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Jeschurun · 1883-07-19 · Heft 29 (19.7.1883) · p. 461

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 29 (19.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-19
Page
461 (sequence 5)
Language
German
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461 Der nächste Zeuge, Andreas Durst, der damals Pandur »var, erinnert sich nicht, wann der Sicherheits-Kommissär 9tecM1» den ilUon; nach Na gl» fall» gebracht hat Aus die Frage des Staalsanivattes erklärt der Zeuge, dag er nicht nach Nagyfaln initgcfahrcn sei, auch nicht wisse, was dort vorgcgangen ist. Unter lebhastcr Spannung des Auditorinms betritt nun der Gerichlsschreibcr Koloinan Peezcl»» den Saal. Derselbe deponirt ans Befragen des Präsidenten, dag Mori; Schars durch den Untersnchtingsrichtcr ihm und »Necsk»» in Eszlar übergeben wurde, um ihn nach Nagysaln;1» cskorliren. Er weist nicht, ob Mori; als Iengc oder alo Angeklagter hätte siguriren sollen. Ik sagt!weiter aris: Als wir nach Nag»1saln in die Wohnung Necsk»»'s kanien, ging ich als -Lchwerkranker ans das mir äugewicsenc Zimmer. Ich legte mir kalte Umschläge ans den Kopf Ins ich;u Bette ging. Während dieser Zeit sah ich Mori; nicht׳, ich fragte, wo er sei, worauf man mir antwortete, er schlafe nicht in meinem Zimmer. Ich erklärte, dast der Knabe non Barn mir übergeben wurde und ich auf ihn nur Acht geben könne, wenn er bei mir ist, woraus man den.Knaben auf mein Zimmer brachte,?«ach deut Nachttnahle wollte ich mich zur Ruhe begeben, woraus Necsl»» mit mir und Mori; aus mein Zimmer ging, Nachdem Neesl»» sortgegangen war, fragte ich den Knaben, ob er wisse, wohin er geführt-wird, Er autwartete: .,Nach N»»ireg»»ha;a." -Ich sagte ihm: ..Lieh', liebes Kind, du weißt Alles, warum gestehst dti denn nicht? Die Msi des Verbrechens liegt ans deinem Vater: gestehst du Alles, erlösest dit denselben." Hierauf sagte der Knabe: ״Ich bitte, ich möchte ja reden, aber ich traue mich nicht, denn die Juden ermorden mich oder mein Vater henkt mich auf." Nachdem ich ihm erklärte, dast ihn der Gerichtshof in Schutz uehinen werde, sagte er: ״Ich werde auch Alles sagen." Ich sraglc: ״Hast du dir Esther Solyinosi gekannt?" lk sagte, er habe sie gelaunt, erzählte, wie sie auSsah, beschrieb ihre Kleidung. Ich sagte Herrn Neesl»», ich möchte diese Aussage niederschrciben. Wir gingen in die Kanzlei Nceskn's und ich schrieb dort nieder, was Mori; erzählte. Moriz unterschrieb eigenhändig. Hierauf schrieb ich Barg, dast Mori; graste Dinge gestanden habe-, was wir mit ihm anfaugen sollen? Diesen Brief sendete Neesl»» sofort durch einen Panduren nach Eszlar, »vorauf der Untersuchungsrichtcr aukam. Ich ging damals mit dem Knaben ans mein Zimmer, legte das Geschriebene unter »nein Kissen und legte mich schlafen. Auch der Knabe begab sich zur Ruhe. Wann der Untersuchungsrichter und der Skaatsanivalt aukameu, »veist ich nicht. Ich wurde geiveckl und gab das Geschriebene durch die Tistir hinausnachher, legte ich »nich »nieder nieder, und in der ,Frühe begab ich »nich in schiverkrankeu» Zustande nach Npircgyhaza. Auf Befragen seitens des Präsidenten gicbt der Zeuge an, dast er beim Verhöre des Knaben durch Bar»» nicht zugegen »var. Auf Befragen des Staatsanwalts S;c»)sfert gicbt der Zeuge an, dast er nicht wisse, »vohin der Knabe nach ihrer Anknnft bei Nccsky gebracht »vnrde. Der Staatsanivalt meint, es sei eigenthüinlich, dast der Zeuge, obwohl er schrver krank gewesen, ein Protokoll anfnchmcn konnte. Der Staatsanivalt wünscht, der Zeuge möge seine an Mori; gestellten Fragen und die bezüglichen Antlvorten relapituliren. — Zeuge gicbt hlerans an, dast Mori; auSsagtk, sein Vater habe Esther hereingernsen, damit sie die Leuchter vorn Tische auf den Kasten stelle. Hierauf erzählte Mori;, dast ein hoher, brünetter Bettler in die Wohnung kam und Esther mit sich in den Tempel nahm. Tiefer Bettler parftc Esther, drückte sie zu Boden, der Teglafer und der Tarczalcr Schächter hielten sie an den Füsten und an der Brust fest und der Eszlarer Schächter schnitt ihr den Hals durch. — Staatsanwalt Scysfert: Sie haben an Mori; di? Frage gestellt, wer das Mädchen in den Tempel gelockt hat. Woher nahmen Sie diese Frage? — Der Zeuge kann hieraus nicht antworten. Verlhcidigcr Eötvos stellt an den Präsidenten das Ansuchen, dast der Zeuge Neesl»» unmittelbar nach Pcczelt» vernoinnien werden solle, da aber dies der vorgerückten Zeit halber jeic! nicht geschehen könne, bittet er, die Verhandlung ^zn vcrschieben und ihm bei der nächsten Verhandlung dic^ Stellung seiner Krcnzsragen z»l erlauben. — Verrheidiger Henmann: Die erste an Mewiz gestellte Frage des Zeugen »var, ob cr die Esther gekannt habe, »voraus derselbe nach der Anssage des Zeugen armvortete: ״Ja, ich habe sie gekannt." Ich bitte den löblichen Gerichtshof, sich ans dem von dc»n Knaben untersch:iebenen Protokolle zu überzeugen, dast dies nicht »vahr ist. Mori; sagte, dast er von seiner Mutter den Namen Esther s nennen hörte. — Der Präsident konstatirl unter allgcinciner Velvegnng, dast die Bemerkung Hcnmann'S richtig ist. — Angeklagter Joses Schars fordert Peezcl»» ans, zu gestehen, dast er den Moriz für feine Aussagen abgcrichtcl habe. — Präsident: Ich n»ache den Angeklagten ansmerlsam, dast cr sich solcher Anslassungcn enthalten »oll, sonst . . . Joses Schars > cinsallend): Gehe ich in den Kerker, »licht »vahr? (Große Bewegung. l'ärm.! — Der Staatsanivalt beantragt, die Zeugen, mit Ansnahmc des Josef?ichtinann, Andreas Huri und Andreas Durst, »vclche belanglos anssagten, anstcrdcm des Gendarmen Irihasz, der Sophie Solymosi »»nd des Koloman Pcezel»», »vclche noch verhört werden, zu beeiden. Der Gerichtshof beschließt in diesem Sinne. /Die Zeugen »vcrdcn beeide: und die Verhandlung für heute geschlossen. M. Juni. I»n Anditoriuln gicbt sich eine lebhafte Erregilng kund, da inan mir Spannung den Aussagen des Sicher- Hcits.-Koinmissärö »lleesl!» und der Konsronlirnng desselben mit de»! Gerichtsschreiber Peezel»». soivic den Krcnzsragen der Vcrtheidignng entgegensicht. Auch envartet inan für -heute ein: dritte Vernehmung des llllori; Schars und verspricht sich bei diese»»» Anlasse drarnatische Szenen. Die Verhandlung »vird »im halb 10 Uhr fortgesetzt. Der Präsident thcilt mit, daß er in Folge des gestern gefaßten Gcrichlsbeichlnsscs an das Vieegeipans-Amt das Ersuchen gerichtet habe, die polizeiliche Uebcrwachnng des Ehepaares Ücon Großbcrg in Eszlar anfzuhebcn-, ferner daß vier neue Zeugen zitirt wurden. Der Präsident setzt das gestern unterbrochene Verhör mit Peezcl»» fort. Derselbe erscheint vor den» Nichtcrtii'che. Verlhcidiger Dr. Friedrnann ersucht den Gerichtshof, die Verfügung zu treffen, daß Neesk»», Peezcl»» und Mori; Scharf in der Weise abgesondert werden, daß der Verkehr zwischen ihnen unmöglich »vird, da sie über die gleichen Fakta verhört »verocn. Der Vcrtlicidigc» konstatirt ferner, daß der Nntersuchnngsrichter Bary wieder auf feinem Platze in» Auditorium sich befinde, und stellt nnnlnclrr mit Null sicht darauf, daß derselbe wahrscheinlich über dieselben Fakta Zeugenschast abzngebcn haben »vird, den direkten Antrag, der Gerichtshof möge bcschlnstiveise dessen Entsernnng ans dein Vcrhandlnngssaalc, wenigstens insolange diese Zeugen verhört iverden, anordncn.!Zischen im Auditorium.) — Präsiden! erklärt, die Verfügung über Plätze gehöre in seine Ko!npclcnz und cs könne jeder anständige Mensch der Verhandlung beiwohnen. Insolange Barr» nicht als Zeuge zitirt ist,^ werde er bezüglich seiner Person keine Ansnahmc n»achcn. — Staatsanwalt Szellsfcrl: Ich habe gestern beantragt, Bar»» als Zeugen zu zitircn, und glaubte, der Gerichtshof habe dem Anträge stattgegeben. — Präsident: Ich bitte Gründe anzugcbcn, weshalb Bar»» vernommen iverden soll und einen darauf bezüglichen Antrag zu stellen. — Staatsanivalt: Moriz Scharf hat hier devoncrt, Bar»» habe ihm gesagt, seinem Vater »verde nichts geschehen, wenn cr gesteht. ' lieber diese Anssage beantrage ich, Bar»» als Zeugen zu vernehinen. — Präsident: lieber diesen Antrag wird der Gerichtshof Beschluß fassen. Der Gerichtshof

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