr-Staatsanwalt Kozma anempschlcn werde. Ich sprach in Debreezin, später in Pest mit dem Herrn Staatsanwalt, der mich bei dieser Gelegenheit damit betraute, Umschau zu halten, ob der Mord rituell geschah oder aus andere Weise. In Folge dessen kam und ging ich, machte Beobachtungen, schloß mit dem Kastellan Heuler Freundschaft, sprach mit ihm über Moriz und wünschte dessen geistige-Fähigkeiten kennen zu lernen, aus welchem Grunde ich einige Stunden bei seinem Unterrichte zugegen war. Ich entschloß mich, Mori; ins Verhör zu nehmen. Als ich mich einmal mit Heuler unterhielt, sagte er, er liebe mich wie seinen Brnder. Ich verlangte Beweise, woraus er mich fragte, was er thnn soll. Ich erklärte, mein Ansuchen am andern Tage stellen zu wollen. Tags daraus fragte ich ihn, ob er glaube, daß )ich die Tisza-Gszlarer Strafangclegenhrit nicht zuui Nachtheile der Juden entwickeln ivcrdc? (ir sagte: ״Ich fange es schon selber an zu glauben." — Ich sagte, ich schwöre, daß ich die (iszlarer Angelegenheit ansllärcn werde, wenn er mir die Mittel anznwendcn erlaube. Ich bcmerkte noch: Selbst wenn eine ganze Armee die Juden bewacht, so werden sic, wenn sie schuldig sind, doch nicht entkommen. Hierauf erlaubte mir der .üaslellan, meiner (ihre vertrauend, daß ich Moriz ausfrage, (is war am Abend des FranztagcS, als wir den Knaben vernahmen. Ich machte damals Notizen, weil Heuler selbst sagte: ״Ni!nm Papier und schreib/ damit cs authentischer sei." > Zeuge ui'.nmr hier ein Papier aus der Brustlasche, entfaltet dasselbe und liest.» Ich sagte zu Moriz, daß ich nun in der Angelegenheit der (isthcr hier sei, er solle sich nicht fürchten, er solle die Wahrheit sagen, es sei Niemand im Zimmer, als er, ich und Henter. (irzähle uns nun, was du gesehen hast, Nun, sagte Moriz, ich hörte c»”0!1 Lärm, ging hin und so sah ich, das; die tislher im Tempel von den Inden ermordet wurde. Sie Hütte ein rothcS Kleid an. Heuler fragte: War sie nicht in bloßem Hemde? ״O ja, sagte Moriz, sie war in bloßem Hemde. Ich sah, daß sic der jüdische Bettler in den Tempel rief, damit sic die Gebetbücher wcgräume, ich probirtc, die Tempclthür ansznmachen, als ich diese Szene sah, nachdem aber dieselbe geschlossen war, sah ich durchs Schlüsselloch. Ich sah, wie man ihr den Hals dnrchschnitl. Ich bin nicht erschrocken. Das Mädchen schrie nicht, weil man ihr den Mund zugebunden hatte: bewegen konnte sie sich nicht, weil man sic hielt. Wer sic hielt, weiß ich nicht." — Ich sagte ihm hierauf: Ich weiß, daß du Verstand hast: du redest nicht die Wahrheit, wo du doch weißt, daß Gott den Lügner bestraft, (irzählc die Sache so, tvie sie war. Hieraus sagte Moriz: ״'Wenn ich die Wahrheit sagen soll, ich habe nichts gesehen." Warum hast du bis jetzt gesagt, das; du es gesehen hast? Hat man dich geschlagen? ״Geschlagen hat man ntich nicht; einigemale hat