Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-19
- Page
- 463 (sequence 7)
- Language
- German
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463 für nothwendig erachtete, das Protokoll niederznschrciben, ant- 4ü0rtct Zeuge, daß er dies aus dem Grunde chat, damit nichts in Vergessenheit gerathe. Angeklagter Samuel Schwär;: Am 121». Mai kamen Sie, Herr Zeuge, Nachmittags in das Zimmer, in welchem ich, Josef Schars und Mori; in Haft gehalten wurden, um Mori; vor den Untersuchungsrichter;u führen. Mori; schlief-, Sie weckten ihn mit dein Bemerken: ״Du wirst dich schon im Kerker ansschlafen!" Wie wußte eS der Herr, bevor Mori; noch vernommen wurde, daß er in den Kerker geralhen wird?" — Zeuge leugnet, dies gesagt zu haben. — Auf die Frage des Vertheidigers Heumann antwortet der Zeuge, daß er nicht wisse, daß auch Neesky dem Untersuchungsrichter geschrieben habe. Das Protokoll schrieb er so, wie Mori; aussagle. Daß seinen Vater, sagt der Zeuge, die Schwere der Anklage trifft, wußte ich aus der schon drei Tage dauernden Untersuchung. — Vertheidiger Heu mann bittet den Gerichtshof, anSznsorschen, was mit dem Briese geschchen sei, welcher für den Staatsanwalt Äolh dem Zeugen durch Bari) übergeben wurde. — Zeuge antwortet aus diese Frage des Präsidenten, daß ihm der Untersuchungsrichter keinen Brief übergeben habe und daß er von diesem Briese nichts wisse. Der nächste Zeuge, Andreas Neesky, gegenwärtig Grundbcsitzer, war Sicherheits-Kommissär in Nagyfaln. Gr deponirt: Der Untersuchungsrichter Barg hat mir und Pec;eln den Mori; Schars in Gszlar übergeben, damit wir ihn nach Nyiregyhaza;n Gerichte bringen. Wir erhielten einen Brief an das Gericht oder an den Staatsanwalt mit, den ich nicht abgab, weil ich den Knaben nicht hereinbrachtc, und den Vary, ivie ich glaube, wieder an sich genommen hat. Von Gszlar sind wir spät Abends aufgebrocheu und als wir nach Nagyfaln kamen, saß meine Familie schon beim Nachtmahlc. Aus die Uhr habe ich nicht gesehen. Vor dein Nachtinahle war Mori; einige Zeit draußen, doch fand ich cS bald für gut, auf Peczely's Grinnernng ihn Hereinrusen zu lassen, und er blieb während des Nachtmahls im Speisezimmer. Da Peezely kraul׳ war, ging er gleich nach dom Nachtmahl;ur Ruhe, und ich fand cs angc-;eigl, ihn! den Mori; aus sein Zimmer mitzngeben. Peezely sagte damals dem Knaben, daß er auf freien Fuß gesetzt würde, wenn er anssagen wollte, was er wisse. Hieraus sagte der Knabe, daß er sich vor den Inden und seinem Vater fürchte. Peezely sagte ihm, wenn er die Wahrheit sage, geschehe ihm nichts,;vorauf Mori; gestand. Wir führten ihn ins andere Zimmer; dort wurde seine Aussage nicdergeschriebcn, und der Knabe unterschrieb dieselbe. Ich fand es für nolhwcndig. nach dem Untersuchungsrichter und dem Staatsauwalt;u senden. Unterdessen legte sich der Knabe!lieber. Nach Ankunft des Untersuchungsrichters habe ich den Knaben aus -dem Zimmer hcranSgernsen und;um Untersuchungsrichter gebracht. Auf den Knaben wurde weder ein moralischer Zwang ansgeübt, noch wurde ihm Furcht cingestößt. Nach seiner Aussage ging der Knabe'schlafen. Am andern Tage nahm ihn der Untersuchungsrichtcr nach GSzlar mit. Ans die Frage des Staatsanwalts Szcyffert deponirt der Zeuge, daß der Knabe nach ihrer Ankunft in Nagyfaln mit dem Panduren in die Küche gegangen sei. (ii־ konnte ihn nicht in ein besonderes Hastlokal führen lassen, weil solche bei dem Sichcrhcils - Kommissär nicht vorhanden sind. Auf die Frage des Vcrthcidigcrs Fricdmann antwortet der Zeuge, er erinnere sich nicht, ob Peezely mit Mori; während der Fahrt von Gszlar nach Nagyfaln dislutirte. Derselbe hielt sich nur kurze Zeit in der Küche aus und war während des Nichtmahls fort׳- während im Zimmer. Der .Knabe sagte, er habe schon genachtmahlt. Hernach habe er sich mit Peezely zur Nuhe begeben, und Peezely berief sich aus sein Gewissen, woraus der Knabe nach kurzem Gespräche seine Aussage machte. Ich berief von der Dienerschaft, fährt der Zeuge fort, einige Personen, damit sic hören, was der Knabe aussagt. Wir haben diese als Zeugen erst berufen, als der Knabe sagte, er werde aussagcn. Den Untersuchungsrichter verständigten wir gegen 11 Uhr. GS ist möglich, daß ich an dem Briese Peezely's an Vary et>r׳aS hinzu« fügte, damit nämlich die Sache keine andere Wendung nähme, da ich fürchtete, er we-ide seine Aussage ändern. — Vertheidiger Friedmann: Wenn der Knabe seine Aussage freiwillig und ohne jeden Zwang;nachte, warum fürchteten Sie, er werde seine Anslagc ändern? — Zeuge: Weit ich wußte, daß man sofort, wenn Jemand;um Sicherheils-Ko 1 ninissär gebracht wird, glaubte, er werde gepeinigt. Der Untersuchungsrichter hat das Protokoll mit Mori; im Speisezimmer ansgenommen. Peezely hatte dies im Schreibzimmer gethan, wo ich auch den Brief an Vary schrieb. — Aus Befragen des VerkheidigerS Szekely antwartet Zeuge: Nach Bary's Ankunft ging ich selbst in Peczely's Zimmer und holte den Knaben. Peezely kam nicht zum Verhör. Wer seine Auszeichnungen dem Untersuchungsrichter gab, weiß ich nicht. Vielleicht brachte ich sic init. Die Zeugen beim Vcrhöre waren Pandur Bako, die Amme und Johann Vigvari. Die Aussage dauerte nicht lange. Vertheidiger Fnntak: Wer hat den Knaben von seiner Furcht befreit und mit welchen Worten geschah dies? — Zenge: Wir sagten ihm, wenn du nicht gestehst, führen wir dich nach Nyiregvhaza in den Kerker. — Fnntak: Habt Ihr den Knaben während seiner Aussage aufmerksam gemacht, daß er gegen seinen Vater nichts auSznsagen habe, und ist es Ihnen in den Sinn gekommen, als der Knabe plötzlich nach hartnäckigem Leugnen solche schreckliche Geständnisse;nachte, ihn zu fragen, ob das auch wahr ist?" — Zeuge: Wir haben ihn aufmerksam gemacht. — Vertheidiger Friedmunn: Warum haben nicht Sie selbst das wichtige Protokoll geschrieben, das dann doch mehr Gewicht gehabt hätte und zu dessen Ausnahme Sie als admini« strativcs Organ doch mehr berechtigt;varen, als Peezely? — Zenge: Mori;;nachte die Aussage vor mir und Peezely, der die Notizen selbst machen wollte. — Friedmann: Trotzdcvl er Migräne hatte, wo doch der Kranke jede geistige Arbeit flieht. Zenge: Ja, er hat selbst schreiben;vollen, und ich habe immer lieber durch Andere Protokolle schreiben lassen. — Friedmann: Das glaube,;vcr da will. — Präsident: Ich bitte., Ihre Meinung für sich zu behalten. — Vertheidiger Götvös: Wie kommt cs, daß, trotzdem Bary oft stundenlang mit Mori; in Gszlar gesprochen und dabei gnviß eine große, in dieser Augelegenheil oft belhätigte Geschicklichkeit entwickelte, er doch nicht so zu Herzen gehende Worte fand, um den Knaben zum Geständnisse zu bewegen, während dies Peezely schon nach wenigen. Worten gelang. — Zeuge: Ich weiß nicht, warum dies der Fall war. An den Knaben hat Peezely nur eine oder zwei Frmzen gerichtet, dann har er Alles ansgesagt. Wie er anssagte, so schrieb Peezely eS sofort nieder. Die Verhandlung wird ans eine halbe Stunde unterbrachen. Nach der Panse tritt Neesky zum Präsidenten und bcschivert sich, daß der Vertheidiger durch die Bemerkung, ״dies glaube wer da null", ihn als salschen Zeugen dellariren wollte. — Präsident: Ich habe ja gleich gesagt, der Herr Vertheidiger solle seine Meinung für sich behalten. — Neesky nimmt befriedigt seinen Platz neben Peezely wieder ein. Nun werden die ans Wunsch der Vcrlheidignng zitirten Zeugen vernommen, welche damals bei Neesky im Dienste standen. Joscphine Arvai war um die kritische Zeit noch nicht bei Neesky und kam erst später, gegen die Erntezeit, als Stubenmädchen in dessen Dienst. Ans Befragen deponirt sie, daß sie über das Verhör Mori; Schars's keine persönliche Kennlniß habe, doch habe ihr die im Hanse Neesky's um jene Zeit bedienstele Magd Marie Leslo erzählt, daß Neesky .die Lestyat deshalb, weil diese bei Gelegenheit mit einer Jüdin dar« über sprach, daß ihr Dienstgeber Recsky den Mori) Scharf