Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-19
- Page
- 460 (sequence 4)
- Language
- German
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460 und dies unterließen, da sie bemerkten, daß die Schächter zu * iH01 cnbcrn gegangen seien. Die Frau des angeklagtcn Emannel Taub erklärt, depo׳ nircn zu wollen, und erzählt, daß am Sonnabend vor den jüdischen Ostern der Schächter aus Teglas und jener ans Tisza- Vöf, die sic früher nicht kannte, in ihrem Hanse abgestiegen waren: sic gingen!nie 8 Uhr in den Tempel und waren um 11 Uhr schon;11 Hanse. Ihr Mann sei sogar etwas früher nach Hanse gekommen. Bezüglich des Essens sagt Zeugin ans, das; Sophie Solymost cs von Roscnberg;11 ihr ins Hans brachte. Rosenberg fei auch zu ihnen gekommen, bei welcher Gelegenheit er ebenfalls durch Sophie Solymost eine Flasche Wein milbrachre. Roscnberg verweilte 1! Stunden bei ihnen. Nach dem Mittagsessen sangen und unterhielten sich der Teglascr und der Tisza- Lölcr Schächter, von welchen der^eptcrc noch am Sonnabend Abend fort sei, während der Teglaser am Sonntag Früh abreiste. Mit Sophie Solymost konsrontirt, leugnet diese, das Essen am Sonnabend;11 Taub getragen zu haben, während die Taub bei ihrer Aussage verharrt und behauptet, die Sophie Solymost habe dies auch zu anderen Zeiten öfter gethau. Nächste Zeugin ist Frau Dzngony, eine ältere Frau, welche deponirt, sie habe au jenem Sonnabend Abend, als sie zwischen 8 und U Uhr, von ihrer Schivcster nach Hause zurürklchrend, über Tanb's Hof ging, bei Taub singen und lärmen gehör', und Sonntag Morgens ans ihre au Frau Taub gerichtete Frage zur Antwort erhalten, cS sei ain vorigen Abend Schächterwahl gewesen, und es sei der Tisza-Löler Schächter gewählt worden, weil er die dünnste Stimme habe. Während sie mit Frau Taub so sprach, kamen die drei Schächter aus der Wohnung heraus. ״- Präs.: Was sagen Sie hierzu, Frau Taub? — Zeugin Taub leugnet entschieden die Möglichkeit dieses Gespräches mit der Nachbarin und beschwört dieselbe, doch nicht zu lügen׳, sie könne nur Freitag Abends bei ihnen singen gehört haben. — Frau Dzugony beharr! dabei, sic habe am Sonntag die Schächter aus Tanb'S Wohnung komiucu gesehen. Vertheidiger Friedmann ersucht, den Samuel Roscnberg ans Teglas telegraphisch zu zitircu. um zu beweisen, daß Salo« mon Schivar; Sonntag Mittags schon in TeglaS war. also Morgens nicht mehr in. Eszlar von der Zeugin gesehen worden sein konnte. Es folgt nun die Vernehmung der 78 Jahre alten Sarah Fcuermann, die sich ganz genau an den Tempelgang und an die Vorgänge jenes Sonnabends erinnert. Sic hat Sophie Wein tragen gesehen und weiß bestimmt, daß die Schächter schon am Sonnabend Abend von Taub weggcgangen seien. Nach einer halbstündigen Panse wird die Verhandlung mit der Vernehmnug der Zeugin Iuliana Vamosi sortgeseht. Sie war als christliches Dienstmädchen bei Großbcrg und sagt aus, sie habe Esther an jenem Sonnabend vom Liansmann zurückkommen gesehen und gehört, wie Sophie mit Esther sprach. Die Zeugin stand am Thorc des zivcilnächstcn Hauses. Sie weiß bestimmt, daß cs damals mindestens schon l Uhr war, denn das Mittagsmahl war schon lange vorüber, und sic hatte die Küche schon in Ordnung gebracht. Sie Hörle, wie Sophie ihre Schwester fragte, warum sic so traurig sei. Die Zeugin wird mit Sophie Solymost konsrontirt, welche leugnet, so laut gesprochen zu haben, daß die Vamosi es gehört haben könnte. Sophie macht dabei die Bemerkung, cs sei dies zwischen l 1 bis 12 Uhr gewesen. Vcrtheidigcr Friedmaun hält der Zeugin Sophie vor, sie habe schon die verschiedensten :seiten angegeben׳, heute sage sie zwischen 11 und 12 Uhr, vorgestern sagte sie am späteren Nachmittage, bei einer andern Gelegenheit wieder, es sei Mittag gewesen. — Sophie: Ich kann die Zeit nicht so genau angcben, ich halte keine Uhr-, so wie ich zuerst anssagre, war cS. — Friedwann: Ja, aber Sie haben ja letzthin gesagt, cs war nach dem Mittagessen. — Szekely: Und Sie haben auch gesagt, eS war nach dem Mittagläncen. — Eötvös: Und auch, daß es um 1 Uhr war. — Zeugin Vamosi erzählt noch, sic habe Sophie gefragt, ob denn Esther Schläge bekommen habe. — Sophie leugnet, mit der Zeugin dies gesprochen zu haben. — Die alte Solymost erhebt sich und sagt, die Zeugin habe ja die Esther gar nicht gekannt. — Zeugin: O ja, ich habe sic sehr gut und seit vielen Jahren gekannt. ' Was ich anssage, ist wahr. Ich kann cs mit reinem Herzen beschwören. Vertheidiger Szekely fragt die alte Solnmosi, ob sie^anch am Freirag mit ihrer Tochter Esther gesprochen habe. — Solymosi: Ja, ich sprach täglich mit ihr. — Szekely: Hat sie Ihnen schon Freitag davon erzählt, daß sie ö fl. von ihrer Dienstgcbcrin erhalten wird'? - Solymost: Ja. — Szekely: Nun sehen Sic, Sic haben aber ausgesagt, daß Sic hierüber -Lamstag beim Gäuseverkans gesprochen haben. — Solymosi schüttelt den Kopf. — Der Präsident hat miltlcriveile in den Akten geblättert und hält nun der Zeugin Dzugony vor, sie habe vor dem Ulttersllchiiiigsrich'.ec ausgesagt, daß sie die Schächter Samstag Früh aus Tanb's Wohnuug herauskommcu sah, ivähreud sic heute den Sonntag als diesen Tag angebe. — Zeugin: Ich glaube ja, es war Sonruag, es kann aber auch Samstag gewesen sein, ich erinnere mich nicht. Der nächste Zeuge ist Joseph Jnhasz, gegenwärtig Gendarm; er war damals Komitalspandnr und mit der Ueberwachnng der Verdächtigen in Eszlar betraut. Er sah am 18. Mai den Moriz Scharf nach Nagysalu fahren, er selbst jedoch blieb in Eszlar und weiß über die Art der Zeugenanssage des Moriz Schars nichts anzngeben. Auch später will er hierüber nichts gehört haben. Zcnge Koniilatspandnr Bako ist derjenige, neben dem Mori; Scharf aus dem Bocke saß, als er von Neesky und Pcezely am 18. Mai nach Nagysalu gefahren wurde, Er sagt wiederholt, daß dem Mori; bei Neesky kein Nid angcthan wurde. Pcezely befragte ihn über das Gescheh׳׳ne, worauf Moriz die bckannlc Geschichte erzählte, ohne daß man ihm gcdroht, Schrecken cingestößt oder ihn geschlagen Härte. Neesky sagte nur soviel: .,׳Dein Vater hat schon ausgesagt, warum sagst du nicht /iiis'?" Hieraus antwortete Moriz: ״Nicht mein Vater hat sie ermordet, sondern die anderen Inden", welche er auch namhaft machte. Die Anssagen Moriz' nahm Pcezely zu Protokoll. Beiläufig nach II Uhr Nachts kamen der Staatsanwalk und der Untersiichnngsrichrer in Nagysaln an, vor welchen Mori; seine Aussagen bestätigte Dem Verhöre wohntcn auch der Gärtner Peter Mozga, Johann Bigvary und Frau Anna Szojan bei. Diese hat Herr Neesky hereingcrusen, damit man nicht sage, daß er ihn mit Schlägen zum Gestandnisse gezwungen habe. Ans Befragen des Staatsanwaltes Lzcysscrt erklärt der Zeuge, er sei als der Bursche des Sicherheits-Kommissärs beim Verhöre zugegen gewesen. Es' wurde ihm besohlen, als Zeuge zugegen zu sein. Ans eine Frage des Vertheidigcrs Eötvös deponirt Zeuge, daß er nur einmal als Zeuge bei einem Berhöre zugegen war. Pcezely begab sich zu Bette, nachdem er mit Mori; das Protokoll ausgenommen hatte. Staatsanwalt Lzcysscrt erklärt, daß in Folge der Anssage des Moriz Schars cs nolhwendig sein wird, daß Vary als gewesener Uiucrsiichiingsrichlcr in dieser Angelegenheit als Zeuge vernommen werde. — Vertheidiger Friedmaun konstatirt aber- »nals, daß der Untersuchungsrichter wieder dort styl, wo er gestern gesessen. Es wäre nolhwendig, daß derselbe wenigstens dann ans dem Saale entfernt werde, wenn von der Anordnung seines Verhöres als Zeugen die Rede ist. Vary entfernt sich raschen Schrilles, während Friedmaun noch spricht. — Präs.: Nachdem Herr Bary ans eigener Initiative sich entfernt hat, ist eine weitere Verfügung überflüssig. : .1;:;:f i