Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-07-26 · Heft 30 (26.7.1883) · p. 470

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 30 (26.7.1883)
Article
Zur Abwehr
Date
1883-07-26
Page
470 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933026-2953537--13082-2953573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

470 durch das Ehristenthum eine solche offenbare und für Jeden über allen Zweifel erwiesene Wahrheit sei, nehmen wir entschieden in Abrede. Herr Delitzsch wird uns nicht zumuthen wollen, daß Paulus für uns irgend eine maßgebende Autorität sein könne. Wer will cs Verblendung neunen, wenn wir an den wiederholten klaren und entschiedenen Aussprüchen des göttlichen Wortes festhattcu, das die ewige Verpflichtung auf das göttliche Gesetz als einzige und bleibende Basis unserer Beziehung zu Gott zu Grunde legt. Und unzweifelhaft klar und bestimmt erscheint uns das Wort 5. Buch Mosis Kap. 30, 1—5, B—10: ״Und es wird geschehen, wenn über dich alle diese Worte, der Segen und der Fluch, die ich vor dich hingegeben habe, gekommen sein werden, so wirst du dir cs zu Herzen bringen unter allen Völkern, wohin Gott dein Gott dich verwiesen, und wirst ganz bis zu Gott deinem Gotte zurückkehren und auf seine Stimme hören, nach allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele. Und dann wird auch Gott dein Gott sich wieder zurückwcndcnd deine Vertriebenen aussuchen und wird sich deiner erbarmen, und wird dich zusammensammeln aus all den Völkern, wohin Gott dein (S^ott dich zerstreut. Wenn auch einer deiner Verwiesenen am Ende des Himmels sein wird, wird von da Gott dein Gott dich zusammensanimeln und von dort dich zu sich nehmen, — und Gott dein Gott dich heimbringen zu dem Lande, das deine Väter einst und du sodann in Besitz genommen, und wird dich nun noch in größerem Maße als deine Väter beglücken und vermehren." — ״Du aber kehrst zurück und hörst auf die Stimme Gottes und erfüllst alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, und Gott dein Gott zeichnet dich in all deinem Händewerk, in der Frucht deines Leibes, in der Frucht deines Viehes und in der -Frucht deines Bodens zum Guten aus. Denn Gott wird sich wieder über dich zum Guten freuen, wie er sich über deine Väter gefreut; — denn du wirst nun auf die Stimme Gottes deines Gottes, die in dirseS Buch der Lehre niedergeschricbcn ist, hören, alle seine Gebote und seine Gesetze zu beobachten; denn du wirst nun zu Gott deinem Gotte mit deinem ganzen Herzen unb deiner ganzen Seele zurückkehren." Wer will uns einer ״Verblendung" zeihen, wenn wir hierin die ewige unverbrüchliche Verpflichtung Israels auf das ganze Gesetz erblicken? Und wer wird über das treue Ausharrcn Israels bei dieser Verpflichtung ״empört" sein können?? Wir verbleiben dabei: ״das gcheimuißvolle Verborgene verbleibt unserem Gotte, aber was für uns und unsere Kinder auf ewige Zeiten das Offenbare bleibt, das ist: alle Worte dieses Gesetzes zu erfüllen." (5. Buch Mosis Kap. 29, 20.) UnS geleitet das letzte Wort des letzten Propheten durch die Zeiten: ״Bleibet der Lehre meines Dieners MoseS eingedenk, der Ich ihm am Ehoreb für ganz Israel Gesetze und Vorschriften erthcilt habe." (Maleachi Kap. 3, 22.) Wir wiederholen, wir freuen uns unseres glücklichen Standpunktes, der uns trotz, oder vielmehr vermöge dieser unserer unverbrüchlichen Ueberzcugung so glücklich sein läßt, allen anderen Religionen, und auch namentlich dem Christenthum gegenüber, allem dem gerecht zu werden, was dieselben für die Erleuchtung und Gesittung der Völker bereits gebracht haben und noch bringen mögen. Um so mehr, da wir allerdings in dem, was das Ehristenthum an Geist erleuchtender und Gemüther veredelnder Wahrheit den Völkern gebracht hat, nur Saaten zu erblicken vermögen, welche auf dem Acker der jüdischen Lehre gewachsen sind. Unsere, von Herrn Delitzsch ״sich über Geschichte und Exegese ohne allen Wahrheitssinn hiuwegsetzcude Verblendung" genannte Ueberzcugung wird so sehr von ungekünstelter Exegese und uncntstcllter geschichtlicher Wahrheit getragen, daß vielmehr uns Exegese und die sich noch täglich vor unseren Augen vollziehende Geschichte lehrt, daß mit dem Ehristenthum, den! wir gern die welthistorische Bedeutung eines vorbereitenden Mittels zur endlichen Herbeiführung des von Gesetz und Propheten der jüdischen Lehre verkündeten endlichen Heiles der Menschheit zuerkennen, noch keineswegs auch nur einigermaßen ״das Ziel der göttlichen Weissagung und das Ende des Gesetzes" gekommen sei, wir vielmehr noch immer der Zukunft entgegcnzuharren haben, von welcher es Jesaja Kap. 2, 2—4 heißt: ״Und es wird geschehen am Ende der Tage" u. s. w., — noch immer der Ankunft des Jsai's Sprößling zu warten haben, durch dessen Wort und Wirken, nach Jesaja Kap- 11, 1—9, endlich der Wolf neben dem Schafe ruhen und nirgend mehr Unheil und Verderben geschaffen werde, weil die Erde voll sein wird der Erkenntniß Gottes, wie das Wasser des Meeres Bette deckt. Zu den ferneren Ausführungen des Herrn Delitzsch bemerken wir, daß nach dem Talmud die Gebote der Gerechtigkeit uns ausnahmslos gegen alle Menschen, selbst gegen Götzendiener und Heiden, verpflichten, die Gebote der Liebe aber auch allen nichtjüdischen Menschen gegenüber uns obliegen, die sich zu den allgemein menschlichen, zu den sogenannten sieben noachidischcn Gesetzen bekennen. Das war zu jeder Zeit die religiöse Pflichtlehre in der Jndenheit und ist in der Neuzeit unzählige Male bereits von der jüdischen Gegenwart erklärt worden, so daß cs dazu nicht noch einer von Herrn Delitzsch erwarteten feierlichen Erklärung bedarf, um so weniger, als ein Blick auf das thatsächliche Verhalten der Juden im Rechtsverkehr mit ihren nichtsüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.