Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-12
- Page
- 443 (sequence 3)
- Language
- German
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443 mann, Braun und Gros; holten den Tcmpclschlüssel ab, woraus sie sich in die Synagoge begaben. Wad sic dort thatcn, weiß Zeuge nicht, nachdem er ins Scharsschc HauS-nur kam, um seiner Wächlcrpflicht zu genügen. In der Nacht gegen II',: Uhr bcgaün cs zu regnen, er zog sich in das Vorhand;uriitf und schlief ein.;Hl* er erwachte, blickte er um sich und bemerkte eine grostc Fustspur, die vout Nasen neben dem Tempel in den Garten der Leugyel zu einer srisch ausgegrabenen Stelle sührte. AbcudS bemerkte er diese Fustspur nicht, und sie konnte nur nach dem Regen entstanden seilt, da in derselben kein Wasser war. lieber das Verschwinden Esther'« hat er erst spät im April gehört. Der frisch ausgegrabcncn Stelle legte er kein Gewicht bei und crslallcle auch keine Anzeige. Der Untersuchungsrichter habe üc später selbst entdeckt. — Angeklagter Wciststein hält dem Zeugen vor, das; dieser den Tempclschlüsscl den Juden nicht aussolgen wollte, diese seien daher zum Untersuchungsrichter-ge« gangen, und daß, nachdem der Schlüssel eine Nacht hindurch in fremden Händen gewesen sei, sie den Tempel nur in Gegenwart des Untersuchungsrichters betreten tvolltcn, damit dieser Umschau halten könne, ob im Tempel nichts Verdächtiges vorgenommen worden sei. — Zeuge Lazi bestätigt, daß diese Aussagen Weist׳ stcin'S wahr seien. ,Hieraus folgt die Vernehmung der sechzehnjährigen Nosa Noscubeig. Zeugin dcponirt mit Sicherheit, sic habe an jenem Sonnabend Esther, vom Kausmanne zurückkchrend, mit deren Schwester Sophie, welche bei Noscnbcrg diente, sprechen gesehen; sie stand in der Nähe, Hörle aber nicht das Gespräch. Es war l Uhr, denn sic halte schon zu Mittag gegessen, uild Sophie Halle Wein zu Taub getragen. Sie fand Esther traurigen Geminhes, befragte auch nach deren Weggehen die Schwester über den Grund der Traurigkeit. Mit Sophie konsroutirt, giebt Letztere nicht zu, dast cs bereits l Uhr gewesen, doch war cS schon nach dem MjitagSläuten. — Präsident sragt, woraus Sophie schlieste, dast cs noch nicht I Uhr war. — Sophie: Weil erst um Vieles später die Huri kam und ihr sagte, dast Esther fehle, uuo das war erst zwischen 2 und 8 Uhr. Zwischen beiden Mädchen entsteht ein Streit über Esther« GemüthSzusiaud. Sophie sagt, Nosa möge ie Erfindungen der Juden nicht nachlügen. — Präsident wehrt saust ab. Zeuge Jakob Süstmann, Wirth in E.Szlar, giebt aus Befragen an, dast der Schächter-Kandidat Buxbaum Freitag Abends bei ihm einkehrtc, dort übernachtete und bis Sonntag früh verblieb. Esther hat er nicht gekannt, auch Buxbaum bis dahin nicht. Bezüglich des Tempelbesuches an jenem Tage, als Frau Sä>־.rs bewacht wurde, erzählt Zeuge, dast er und einige Andere ihre Andacht verrichten tvolltcn, und Grosz vom Wächter den Teutpelschlüsscl verlangte. .An dem kritischen Sonnabend ist er Morgens mit Buxbaum in den Tempel gegangen und nach der Andacht mit Burbaum zusammen nach Hause zum Mittagsmahl, lieber die Zusammenkunft arn Abende im Tempel befragt, antwartet Zeuge, er war dort mit GroSz, Lichlmann und Änderen, tim über die Pacht des NegalrcchtcS zu bcrathcn; sic blieben beiläufig anderthalb Stunden — von 7 Uhr an — dort und Hanen nur eine kleine Kerze. Er bestreitet entschieden, dast sic bis II Uhr dort blieben. Bei der Koüsroulirung mit dem Knecht Johann Solymosi bezüglich der Tcinpelbcleuchiung bcharren beide Zeugen bei ihren Aussagen. Aus verschiedene Fragen der Verthcidigcr antwortet Süstmann, er erinnere sich .bestimmt, mit Buxbaum zusammen vom Tempel nach Hause gegangen zu sein. Das Mittagsmal nahlucn sie zwischen 1/■Al2 und 12־ Uhr, daun legten sich Beide schlafen. Dies könne auch sein damaliges Dienstmädchen, Kathi Varga. bezeugen, ebenso auch seine Familie. Verth. Eotvös ersucht, Süstmann'« Frau und die beiden Töchter als Zeugen zu citiren. Verth. Friedmann konstatirt, dast auch hellte der Untersuchungsrichter Bary seinen Play im Publikum, den die Zeugen passircn müssen, einnahm. Die nächste Zeugin ist das 18 jährige Mädchen, christlichcr Konfession, Kathi Varga. Sie betritt unter grosser Spannung des Publikums den Saal. Der Staatsanwalt fordert in cnlschicdcnem Tone, das Publikum, welches bei den Aussagen einzelner Zeugen hclllaut lacht und lärmt, in die Schranken zu ivciscn. Der Präsiden! crutahnt, ״so viel als möglich" Nllhe zu belvahrcn und die Zeugen nicht zu stören. — Zeugin Kathi Varga sagt nunmehr, in ruhigem Tone die Fragen beantwortend, unter steigender Sensation folgendes ans: Der angeklagtc Bux« bauin, den sic unter den Angeklagten erkennt, sei damals, Freitag Abends, zu ihrem Lienstgeber Süstmann gekommen, wo er Wohnung erhielt, und habe dort übernachtet. Am Sonnabend Morgen ist Süstmann mit Buxbaum in den Tempel gegangen. Beide sind um I I Uhr zusammen zurückgekehrt, haben vor zwölf Uhr mit Frau und Kindern zu Mittag gegessen, dann haben sich Beide schlafen gelegt und sind erst ain späten Nachmittage ausgegangcn, ohne bis dahin seit Zurückkunft vom Tempel das Halls verlassen zu haben. Am späteren Abend kam auch Braun mit Süstlnaun lind Buxbaum zri ihnen nach Hause, und auch Braun schlief diese Nacht bei Süstmann. Sie selbst bereitete de» Schächtern das Lager. Am nächsten Morgen fuhren ihr Dicustgcbcr und die beiden Gäste nach Kalla. Aus Befragen Hcuinann'S sagt die Zeugin, sic kenne den Zeugen Hataliezky, sw erinnere sich auch, dast er voriges Jahr, als über Esther'« Berschwindeu gesprochen wurde, sagte, er habe Esther noch am Sonnabend Nachmittag weinen gehört. Hataliezky leugnet, dies gesagt zu haben. Zeugin bemerkt, auch ihr Herr und ihre Frau hätten dies gehört. Süstmann wird in den Saal gerufen und erinnert Hataliezky an die Scene, wie er dies damals gesagt, worauf Letzterer antwortet, er habe nicht gesagt, dast er Esther am Nachmütagc gesehen, sondern nur, dast er sie gehört hat. — Die Verhandlung ist damit für heute beendigt, und cS.werden noch, mit Ausnahme der jungen Nosa Noseuberg, die heute vernommkncn Zeugen beeidet. 28. Juni. Zeuge Leon Grostbcrg sagt auS, dast Sonnabend vor Ostern drei fremde Schächter in Eszlar waren־, zwei derselben waren bei Taub, der dritte bei Süstmann abgesticgen־, bis II Uhr war ProbcgoucSdicust, welchem auch Zcllge beiwohnte׳, die Tempelbcsncher und die Schächter verliesten den Tempel aus einmal, und Zeuge begab sich mit den Brüdern Einhorn nach Hause. Süstmann dürfte mit dem Tarczaler Schächter eine bis zwei Minuten ׳Pater nachgcsolgt sein. Der Zeuge nahm auch an dem Nachm׳".ags>G0llcsdicnsie Thcil und ging dann um halb 8 Uhr Abends wieder in den Tempel, um den VcrglcichSverhandlungcn über die Regalien zwischen Ein« Horn und Süstmann bcizuwohncn. Um II Uhr war er jedenfalls schon zu Hanse, da die Verhandlungen nur anderthalb bis zwei Stunden dauerten. Der Präsident macht den Zeugen aus Widersprüche;wischen seinen heutigen und feilten früheren Deposilionen vor dem Untersuchungsrichter ansmcrlsam. Zeuge hält jedoch seine heutigen Aussagen ausrecht und sagt, dast er bei seinen früheren Vernehmungen durch den Untersuchungsrichter eingcschüchlert war. Durch Krenzsragcn Heumann's und Fried« maiin's wird konstatirt, dast die über die früheren Aussagen des Zeugen ausgcnommencn Protokolle formell inkorrekt sind, da dicsclbclt der Untcrsnchnngsrichlcr Vary allein ausnahm und nur nachträglich von einem Schriftführer unterfertigen liest. Der Zeuge dcponirt ferner, dast er am Sonnabend Nachmittag um 5» Uhr der Willwe Huri auf der Gasse begegnete, die ihm erzählte, sic habe die Esther cinkauscn geschickt, doch bleibe sie zu lange aus, und dast sie Esther am Sonnabend Morgen wegen eines Backtroges auSgescholten habe. Auch erzählte Zeuge, dast Sophie Solymosi Sonnabend Nachmittags seinen Laden besucht habe und bei dieser Gelegenheit die Be« nicrkung machte, dast Esther traurig und niedergeschlagen ge.