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Jeschurun · 1883-07-19 · Heft 29 (19.7.1883) · p. 464

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 29 (19.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-19
Page
464 (sequence 8)
Language
German
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464 misch audelte, iuö Zimmer rufen ficf? und sic iämmcrlid] durchprügelte. Die;Ungut giebt!nt, das; sic beit Dienst N!ee7׳tp'o bc?l!.tlb verliest, tveit sic veu dessen Frau zweimal geprügelt uud überhaupt schlecht behandelt wurde. Fortsetzung folgt. > Kinrespoiideiizcn 1111b Nnihrichtcii. Deutschland. ■h, Berlin 13uii. Der folgende Auszug aus einem Freundschastsbricse dürfte Ihren Lesern nicht ganz uninteressant sein: spiegelt sich doch in demselben die düstere Stimmung aus, welche augenblicklich sich aller ungarischen Israeliten, leider nur allzu sehr begründet, bemächtigt har. Der Name des Schreibers hat als Schriftsteller einen guten Klang. . . Meine Seele sollte jubeln in dem Borgefühl der nahen Verwirtlichung eines sehnsüchtig gehegten Wunsches, aber sie vermag sich nicht aus der tiefen Niedergeschlagenheit emporzuringen. Ich trauere um mein Vaterland, mit Ungarn, Tiszla-Eszlar'. Die Schamrölhe dringt uns Allen auf die Wangen, wenn wir dieses Namens gedeuten, und wie wäre cs möglich, nicht sein zu gedenken? Es ist entsetzlich, was fortwährend an's Tageslicht gefördert wird. Boshaftester Fanatismus, niederträchtigste Verläumdnug! Und gegen wen? Gegen Juden und Iudenthnm überhaupt und gegen die Juden jenes Landslrichs insbesondere, die, wie sich herausstellt, moralisch weil höher stehen, als die leicht käufliche Hefe der dortigen Bevölkerung und als die höhere Schichte der dortigen Gesellschaft. Ich war auf manches Barbarische gefaßt, aber solche bodenlose Niedertracht, solche grauenvolle Korruption, solch mittelalterlicher Hohn der Rechtspflege mit Tortur, gekauften Zeugen, geheuchelten Thräucn, Verleugnung der natürlichsten Gefühle, wider den Vater zeugendem Sohn, die eigene Tochter als Meineidige stempelnder -Mutter, Verbrecher als Mitglied der (Gerichtsbarkcit, — kurz, dieses Sammelsurium von Scheußlich.- feiten hatte ich nicht erwartet. Uud die Angeklagten? Schlichte, brave Menschen, deren einziges Verbrechen darin besteht, orthodoxe Juden zu sein und einen langen Kaftan und Ninglocken zu tragen! Ungarn, das von mir innig geliebte Ungarn, mein Stolz, sieht für ewige Zeiten vor der gesitteten Welt gebrandmarkt dar. Tisza- Eszlar ist ein Flecken an seiner Ehre, den cs nimmer abwaschen kawn. Selbst in Rußland wäre Solches nicht denkbar — — — * .Kaiserslautern, 9. Inli. Die ״Pfälzer Zig." schreibt: Gegenwärtig schwebt dahier ein Kompetenzkonflikt ganz eigener Natur. Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Landsberg, hat nämlich von der Kgl. Regierung der Pfalz sich die Erlaubnis geben lassen, den israelitischen Religionsunterricht am Gymnasium und au der Lateinschule, ivclcher seit vielen Jahren von dein Nabbiualskandidaten Herrn Seligmann anstandslos ertbcilt worden ist, einer Prüfung zu unterstellen. Allein, die Sache ist nicht so einfach, als sie aussieht; denn bei den Israeliten ist keinerlei Hierarchie rechtsbesläudig, und ohne ausdrücklichen Auftrag der Kgl. Negierung also auch eine außerordentliche Visitation des Religions- Unterrichtes unzulässig. Wie nun verlautet, hat Herr Seligmann gegen den Anspruch des Rabbiners Beschwerde erhoben und so die oberen Schulbehörden zu einer autoritativen Entscheidung in Sachen des jüdischen Religionsmiterrichtcs angcruscn. O e st e r r e i ch - U n g a r n. K. Prag, 9. Juli. Die ״Politik" brachte die sensationelle Nachricht, daß unser Oberrabbiner Herr Markus Hirsch erklärt habe, bei der Landtagswahl seine Stimme nicht dem Kandidaten der deutschen Partei geben zu wollen. Dem gegenüber berichtet die ״Bohemia" zu der Mittheilnng ermächtigt zu sein, daß jene Nachricht durchaus unwahr sei. Herr Hirsch habe vielmehr in sehr bestimmter Weise eine in dieser Richtung von ezechischer Seite au ihn herangetretene Zumuthung abgewiesen und sich dahin geäußert, daß er selbst in den heißen ungarischen Wahl kämpfen (Herr Hirsch war ehedem Oberrabbiner in Ofen) ein so frivoles Agilationsmittel, wie diese Nachricht der ״Politik", nicht erlebt habe. Frankreich. 'D Paris, lö. Juli. Bei der jüngsten Frohnleichnamsprozession zu Biarritz hatten zwei junge Leute, Levy und Plaudet, auf die Aufforderung, das Hauv: zu entblößen, geantwortet: achtet nicht auf uns, wir sind Israeliten. In Folge dessen wurden ihnen von zwei Sängern der Hut vom Kopfe gerissen. Die liebereifrigen begnügten sich aber nicht damit, sondern vcrsetzten auch dem Levy mehrere Faustschläge. Das Zucht Polizeigericht zu Bayoune vemrtheilte, im Gegensätze zu dem Anträge des Staatsanwalts, Levy zu 20 Franken, die beiden Schläger Iureau und Ganthier aber zu l(i bezw. Jo Franken Buße. So auffällig auch dieser Richterspruch sein mag, da eigentlich die Angreifer und nicht der Angegriffene zu bestrafen wären, so verdient doch das Benehmen der beiden jungen Leute ernsten Tadel. Sie hätten sich nicht der Schaar der Zuschauer bcigesellen, sondern vielmchr ihres Wegs gehen sollen, nm nicht durch die Verweigerung der Ehrfnrchtsbezeignng Aergerniß zu erregen.!Fortsetzung der Korrespondenzen aiud Nachrichten auf Leite-!<>.'׳.)

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