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Jeschurun · 1883-07-26 · Heft 30 (26.7.1883) · p. 471

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 30 (26.7.1883)
Article
Zur Abwehr
Date
1883-07-26
Page
471 (sequence 3)
Language
German
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471 Genossen und ihre hervorragenden Leistungen der Wohlthätigkeit und Menschenliebe für Jeden den besten praktischen Kommentar dazu liefert, der nicht geflissentlich die Augen verschließen will. Unbegreiflich erscheint cs auch, wie Herr Delitzsch die im Buche Ester erzählte Tödtung so vieler nichtjüdischer Mitbewohner durch die Juden als eine Schmälerang der sittlichen Reinheit der jüdischen Religion darstellen mag. War dies doch ein reiner Selbstvertheidigungskampf, waren die vom jüdischen Schwert Getroffenen doch selbst zu einer Nicdcrmctzcluug aller Juden durch den fanatischen Haß eines allmächtigen Ministers bereit und gerüstet. Ausdrücklich erzählt das Buch Ester, daß nur durch diesen zur Vertheidigung unternommenen Aufstand der Juden ihr eigenes Leben zu retten war. Irgend ein religiöses Motiv war diesem Vcrtheidigungskampf der Juden gegen die sie bedrohenden Feinde so fremd, wie den Kümpfen und Schlachten des deutschen Volks gegen die sie bedrückende und bedrohende französische Macht. Und so gewiß eine religiöse Feier des 18. Oktober und des 2. September nicht die Tödtung von so und so viel Tausend Franzosen, sondern die Befreiung und Erhebung von und über dieselben freudig begeht, ebenso feiert das Pnrimfcst nicht den Tod des niedergeworfencn Feindes, sondern die Errettung aus dem Untergang drohenden Verderben. Das ist so klar und unzweideutig ausgesprochen, daß es uns eine Vcrkenunng der geschichtlichen Urkunde däuchte, wollte man daraus etwas Anderes als historische Wahrheit hinstellen. Und in diesem Sinne hat die Judcnheit stets das Purimfcst gefeiert und feiert es noch heute im freudigen Danke gegen Gott, welcher den Anschlag des Feindes zu nichtc gemacht und dessen, die Vernichtung ״aller Inden, von Jung bis Alt, Kinder und Frauen" zum Ziele habenden Vorsatz vereitelt. Es ist deshalb weder eine Ueberhebung noch eine Verblendung, wenn ״für das Jndeuthmn der Karakter der Religion der allgemeinen Menschenliebe in Anspruch gcnounnen wird." Es waltet seines priesterlichen, von Gott destimmten Berufs für die Gesammtmcnschhcit, . deren dauerndes wahrhaftes Heil durch die Unterordnung des ganzen Einzel- und Volkslebens unter dem Willen Gottes zu begründen. Hierfür trägt cs das Banner Gottes unb seines Gesetzes allen Völkern voran bis zum Ende der Tage. ihfftfdje EiiiisMlion itt Amerika. (Schluß.) Die Ackcrbaukolonien bestehen: 1) In Eotopaxi im Staate Eolorado aus 17 Haushaltungen mit 65 Personen. Die Erhaltung und Ausstattung derselben hat einen Aufwand von etwa 10 200 Dollars erfordert. Obgleich für diese Kolonie recht günstige Aussichten auf Erfolg vorhanden sein sollen und in nächster Nähe noch niehrerc tausend Acker Landes (5 acres 2,02 •'Mt.) zur Verfügung der .,Ickehw^v umi^rniit nick sodety“ stehen, so muß die Letztere aus Mangel an erforderlichen Mitteln auf eine weitere Ausdehnung derselben verzichten. — Dasselbe gilt 2) von der Ansiedelung zu Vineland mit 67 Familien auf je 13 Acker, über welche Herr Berger berichtet, daß ihm die beiden nichtjüdischcn Leiter dieser Kolonie das höchste Lob der Kolonisten aussprachen. ״Die Konsequenz, mit welcher sie an ihren Gebräuchen scsthaltcn, hat den Nachbaren Achtung cingeflößt." Die in Vineland erscheinende Zeitung ״The Timerd schreibt in ihrer Ausgabe vom 11. Mai d. I.: ״Unter allen Arbeitstcnten nehmen unsere jüdischeu Ansiedler den ersten Rang ein. Jung und Alt, früh und spät, scheinen sic niemals zu schlafen, und wenn sie nicht rcüssircn, so ist es nicht ihre Schuld." Koscher-Fleisch beziehen sie aus Philadelphia; sie leben aber zumeist von schwarzem Kaffee und Noggenbrod. Die Holzhäuscheu, welche sic sich theilweisc selbst errichtet haben, enthalten ein Ober- und ein Untergemach und sind für je eine Familie berechnet. 3) In E stclleville, 8 Kilonictcr von der Eisenbahnstation May's Landing, in der Nähe Vinclands, sind 30 Familien angesiedclt. Außerdem sind aus verschiedencn Fariuplützen, wie auch in Hartford und N e w - H a v en Emigranten untergebracht. Die Ansiedelung in Estcllcvillc befindet sich auf dem Grunde des General Burbridge, welcher Herrn Berger gegenüber sich überaus günstig über den Fleiß der Kolonisten anssprach. Sic verrichten unverdrossen, selbst im härtesten Winter, die schwersten Arbeiten, als: Holzfällen, Ansrodcn von Waldstetten n. dgl. In den Häuschen gewahrte Herr Berger eine ebenso große Reinlichkeit, סוic drückende Armuth. Auch sie haben säst nicht mehr als Noggenbrod zur Nahrung. Die Kinder besuchen die öffentlichen Schulen der Umgebung und erhalten zu Hanse Religionsunterricht. . Auf der Hauptansicdclung befindet sich ein Arzt, selbst russischjüdischer Emigrant. Wegen der Ausdehnung und der unzusammenhängcndcn Lage der einzelnen Ansiedcleien wird in verschiedenen Häusern der öffentliche Gottesdienst abgehalten. 4) Bei Paintcd Woods, 48 Kilometer von der Eisenbahnstation B i s m a r k im Territorium Dakota, mit 20 Fainilien und 100 Seelen. Um diese Kolonie hat der Rabbiner Wcchsler in St. Paul, Minnesota, bedeutende Verdienste. Das Land wurde thcilS durch Kauf, größtcnthcils aber durch Ausübung dcS Homcstcad-Ncchts erworben. Dasselbe besteht ׳ darin,

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