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Jeschurun · 1883-07-19 · Heft 29 (19.7.1883) · p. 459

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 29 (19.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-19
Page
459 (sequence 3)
Language
German
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459 die Antwort Sophie'?, dies sei ihre Schwester, bemerkte er, worum sic so traurig wäre, Sophie Hobe geantwortet, sic wisse cs nicht, und sie habe eine große Dummheit begangen, sie darüber nicht zn befragen. Zeugin Sophie leugnet entschieden, solches gesagt;n haben. Die nächste Zeugin, Frau Rosenbcrg, drponirt, ihr Gatte sei mit Taub und zwei Schächtern um l l Uhr ans dein Tempel nach Hanse gekommen. Die fremden Schächter brachten bei ihnen kurze Zeit zn und gingen dann sammt Taub zu Letzterem, um dort zu Mittag zu essen. Sophie Solpmosi erzählte ihr an demselben Abend, als sie ans das Verschwinden der Esther zu reden kamen, dosi ihre Schwester Esther Solpmosi damals, als Sophie mit dem Wein zu Taub gehend ihr begegnete, traurig und niedergeschlagen war, und daß eS von ihr — Sophie — eine Eselei gewesen sei, ihre Schwester nicht um den Grund ihres Kummers zn befragen. Zeugin wird hierauf mit Sophie koufrontirt; diese stellt in Abrede, das Essen am Sonnabend,in das Haus des Taub getragen und mit ihrer Dicnstgcberin, Frau Rojcubcrg, über die angebliche Traurigkeit Esthers gesprochen zu haben. Das Essen trug am gedachten Tage Zsosi Szolas zu Taub. Zeugin Rosenberg verharrt bei ihrer Aussage. Es folgt nun die Vernehmung Joseph Lichtmann'S. Der« selbe wird bezüglich der an die alte Solpmosi gemachten Geldangebote vernommen und erklärt, daß er der Solpmosi gesagt habe, das; sie, falls ihre Tochter wieder nach Hause käme und sie davon dein Gerichte sofort Anzeige erstatten würde, von den Juden 1200 fl. bekäme. Die Wittwe Solymosi wird in Gegen« wart des Zeugen über diesen Umstand befragt: sie sagt aus, daß Lichtmaun ihr tausend Gulden anbot, wenn ihre Tochter in der aus dieses Anerbieten folgenden Nacht wieder nach Hause käme, und dieselbe nicht verleugnen würde. Ob Lichtmann dabei an die Unterschiebung eines fremden Mädchens dachte, weiß Zeugin nicht, da sie an diese Möglichkeit damals gar nicht dachte. — Zeuge Lichtmann verharrt dabei, das; cs nur WO fl. waren, welche die Juden zusammengesteucrt hätten, um, rvenu Esther wirklich zum Vorscheine gekommen wäre, dem gehässigen Dorf« gercdc um so rascher ein Ende zn machen.. Ans weitere Fragen giebt Lichtmann an, daß an jenem Tage, als er dieses Gespräch mit Esihcr'S Mutter führte, in Eszlar sechs bis acht fremde Juden aus TtSza-Lök anwesend waren. Nächste Zeugin ist Frau Jos. Einhorn. Sie giebt an, daß über das Verschwinden Esther's im Dorfe Vielerlei gesprochcn wurde. Gegen Pfingsten kamen mehrere Weiber auf der Gasse zusammen: Zeugin, sowie Esther'? Mutter waren auch dabei. Es sei gesprochen worden, daß, wenn Esther wieder zum Vorschein käute, die Juden der Solymosi so viel Geld geben würden, daß sie zeitlebens glücklich sein und ihre Tochter gut verheirathen könnte. Die Wittwc Solpmosi behauptet bei ihrer Konsrontirnng mit der Zeugin, daß diese ihr unter vier Augen WO fl. angetragen habe. Die Einhorn stellt dies entschieden in Abrede und bleibt dabei, daß sie mit der Solyrnosi in dieser Angelegenheit niemals allein sprach, ihr keinen destimmten Betrag anbot, sondern nur bei der von ihr erzählten Gelegenheit, am Wcibergcspräche theilnehmend, von einer Geld« bclohnung sprach. Die Frau des Angeklagten Wollncr deponirt, daß sie mit ihrem Manne und ihrem Kinde die Ostern 18S2־ in Tokai zuzubringen gedachte und von Hodan, ihrem gewöhnlichen Wohnorte, in der Hoffnung ausgebrochen sei, daß sie unterwegs zu ihren geringen Neisemitteln von mildthätigen Glaubensgenossen Zuschüsse erhalten könnten. Als sie nach Eszlar kamen, hatte ihr Manu kein neues Gewand, sondern erst in Tokai. In Eszlar wohnten sie bei deni Tempeldiener-, ihr Mann, der um jene Zeit kränklich war, ging am Sonnabend Früh zum Gottesdienste, wann derselbe Mittags in das Haus Schars'S :::rückkehrte, wisic sie nicht genau anzugebcn, indem sie damals in einem Nachbardorse war und 'erst zwischen 1 bis 2 Uhr Nachmittags nach Eszlar zurückkehrte. Um diese Zeit fand sic ihren Mann in Scharf's Hose unter׳ cinein Strohschober liegen. Nachmittags besuchte ihr Mann wieder den Tempel, kam dann nach Hanse und blieb daselbst um der Zeugin bis zum Sonntag Morgen, woraus sie weiter reisten. Die Frage, ob am Abende Juden im Tempel gewesen seien, bejaht Jeugin, da Schächterwahl gewesen sei. Nach einigen erläuternden Nebensragen stellt es sich jedoch heraus, das; Zeugin dabei jene Inden meint, welche bei dein Nachiuittags.Gottesdienste anwesend waren.. Frau Jakob Süßmann deponirt, daß am Sonnabend der Schwiegersohn des Tarczaler Rabbi bei ihnen zu Gast war. Sonnabend Früh um 8 Uhr ging ihr Mann mit dein Gaste zum Gottesdienst; gegen H Uhr kam ihr Mann sammt Bux-, banm nach Hause: sie aßen zu Mittag, worauf sich Bnxbanm neben dein Ofen niedcrlegte. Den Nachinittags-Gotttsdienst bcsuchten ihr Mann und Bnxbanm cbcnsalls zusaininen. Bezuglich der Aussagen des Kutschers Hatalovsky erklärt Zeugiu, daß sie ihn kenlie: derselbe sei einige Zeit nach dein Verschwinden Esther's zu ihnen inS WirthShauS gekornmcn und habe da erzählt, daß er die Esther noch am Sonnabend Nachmittag vor den jüdischen Ostern bei der Huri unter einem Wcidenbaume stehen sah und hörte, wie die Huri zu Esther sagte, das; diese aus dem Altdorse bis Abends noch dreimal zurück sein , könne. Diese Reden Hatalovsky'S, der übrigens damals nicht belriinken war, haben auch die Töchter der Zeugin und deren Dienstbote gehört. Laura Süßmann, Tochter der Vorigen, macht dieselben Aussagen wie ihre Mutter über den Aiisenthalt des Schächters Buxbanm in ihrcin Hause. Ob Buxbanm noch nm selben Abende das Haus verlassen habe und irgend wohin gegangen sei, weiß Zeugin nicht anzugebcn. lieber ihre Begegnung mit Frau Huri deponirt Zeugin, daß sie am Sonnabend gegen Sonlicnuntcrgang die Huri auf der Straße jcriseits des Dammes begegnete, als sie gegen das Altdorf zu auf die Suche nach Esther ging. Sic sprachen mit einander über Esther'« Ausbleiben. Zeuge Michael EsercS war im vorigen Jahre Kiitcht bei Großberg; er erinnert sich, daß er iin vorigen Frühjahr an einem Sonntag in Npiregphaza und Nagy-Kallo gewesen sei, wohin er Weißstcin und Lichtmann mit je einem kraulen Kinde und einem fremden Inden gefahren habe; sie seien von Eszlar sehr zeitig aufgebrochen. Wcißstein holte er ans dem andern Thcile des Dorfes ab, während die Aiiderert bei Süßmann waren. Den fremden Juden könnte er iticht erkennen, Zeuge wird ailfgcfordert den Leopold Braun ins Auge zu fassen, ob er ihn erkeiirie. Zeuge wirst auf das Auditorium verlegene Blicke und bemerkt den kleinen Schächter Brann, der sich unterdcffen erhebt, nicht, Nach langem fruchtlosen Umherblicken findet Zeuge endlich mit dem Blicke den Angeklagten und erklärt, denselben nicht zu erkennen. Der nächste Zeuge ist Andreas Huri. Derselbe deponirt nichts Wesentliches. Zeuge Wolf GroSz aus Tisza-Ladany erzählt, daß er in Gesellschaft des Joseph Guttmann an dem in Rede stehenden Sonnabende in Eszlar um 0 Uhr ankam, als schon der Gottesdienst begonnen hatte. Gegen 11 Uhr war der Gottesdienst ans und alle Besucher verließen den Tempel. Er ging um Weißstcin. Noscnberg, Klein, Junger und Anderen ins Altdorf. Zwei Fremde und der Eszlarer Schächter verfolgten denselben Weg, während der Tarezalcr ins Nendorf ging. Bis jenseits des Dammes gingen sie Alle in einer Gruppe, hier jedoch eilten die Gcmeindemitglicder den Schächtern etivaS voraus, um über die Wahl berathen zu können. Die drei Schächter seien hier ins Hans Rosenberg'S eingelreten; dies wisse er ganz bestimmt, da auch er und Guttmann bei Noscnberg vorsprechen wollten

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