Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-12
- Page
- 442 (sequence 2)
- Language
- German
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442 weiter vom Orte des Gespräches stand, als die Länge, welche der Verhandlungssaal be'rägt. Vor ihrer Entlassung ücllt Perlhridiger Szekely an Frau Huri die Frage, od sie die Esther am 9kach1niltagc das;weile Mal 11111 Farbe geschickt habe. — Zeugin vcrueiul. Der nächste Zeuge. Samuel Fräull, 751 Jahre alt, giebt au. dasi er am Tage vor Ostern der Andreas Huri gegen •1 Uhr Nachmittags aus dem Wege gegen das Alldorf begegnete; auf die Frage, wohin sie ginge, antwortete ihm Frau Huri mit den Wollen, sie habe die Esther das zweite Mal ins Altdorf um Farbe geschickt und da sie nicht wisse, wo das Mädchen verbleibe, so wolle sic nach ihr sehen. Nach diesem Gespräche habe sich die Huri gegen das Alldorf zu entfernt und Zeuge sei nach Hause gegangen. Diese Begegnung habe in der Nähe des Tempels stattgefundcn. Zeuge wird mit der Andreas Huri konfronlirl, und letztere giebt zu, dem Fräull aus dem erwähnten Wege begegnet zu sein, doch behauptet sie, das; zwischen ihnen über die Esther gar nichts gesprochen wurde; andererseits giebt sic zu, das; Fräull mit der Zeitangabe, daß es damals 4 Uhr gewesen sei,;)!echt haben könne. Präsident hält die Aussagen Beider gegen einander, und Beide verbleiben bei ihren Behauptungen. — Staatsanwalt: Wenn man nach Jemandem sucht, so ist cs doch natürlich, daß mau Jeden, den mau trifft, nach dem Vcrinißten fragt. Haben Sie keine solche Nachfrage an Fränkl gerichtet? — Frau Huri: Nein, ich habe ihn nicht gefragt, da es ihn ja nichts anging, was ich suchte; wir sprachen über die Esther gar nicht. — Bcrtb. Heumann bemerkt, daß Zeugin, als sic sich auf die Suche nach der Esther begab, zwischen :! und -! Uhr jenseits des Dammes Laura Süßmann begegnete und mit derselben ebenfalls über die Esther gesprochen habe. Nachdem die Huri zwar die Begegnung mit der Laura zugiebt, doch in Abrede stellt, das; sic mit derselben über Esther sprach, beantragt Berkheidiger Heumann die Einvernehmung der Laura Süßmann über diesen Umstand. Die nächste Zeugin ist die Wittwc Johann Nagy. Sie besitzt ein kleines Hänschen in Eszlar, dessen vorderes Zimmer sie im vorigen Jahre an den Schüchttr Taub vermiethcte. Ueber die Vorgänge des 1. April befragt, sagt sie, es sei ihr bekannt, daß au jenem Tage in Eszlar auch fremde Schächter gewesen seien. Bei Taub seien auch drei, und zwar der Teglaser, der Tisza׳Loeker und vielleicht der Tarizalcr Schächter abgcsticgcn. Am Sonnabend Vormittags seien mit Taub vier Juden aus ihrem Hause in den Tempel gegangen. Gegen 11 Uhr kehrte die Frau Taub nach Hause zurück, während die vier Juden erst spät nach I Uhr nach Hause kamen; dies wisse sie daher, da sie nach dem Mitkagläirtcn noch zu ihrer Nachbarin Poßior gegangen sei, sich dort längere Zeit ausgrbaltcn habe, daun nach Hause ging, und erst später die Schächter gekommen seien. Angeklagter Taub stellt diese Behauptuugeu in Abrede, sagt, daß bei ihm nur zwei Schächter gewesen seien, und daß sie am Sonnabend nur zu Dreien' in den Tempel gingen. Auch der Angeklagte Braun iveist die Behauptung der Zeugin entschieden zurück; sic will sich des Umstandes, daß zu Taub Speisen und Wein geschickt wurden, nicht entsinnen, sondern behauptet, daß die fremden Schächter noch Sonntag, am 2. April Morgens, sich bei Taub aufgehalien haben. Angeklagter Weiß, sicin erhebt sich und bemerkt, cs kenne sehr leicht der Beweis erbracht werden, daß der Schächter von Teglas die Nacht von Sonnabend ans Sonntag bei Lichlmann zugcbr.cht habe und Sonntag früh 7 Uhr in Nyircgyhaza war. Bei den Kren;, fragen der Bcrthcidigcr Heumann und Eötvös verwickelte sich die Zeugin in grelle Widersprüche bezüglich der Zahl der Personen und der Zeitangabe, wie denn die ganze Aussage dieser Zeugin völlig den Gindruck des Geschwätzes einer schwachsinnigen alten Frau macht. Sie selbst wiederholt öfter, daß ihre Ge» danken nicht klar seien. Schließlich bemerkt sie noch, daß sie die Sophie Solymosi nicht ins Hans kommen sah, wie auch sonst Niemand, weder Nosenberg noch irgend jemand Anderer zu Taub ins Hans gekommen sei. Sic wisse auch nicht, ob die Taub um's Essen zu Nosenberg geschickt habe. — Hieraus tritt eine halbstündige Panse ein. Nach Wiederausnahme der Verhandlung sagt der Präsident: Andreas Hataliczky, man meldet mir, daß d» öfter bestraft worden bist, ist dies wahr? — Hataliczky: Ich bin nie vor Gericht oder vor dem Stnhlrichter gestanden und habe nur ein einziges )Na! wegen eines Bubenstreiches einen Anstand mit dem Ortsrichter gehabt. — Zeugen Eheleute Albert Papp. Der Mann sagt aus, daß Esther bei ihm bedienstet war und durch Joseph Scharf und dessen Frau, die öfter zu ihm kamen, gcscheu und gekannt sein konnte. Frau Albert Papp deponirt dasselbe mit dem Beifügen, daß Esther sich in ihrem Dienste stets gut ausgcführl habe und Scharf und dessen Frau, die öfter in ihr Haus kamen, um Gemüse und dergleichen cinznkausen, das Mädchen kennen mußten. Angeklagter Schars hält diesen Aussagen entgegen, daß er und seine Frau das Papp'sche Haus zwar besucht hätten, doch nur sehr selten. Es ist nicht ansgeschlossen, daß er bei irgend einer Gelegenheit die Esther sah, doch kümmerte er sich um dieselbe nicht und kannte sie auch nicht. — Zeugin Witltwe Gabriel Solymosi, Schwester der Mutter Esthers. Ihre Angaben über die Umstände des Vcr. schwindens der Esther sind folgende: Die Mutter der Esther habe ihr am frühen Nachmittage über das beunruhigende Ansbleiben Mittheilung gemacht. Sophie kam unt der Kunde gegen 1 Uhr zu ihr. Sie sei über die Nachricht gar nicht betroffen gewesen, nachdem sic wußte, das; sie kein Kind sei und nicht verloren gehen konnte. Am Spätnachmittage kam ihre Schwester wieder zu ihr und bewog sic, mit ihr aus die Suche nach dem Mädchen zu gehen. Sie ließ ihre Arbeit liegen und ging mit. Die Fron Joseph Schars kam ihnen bei dieser Gelegenheit sammt ihrem Manne entgegen, und dieser erzählte ihnen eine Geschichte über einen Nanasacr Fall, wo ebenfalls ein Kind in Verlust gerielh, dessen Verschwinden auch den Juden ansge» bürdet wurde, das Kind sei jedoch später gesunden worden. Präs, lzum Angeklagten Scharf): Warum haben Sie die Geschichte erzählt? — Scharf: Gott benahm mir den Verstand, es wäre besser gewesen, wenn ich eher gestorben wäre. — Zeugin Witttve Gabriel Solymosi sagt weiter, daß diese Rede Scharf's sie ans die Vermulhung brachte, -aß Esther durch die Inden vernichtet ivorden sein konnte; sie brachte diese Neden Scharf's dein Ortsvorstande zur Anzeige. Nach einigen Fragen der Vertheidigcr Henmann und Eötvös erklärt Zeugin, daß Esther von der Mühle nicht den Weg zum Damme hingcgangcn sei, sondern ins Dorf; auch erzählt sie den Hergang ihrer Begegnnng mit der Hebamme Klein. — Zeugin Marie Posztori erzählt, daß das Weib des Michael Csercs ihr mitgethcilt habe, die Frau des Joseph Scharf habe geäußert, daß die Esther durch die Huri an Lichtmann verkauft worden sei. Ueber die Krankheit des Martin Grosz befragt, bemerkt sie, daß sie wisse, daß GroS; im vorigen Jahre krank war, bezüglich des Zeitpunktes dieser Krankheit könne sie sich nicht anders entsinnen, als daß zu jener Zeit den jungen Gänsen eben die Flügel wuchsen. Das Gerede über den Verkauf der Esther habe sie nur von der Eseres, nicht von der Schars gehört. — Tisza.ESzlarer Kleinrichter Johann Lazi hat auch über die Vorgänge in Eözlar Zeugenschaft abzulcgcn und erzählt: als der UntersuchnngS« richrer nach Eszlar hcrauSkam, wurde die Bewachung der Frau Scharf ihm anverlraut: er begab sich zum Hause Joseph Scharf's und hielt die Frau desselben, die allein mit ihren Kindern im Hause war, unter Bewachung. Die Nacht verging bis zum andern Vormittag N Uhr ohne Störung, und nur Abends versuchten die Juden, mit der Schars ein Gespräch anzuknüpsen. Süß»