Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-19
- Page
- 462 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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462 zieht sich zurück, erscheint nach drei Viertelstunden wieder und der Präsident verkündet: das; Bary nicht als Zeuge vernommen werden wird. Staatsanwalt meldet die Nullitäts-Beschwerde an. — Herr Bary verbleibt nun ganz ruhig in den Reihen des Publikums. Das Verhör des GerichtsschrciberS Pcczeln wird fortgelebt. Der Zeuge bemerkt auf eine diesbezügliche Frage des Präsidenten, er ici bei den dlirch Bary mit Nkoriz Scharf gepslogeuen Verhören antvcseud gctvcsen und habe die Protokolle als Gerichtsschreiber unterfertigt. Auf die Frage, warum er die Protokolle nicht selbst geschrieben und nur unterfertigt habe, antwortet er, der Untersuchungsrichter habe Bist gehabt, die Protokolle selbst zu führen. — Staatsanwalt Szensiert: Haben Sic bei״ Untersuchungsrichter gemeldet, dast Sie den Knaben statt nach nach Nagysalu brachten — Zeuge: Das war allgemein bekannt. Es ist mit der Einwilligung des Untersuchungsrichters geschehen, das; wir in Nagusalu übernächteten. — Staatsanwalt Lzensiert: Aus Ihren Aussagen konnte man cS nicht enluchmeu, ob sich :!Noriz freiivillig zur Aussage gemeldet hat. — Zeuge: Er hat sich freiivillig gemeldet mit den Worten: ״Icyt sage ich schon Alles." Dies war kein Verhör, nur ein Gesyräch, und ich nahm seine Auslage zu Protokoll. Es ist wahr, das; Zeugen zugegen waren. — Präs.: Ich glaube, der Herr Gerichtsschrciber versteht unter dem Ausdrucke ״freiivillig״, dast Äoriz seine Aussage nicht unter Zwang emachl hat. — Staatsanwalt Lzeysierl: Sie haben um l! Uhr '?neu Brief an Bary abgescndet. Was ist damals mit dem Knaben geschehend — Zeuge: Er ist mit mir schlafen gegangen. Ob der Untersuchungsrichter ihn schlafend gesunden hat, weis; ich nicht. Als Bary ankam, wurde au meine Thür geklopft, ich nahm das Geschriebene unter meinem Kopfkissen hervor und gab cs hinaus. Moriz wurde hiuauSgcruseu, ging in RcrSly'S ׳Emmer und ich blieb in meinem Zimmer. Verthcidiger Eötvös: Wie alt sind Sie ץ — Zeuge: Das habe ich schon gestern gesagt. — Präsident richtet an den Vertheidiger die Bemerkung, er möge aus die Devostiionen der einzelnen Zeugen bester merken, daun werde er nicht gezwungen sein, dergleichen Fragen zu stellen. — Eötvös: Ich lege aus diese präge Gcivichl und bitte zu koustatircn, das; der Zeuge die Beantwortung dieser Frage verweigerte Meine rigorose Pstichl als Verthcidiger habe ich nie so schivcr gefühlt, als in diesein Prozesse, wo der Sohn seinen Vater des Mordes zeiht! Aus folgendem Grunde stellte ich obige.Frage: Ich war vor l-l 1.1 Jahren der magistratueilc Fiskal des Veszvrimer Komi׳ tats. Das Komitat erhielt damals eine Zuschrift vom Mini- )tcrium, worin augezeigt tvnrde, das; -Sc. Majestät einigen Sträflingen die Strafe erlassen hat und das; dieselben in Freiheit gcscls! ivurdcn. Unter diesen befand sich auch ein gewisser Koloman Peezcly, der tvegcn eines gemeinschaftlich mit Änderen verübten Mordes zu fünfzehn Jahren Zuchthaus vcrurlhcilt wurde, von ivelchen derselbe zwölf Jahre abbüsttc. Zum Zeugen!: Sagen Sie mir, waren Sie dieser Koloman Peezcly oder nichts — Zeuge: Hierauf bin ich Ihnen nicht vcrvstichkct zu antworten. — Präsident: Herr Peezcly ist seit dem Jahre 1*72 als GcrichtSschreibcr angcstcllt. Ich kann nur so viel sagen, das; das Präsidium von diesem keine Kenntnis; hat. — Zeuge: Ich glaube, das; ich da als Zeuge stehe. Es thut mir wehe, das; ich niederträchtige Angriffe gegen meine Person dulden must. Ich glaube nicht, das; Sponga, der den Majlath ermordet hat, f0Id)c Torturen auSgcstauden hat. Siaatsamvalt Szeysicr! überreichte hierauf dem Präsidenten ein Aktenstück mit dem Ersuchen, Einsicht in dasselbe zu nehmen. — Ter Präsident besichtigt die Urkunde und sirirr den Zeugen lange, c Starke Bewegung im Publikum '.׳ — Verthcidiger Eötvös bittet den Präsidenten, dast er den Gerichtshof gegen solche Ausdrücke, welche ihn, der ein ossizicllcS Organ der Rechtspflege ist, nicht beleidigen können, verwahren möge. Auf weitere Fragen Eötvös antwortet der Zeuge, dast er Kopfkrämpfe gehabt habe. Aus Ujsala sei er nach Nyiregyhaza gekommen, und zwar nicht über Eszlar. In Nyiregyhaza war er zwei bis drei Tage bettlägerig und hat an keinem offiziellen Verfahren theilgenommen. - Eötvös: Sic haben am Ul., 20. ntld 21. Mai in Tisza-Eszlar omziell fnngirl. Ist dies wahr? — Zeuge: Ja. — Eötvös: Sic sind am 21. Mai laut Bcschlust des Untersuchungsrichters wegen Krankheit nach Hause entlassen worden. Sic haben am 22. Mai als Zeuge in TiSza-Eszlar Protokolle unterfertigt, obwohl Sie nach Ihrer Aussage am 22. nicht in Eszlar waren. Wie konnten Sie sich unterfangen, solche Protokolle zu unterfertigen? — Zeuge: Es ist möglich, dast dies aus ciucm Irrlhiun beruh!. — Eötvös: Sonntag, den 22. iüiat fuhren Sie nach Nyiregyhaza. Obwohl Sic auch am 21. gelegen fein sollen, haben Sie doch am 2-1. Mai in Nyiregyhaza ein Protokoll unterschrieben. Hieraus schöpfe ich den Verdacht, dast Sic bei den Verhören gar nicht amvesend waren und die Protokolle doch unterfertigten. — Der Zeuge gesteht endlich, dast er die Protokolle in einem FaScikel unterfertigt hat. — Eötvös konstatirt, dast dies schon an und für sich ein Mistbrauch der Amtsgewalt sei. Er fragt den Zengen, an welchem Tage derselbe mit Moriz das Protokoll ausgenommen hat. — Zeuge weist dies nicht zu sagen, worauf Eötvös konstatirt, dast dies Protokoll kein Datum trägt. Auch bitter er, zu koustatiren, dast die Tinte, womit der Untersuchuugsrichler das Protokoll in Eszlar führte, ferner diejenige, mit welcher die Aussage Moriz Lcharf'S uiedcrgcschrieben wurde, und diejenige, mit der Rcesky seinen Brief au den Untersuchungsrichter schrieb, von einander verschieden sind. Aus eine weitere Frage des Vcrrheidigcrs Eötvös erklärt der Zeuge, dast er sich nicht erinnere, dast Bary zu Moriz gesagt hätte: —Dein Vater hat schon Alles gestanden." Als er das Protokoll mit Moriz aufuahm, war kein anderer Zeuge zugegen׳, die Zeugen waren im Nebenzimmer, dessen Thür offen war. — Eötvös fragt, wer auf das vom Zeugen ausgeuommeue Protokoll die Worte schrieb: ״Ich habe dies Alles ohne jedweden Zwang geschrieben — Moriz Scharf"? — Zeuge besichtigt das Protokoll und sagt, das; dies die Schrift des Moriz sei׳, derselbe habe eS vor seinen Augen geschrieben. Er habe dies aus dein Grunde für uothweaidig gehalten, damit nicht ein Zweifel laut werde, dast den Moriz Jemand zu seiner Aussage gezwungen hat. Er habe seit 1872 an vielen Untersttchungcn als Gerichtsschreiber thcilgenommen und wnsttc eS, dast ein Kind gegen seine Eltern oder nächsten Verwandten keine Aussagen;!! machen braucht. Er habe auch Moriz aufmerksam gemacht, dast er gegen seine Eltern nicht auSzusageu habe, und zwar mit den Worten: ״Warum willst du das Wos deines Vaters erschweren?" — Hierauf bemerkt Eötvös, dast dies leine Aufklärung fei. — Auf die Fragen des VrrtheidigcrS Friedmann antivortet der Zeuge, er wisse nicht, um wie viel Uhr sie in Nagysalu augelaugt sind. Als sie sich auf den Weg machten, war cS noch nicht finster. Bei unserer Ankunft, sagt der Zeuge, fast die Familie ReeSky'S schon beim Nachtmahl. Moriz tvar im Gesindehause, von welchem Zeuge nicht weist, wo cS liegt, denn er kennt cS nicht. Er weist nur von Moriz, das; derselbe im Gesindehause sich aufhielt. Der Zeuge weist nicht, ivo der Untersuchungsrichter Moriz verhörte. Den Knaden habe er geweckt׳, derselbe schlief in den Kleidern. Wem er Moriz und das durch ihn aufgcnommcnc Protokoll übergeben hak, wisse er nicht; was mit dem Knaben weiter geschehen, wisse er ebenfalls nicht. Vcrtheidiger Funtak fragt, ob Zeuge den Moriz mit ״ewiger Gefangenschaft" bedrohte? — Zeuge: Nein, ich sagte ihm: ״Aus deinem Vater liegt die Last der Anklage." Dast sein Vater schon gestanden habe, sagte ich nicht. Ans die Anfrage des VerthcidigerS Fricdmann, warum er cs