Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-26
- Page
- 477 (sequence 1)
- Language
- German
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M :50. Jeschnrntt. 377 Die Aerhaildliiiig des Tis;a-(5s;larcr Prozeß vor dem Gerichtshof in A'yiregyhLzci. l Fortsetzung, (tS folflt 3cugc C&rcgor Danek. Irr ist ans Polen gebärtig und wegen Diebstähle« von ülostschweisen gegenwärtig zu vier “.')!»1ו!וtm Gesängnist vernrthcilt. Im vorigen Jabre war ^seugc Rutscher bei Necsky und erinnert sich des M'ori; scharf, als dieser ins Hans Üiecsky'S nach Nagusalii gebracht wurde. Der Zeuge hörte;wischen!> und I < י Uhr Ab endo aiio dein gegen den Garten;11 liegenden Schrcibziinincr des!llecsl» Gerausch; er ging aus 9!eugierdc;um Fenster dieses 3immers und sah da Necsky, den Panduren Bako, Mori; Schars und einen fremden Herrn, der beim Schreibriiche fast und schrieb. Necsly befragte den Knaben, ob dessen Baker das Christenmädchen ermordet habe. Mori; habe geantivortet und der fremde Herr geschrieben. Necslv befahl bei dieser Gelegenheit dem Panduren Bako, dem Knaben eine Ohrfeige;u geben. Dieser kam jedoch dem Befehle nicht nach׳, warum, weist der Zeuge nicht. Ter Zeuge war nicht allein beim Fenster, sondern in Gesellschaft des Kutschers Kolo man, der Magd Marie V c 0 f 0 und des Gärtners. Rcesky bemcrfle nach einer Weise die Zu- Hörer im Garten, lief wnthend heraus und jagte dieselben anseinander. Mit Ncesk» lousrontirt, leugnet dieser, dast der Zeuge bei ihm gedient habe, und behauptet, dast er bei seiner lNecsky's, Schwiegermutter Kutscher war. Ucbrigens crllärt er Danet für einen ״bestochenen falschen Zeugen". Nun wird Danel gefragt, ob er in Peczelp jenen fremden Herrn erkenne, .der damals im Arbeilszimnnr Nceslii's schrieb? Dauck sagt, es sei nicht Peezely gcivcscn. — Berrbeidiger Friedmann richtet die Frage an Nccski), warum er die Voutc vom Fenster weggejagt habe, da er ja doch;11 seinem Verfahren gegen Mori; selber Zeugen ins Zimmer holte׳, es hätte ihm ja nur äugenehrn sein können, wenn bei der Bernehmung Mori; Scharf's io viel Zeugen als nur möglich anwesend ׳ gewesen wären? — Neesly antivortctc, er habe dies deshalb gcthau. weil er nicht wollte, dast die Leute beim Fenster Hineinblicken׳, hätten sic den Wunsch gcäustert, bei der Bernehmung;ugegeu;u sein, so hätte er dieselben mit den Worten: ..Belieben Sie einzutrelcn״ cmpsangcn. Allen diesen Behauptungen gegenüber hält Zeuge Danel seine Depositionen vollinhaltlich aufrecht und ist bereit, dieselbe;11 beeiden. Die Zeugin Marie Lcsko,;ur Zeugenaussage ausgcsordcrt, erzählt, das; sic im vorigen Jahre als Magd im Hanse NccSky'ö bedienstet war. Sie erinuerlc sich ganz genau ans den Umstand, dast Mori; Schars von Tis;a-trs;lar nach Nagm'alu ins Hans NeeSly's gebracht wurde. Nach dem Abendessen führte man den Knaben ins Arbeitszimmer. Hier fragte Necskt! den jungen Schars über das Ghrislenmädchen ans, rist ihn am Ohr, ohrfeigte ihn wiederholt und einmal hieb auch der Pandur niit einer Peitsche auf den Jungen. Später kamen dann noch;ivei Her׳׳׳׳,i nach Naghsalu, und da wurde Mori; iviedcr verhört. Nccski) verhörte ihn, während einer der Herren sitzend;::hörte. Auch bei dieser Gelegenheit schreckte Nccslv den Mori;, gab chm aber nur einen Hieb. Alles dieses habe Znigin durchs Fenster ans dem Garten mit den übrigen Dienstboten gleichzeitig gesehen. Die Jalousien des Zimmers waren offen und das Zimmer erleuchtet, so das; man Alles genau sehen konnte. Nachdem Neeski, die Dienstboten auseinandergejagt hatte, kehrte Zeugin mit Julie MeS;aros noch einmal;um Fenster zurück und sah der Prozedur weiter zu. Um diese Zeit waren schon die beiden Herren ans Gszlar auch gekommen. Tie Zeugin hörte nicht, was Mori; sprach, und giebt an, das; dessen zweite Bernehmung gegen Mitternacht staltsand. Ferner giebt Zeugin an, das; man eines Abends eine Jndeusrau aus Sziget ins Haus Reedky's brachte: dieser erzählte nun die Zeugin, wie schlecht man den Mori; Schars behandelt habt. Die Amme hörte dies, meldete cs dem Necskii, der sie (Zeugin) hierauf;u sich ins Zimmer rufen liest und so misthandclle, dast ihr Körper voll׳ Beulen und Striemen ״w, von welchem Umstande auch die Arvai wisse. Diese bestätigt, die Spuren dieser Misthand, lnng am Körper der Lcsko mit eigenen Augen gleich damals gesehen zu haben. Mit Nceslp lousrontirt, leugnet dieser, den Mori; Scharf mit Worten oder diuch Handlungen insnltirt;u haben, und nennt auch die Lcsko eine bestochene falsche Zeugin. Im Laufe der ferneren Ginvcrnchmnng hält Zeugin ihre Anssagen aufrecht, uud Nceski, bekennt, dieselbe geschlagen zu haben, und zwar wegen des von der Zeugin erwähnten Geredes mit der Jndeusrau. Dies sei ans dem Grunde geschehen, weil er seinem .Hausgesinde einfür allemal verboten hatte, über Sachen, die mit den in Nccskp's HauS gebrachten Leuten geschätzen,;11 Plaudern. Die Zeugin Sarah Szilavi war damals Köchin bei Necsky. Sie erinnert sich auch an die Anknnst des jüdischen Knaben in Nagysalu. bis war vor dem 'Nachtmahl. Mori; kam in die Küche und blieb dort 1/- Stunde, bann hat ihn der Pandur Bako ins Speisezimmer geführt. Sic hat in der Nacht den Knaben weder gesehen noch gehört, sondern sah ihn nur am nächsten Morgen, als er abrcisle. Ans Befragen des Präsideuten sagte sic ferner, unter den Dienstlcnten habe man zwar Bcrschirdciics gesprochen, sie habe sich aber darum nicht gekümmert. Diejenigen, die bei dem Verhöre im Zimmer waren, sagten, daß dein Knaben lein Leid geschehen sei; ihr hat weder die Lcsko noch der .Kutscher Danel envas darüber erzählt, dast sic durch das Gartcnsenslcr zugesehen. Die Lcsko wurde vom Herrn geschlagen, weil sic einer Jndeusrau erzählte, dast Mori; gepeinigt wurde. — Daniel Barcza, 'Nikolaus Gsapaj und Gngen Jarmi, die über dieselben Fakta anssagcn sollen, sind nicht anwesend. Gs ivird daher ans Antrag des BerthcidigerS Josef Klein sortsetziingsitzcise verhört. Derselbe giebt an, vor dem Uiilcrslichimgsrichtcr ans Angst und Befangenheit nicht nach bestem Gewissen ansgesagt zu haben, und giebt sodann eine Darstellung der Vorkommnisse an jenem Samstage, konform den Anssage» der anderen jüdischen Zeugen ans Gszlar. — Auf Bemcrteil des Präsidenten, Zeuge müsse sich früher doch besser erinnert haben, bittet Bnxbanm ums Wort und erklärt, dast auch er sich später besser an daerinnerte, was vorgcgangen war, denn erst nach sieben Monaten UiitcrsiichiingShast erinnerte er sich, das; ihn ein christliches Mädchen bei Siistmann gesehen. — Der Präsident schlirstt sodann dir Verhandlung, nachdem׳ noch Klein und Nosi. Noscnberg beeidet worden waren. Morgen soll der Debrecziner Sicherheits-Kommissär Bareza vernommen werden, der Kcnntnist davon haben will, wie Mori; zu der jiidcliscindlichen Aussage abgcrichlct wurde. 27. Juni. Der Präsident eröffnet die Sitzung um halb!<> Uhr. — Der Angeklagte Junger bittet, eine Müthcilnng machen zu dürfen, und erzählt sodann, dast, als er in das hiesige Ltrashans gebracht wurde, er hier einen Mitgefangenen trif, mir dem er über seine Verhaftung gesprochen. Derselbe erzählte, dast er eben aus Nagpfaln komme, ivo er zugegen war, als man znm ״Sicherheits-Kommissär einen Jndcnknaben führte, welcher in den Stall gebracht wurde, von wo ihn Necsly mit den Worten hcransricf: ״Komm', du Galgenstrick!" Gr (Junger) wisse den Namen dieses Häftlings nicht; nur so viel wisse er, dast derselbe in Jbrany wohne. Gin anderer Zellengenosse, Alexander Hegymegi, hörte ebenfalls diese Grzählnng; derselbe befindet sich noch in Hast. Junger bittet, die Genannten als Zeugen zu verhören. Verth. Friedmann richtet die Frage an den Präsidenten, ob er seitens der administrativen Behörde eine amtliche Verständigung dar-