Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-26
- Page
- 478 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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478 üb kr erhalten hat, das; diese die polizeiliche Deausilchtigung der (fszlarer Zeugen eingestellt hat? Verlheidigcr fragt dies nicht aus Neugierde, sondern weil auch die Venheidigung darüber zn wachen hat, dag die Zeugen auch durch Acußcrlichkeitcn nicht mrorifirt werden. Der Präsident erklärt, dag er diesbezüglich noch gar keine Verständigung erhalten hat. -- Verteidiger Friedmann sagt, er habe privatim Kenntnis; d.wcm, dag diese polizeiliche Beanjsichtignng gestern Abends noch in doller Blüthc stand. Wenn das Gericht nicht in der Lage ist, dem Gesetze Ächtung zu verschassen, so werde sich die Vettheidignng uu׳ mittelbar an die Negierung wenden, 1tm ähnlichen, llcbcrgrisscn der administrativen Behörden ein Ziel zu setzen. Die erste Zeugin, Frau Josef scharf, 2»; Jahre alt, hat ein rechtes und ein Stieskiud, und erklärt sich bereit, Zeugen« aussagen zu machen. — Sie erinnert sich, dag drei Schächter an einem Samstage im Orte waren, um zu konlnrrircn. Gesehen hat sie dieselben nicht. Der Gottesdienst dauerte bis gegen 11 Uhr. Der Bettler kau: Freitag Nachmittags mit Weib lind Kind und erhielt bei ihnen Quartier. An; Samstag sah sie ihn Mittags zu Lichtmann essen gehen, von dort kam er mit 1 Uhr zurück. Sic weiß auch von der Besprechung, welche am späteren Abend bezüglich der Nrgalicnpacht in der Tempclvorhalle siattfand. Die fünf Thcilnehmcr gingen um 0 Uhr oder etwas später nach Hanse. Ihr Mann Joseph war den ganzen Tag zu Hause. Abends ging er zu Lichtmann, wohin man ihn ries, um zn beten. Man rief -auch den Moriz, Zeugin weiß aber nicht, ob er hingegangen war. Auf das Gesprach mit Frau Batory, welches sie mit derselben über.das Gefasel des kleinen Samu führte, erinnert sic sich nicht genau, nur weiß sie, daß ihr die Batory nicht erzählen wollte, was der Knabe sagte.. Ob sie die Gsther kannte, weiß sie nicht bcstimmt׳, daß dieselbe verschwunden, erfuhr Zeugin der Lichtmanu. Frau Solymosi traf sie an diesem Tage und fragte, was mit ihrer Tochter geschehen sei, worauf diese antwortete, sic sei verschwunden. Zeugin fragte, wie das möglich sei, daß ein Mädchen am Hellen Tage ׳ verschwinde. Hierauf fain ihr Mann, sic ging fort und wisse nicht, ob derselbe mit Frau Solymosi über das Verschwinden oder über die Nanascr Geschichte gesprochen. Die Zeugin wird mit Frau Solymosi konfrontirt und bcharrt bei ihrer Aussage. — Aus fernere Fragen des Präsidenten antwortet die Zeugin, daß sie fünf Leuchter hatte; Freitag Abends wurden diese auf den Tisch gestellt und Samstag Früh von der Frau, die während des ganzen Jahres solche Dienste verrichtete, wieder weggestellt. Bei ihr lhal dies die Frau Batory oder deren Tochter, an jenem Tage bestimmt eine von Beiden. Aus den Vorhalt dcS Präsidenten, daß sie vor dcln Untcrsnch'.mgSrichlcr zugegeben, cS habe dies manchmal auch eine andere christliche Person gethan, erwiderte die Zeugin, sie habe AehnlicheS nie gesagt. — Zeugin dcponirt ferner: Im Tempel blieb Samstag Mittag sicher Niemand zurück׳, ihr Mann habe selbst den Tempel zngesperrt. (*fitier hat sie kaum gekannt und sie nie in ihrem Hanse gesehen, an jenem Tage bestimmt nicht. Zeugin ist seil sechs Jahren verheirathet, ihr Stiefsohn Moriz war manchrnal schlimm, manchmal böse und unfolgsam. Hie und da hat sic ihn gestraft. Sie hebt hervor, daß er immer sehr furchtsam gewesen, man mitßcc ihn immer begleiten. Dem Vater gegenüber war er oft halsstarrig, auch hat er oft gelogen. An dein Tage, als sie verhaftet wurde, hat er ihr, weil sic ihm zwei Streiche gab, ein Messer nachgeworfen, dessen Spitze sie traf. D׳.; Winter über hat Moriz keine Schule besucht. — Aus die Fragen des Staatsanwalts dcponirt Zeugin, ihr Sohn Samu Hab», dimals, als Samstag Mittags Leute aus dem Tempel kamen, irgendwo im Hanse gespielt, sie hat das von Samu über Gsther's Verschwinden (7rzählte nie selbst ans seinem Munde gehört, und man Hot eS ihm gewiß irgendwo vorgesagt. Moriz hat am Samstag beim Mittagsmahl nichts erzählt, und sie habe ihm nicht Schweigen anserlegt. Ucbcr Gsther's Verschwinden hat sie vielleicht mit ihrem Manne. gesprochen, wie ja überall darüber gesprochen wurde. — Ans Befragen (?ötvös' erklärt Zeugin Scharf, daß sie erst im Monat Mai erfuhr, daß ihr Söhnchen Samu allerlei Neben über die (Ermordung ^sther'S führe. Moriz erzählte ihr die Geschichte dcS angeblichen Mordes nicht, sondern beklagte sich sogar über die Plaudereien seines kleinen Brüderchens. An die Ankunft des Untersuchungsrichters Bary in Eszlar erinnert sich Zeugin ganz genau. Sie war damals als rekonvaleSeircnde Wöchnerin zu Hanse, wurde jedoch vor Bary ins Gemeindehaus besohlen und verblieb bis gegen Abend daselbst. Abends flehte sie, ׳.׳.ach Hanse gelassen zn werden, was ihr nach langen; Bitten endlich zngestanden wurde. Der Klcinrichtcr Lazi cSkortirte die Zeugin bei dieser Gelegenheit und bewachte sic, die sich sofort zu Belte legte, bis zum andern Morgen. Der Tempclschlüsscl hing neben der Thür des zweiten Zimmers. Inden seien zwar zum Tempel gekommen, doch habe Lazi ihnen den Schlüssel nicht geben;vollen. Ob Jemand während jener Nacht in; Hose herumgegangen sei, weiß Zeugin nicht, und es hat dies an; andern Morgen auch 'Niemand der Zeugin gesagt. Am folgenden Morgen wurde sic ebenfalls in ihren; Hause bewacht, während die Dorfbewohner die ganze Uingebung der Synagoge mit Schaufel und Spaten dnrchwühltcn, bei;velchcr Arbeit anch einige Herren gegenwärtig waren. Mit Moriz durfte sic von; ersten Augenblick ihrer Detenirnng an nicht mehr sprechen, was ans Befehl dcS Untersuchungsrichters geschah. Sie wurde an; 21. Mai nach Nyiregyhaza inö Gesängnitz geführt und erst am 3. November von dort entlassen. Der Untersuchungsrichter habe ihr erst einige Wochen vor ihrer (.Entlassung mitgethcilt, wessen sie beschuldigt werde, und verhörte sie stets allein. — Ans die Frage Funtak'S erklärte die Zeugin, es hätten bei ihr in 'Zszlar viele tähristeuweiber, darunter auch eine 80—jähr. Greisin — die Frau Johann Papp vörgcsprochen und erklärt, daß sie an die ganze Mordgeschichle nicht glauben können und ihr Schicksal bedauern. Ans Intervention des Verlhcidigerö Heumann stellt Zeugin auch den Umstand fest, daß ihr Sliessohn Moriz Schars in; August 18sl 13 Jahre alt wurde. — Friedman;; richtet noch mehrere Fragen an die Zeugin, welche angiebt, daß der Schlüssel in solcher Höhe an; Nagel hing, daß Zeugin und anch Moriz denselben herablangen konnten. Ob Moriz an; ersten Tage ihrer Verhaftung zn Mittag aß, solvic ob dessen Großmutter ihn; an dcinselben Tage ein Abendessen geschickt, weiß Zeugin nicht, und sie erinnert sich anch ans die Namen jener Herren n;cht, welche bei jener Gelegenheit, als nin die Synagoge herum gegraben wurde, anwesend waren und die Führerrolle spielten. Angeklagter Schars: Ich;vciß gar nichts davon, daß Moriz an; letzten Tage, an welchem er sich mit seiner Mutter in tziSzlar befand, ein Messer nach ihr geschlendert hat ׳, mir war nur der erste ähnliche Vorfall, der sich vor zwei Jahren ereignete, bekannt. Zeugin erzählt hierauf den Hergang der Sache, wonach sic am letzten Tage ihres Verwcilcns in (vszlar Moriz einen Auftrag gab, den dieser nicht aussührcn;volltc. Deßhalb zurechtgewiesen, schleuderte er ein Messer mit weißen; Beinhejt nach ihr, welches sic streifte und sie mit der Spitze am Arme vcrletzte. Zeugin wird mit der Gabriel Solymosi bezüglich der Umstände ihrer Begegnung mit der Mutter GslherS konsrontirt. — Frau Gabriel Solymosi behauptet, daß Frau Scharf dabei gewesen sei, als ihr Mann der Mutter Gsther'S den Nanascr Fall erzählte, und daß sie diese Erzählung unbedingt gehört haben müsse. . Frau Schars sagt der Mitzeugin inö Gesicht, daß sie die Unwahrheit spreche und Zeit genug gehabt habe, das Märchen auswendig zu lernen.