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Jeschurun · 1883-07-12 · Heft 28 (12.7.1883) · p. 441

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 28 (12.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-12
Page
441 (sequence 1)
Language
German
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.V? 2S. 441 Icschnrnn. Tie Verhandlung desTisza-Eszlartr Prozeß! vor dein Gerichtahof in AMWhaza.! (Fortsetzung!! Am 22. Juni beginnt die Sitzung mit dem Verhör der Frau Lengycl, welche aussagt, am Sonnabend zwei laute Ruse vernommen zu haben, welche von ihrem Hausthore zu tommen schienen. Sie hörten sich an als die Stimme eines Kindes. — Verth. Friedmann: .Gestern hat ein Angeklagter ausstehen wollen, um zu sprechen, Jemand aus dem/Publikum hat ihn jedoch mit Gewalt aus seinen Sitz niedergedrückt. Ich bitte den Präsidenten, die Angeklagten hierüber zu besragcu, durch wen dies geschehen sei, und das Publikum ernst zu ermahnen, da, wenn dies nochmals geschehen sollte, die Beriheidignug um Ent. feruung des Publikums bitten müßte und die Verhandlung unmöglich gemacht würde. - Präsident ermahnt das Pubkiknm, jedwede Ausschreitung zu vermeiden. — Zeugin Wngyel depouirt dann weiter, sie weis; nicht, wie lauge die Tcmpclaudacht dauerte, sie widerspricht ihrer Aussage vor dent Untersuchungsrichter, daß nämlich der Gottesdienst bis 12 Uhr gedauert und daß Frau Schars sich später öfter erkundigt habe, ob man ״hinüber-׳ höre". Jene Ruse hat sie gegen Abend gehört, es waren keine Hülscruse. Esther hat sie nicht gekannt. — Es folgt die Vcrnchmung der Zeugin Wittwe Feketc, welche au jenem Sounabend, von der Beichte kommend, am jüdischen Tempel vorübergegangen sei, ein leises Weinen vernommen und au der Thür zwei Juden gesehen habe. Vor dem Untersuchungsrichter sagte die Zeugin aus, dies sei kur; vor 12 Uhr gewesen-, heute sagt sie mit Bestimmtheit, daß es, als sie dann nach einer Viertelstunde nach Hause kam, erst kl. Uhr war. Sie Hai die Esther nicht genau gekannt. — Augckl. Schars steht auf und sagt, der Untersuchungsrichter habe ihm gesagt, Frau Feketc habe Nachts Bellt im Tempel gesehen. — Zeugin leugnet, dies je gesagt zu haben. — Der nächste Zeuge, Joseph Ädamovics, katholischer Pfarrer von Tisza-Eszlar, giebt aus die Frage des Präsidenten den Ausschluß, in der Ostcrzcit komme seine Geittciude in der Regel gegen l) Uhr zur Beichte, und dauert daun der Gottesdienst, je nach Zahl der Beichtenden, einige Stunden. Speziell irn vorigen Jahre war die Gemeinde sehr zahlreich, und an jenem Sonnabend dauerte der Gottesdienst jedenfalls bis nach I I Uhr. Wittwe Feketc konstatirt, daß sie früher als der Pfarrer aus der Kirche weggcgaugen sei. Ueber den Fall selbst ist Zeuge nur aus den Zeitungen und Gesprächen des Volks unterrichtet. Zum ersten Male hörte er davon erst einige Wochen nach dein Verschwinden der Esther. — Eölvös fragt den Zeugen, ob eine bei den Uutcrsuchnngsakten liegende Anzeige an den UntersnchungSrichler, daß im Dorfe vagircndc Juden gesehen worden seien ׳selbige ist mit A. .1. gezeichnet vom Zeugen herrühre. — Zeuge bejaht. — EotvöS fragt weiter, ob der Zeuge am ln Juni in Eszlar gewesen sei und den damaligen Konfrontationen im Gemeiudehause ungewohnt habe. — Zcnge erinnert sich nicht. — Joseph Papp,-Vicc-Richler in Eszlar, depouirt über den Austritt des Publikums aus dem Gotlcshause-. ob Messe war, lveiß er nicht, sowie derselbe sich auch des׳ Umstandes nicht entsinnen kann, ob die Anwesenden einzeln oder in Gruppen aus der Kirche kamen, lieber die aus den i'eichcnschinnggel bezüglichen Umstände wird dieser Zeuge erst später einvernommen werden. Verth. Eötvos meldet, daß Zeuge Andreas Hataliezki erschienen sei und aus seine Vernehmung wartet Es folgt Johann Solymosi, 2K Jahre alt, Tagelöhner. Ter Zeuge, welcher mit der Wittwe Lolpmosi nahe vcrivaudt ist, depouirt, daß er das Verschwinden der Esther von seiner Taute gehört habe, die ihm am Nachmittage davon erzählte. In der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag sei er zu Hause gewesen. Zeuge war damals Kutscher bei Martin Gros; und habe am Abend im Hose Hnnd.'gebcll gehört׳, er sei hinausgegangen und habe bemerkt, daß aus dem Tempel Juden kamen und sich zu dein alten l'ichtmaun begaben. Später gegen U bis 12 Uhr sah er mehrere Gruppen Juden, drei, vier Mann hoch gegen die Synagoge zu verschwinden, nachdem sie hinter dem Stalle GroSz' passirl waren. Am Tempel siel ihn׳, auf, daß die Fenster an der Nordseite beleuchtet seien: er legte aber weiter kein Gewicht aus diesen Untstand, da er der Meinung war, das; der Tempelbesuch zu so später Stunde zu den religiösen Gebräuchen der Juden gehöre. Als er im Tempel Vidjt bemerkte, dürfte cS H> bis 11 Uhr gewesen sein. Ueber das Vcrhältniß?ichtmann's zir GroSz befragt, erklärt Zeuge, daß diese Beiden bis zum l. April auf gespanntem Fuße lebten, von diesem Tage an jedoch mit einander verkehrten. Aus Befragen der Verth. EotvöS und Szekely erklärt Zeuge, daß die gegen das Altdorf gelegenen Fenster des Tempels beleuchtet waren und er dies nicht aus dem Stalle, sondern vom Platze vor demselben sah. Sein Dienst« geber Grosz hat ihn gut behandelt und nie geschlagen. Es wird Zeuge Andreas Hataliczkg vernommen. Nach Abgabe der Generalien erklärt Zeuge, daß er im vorigen Jahre in Eszlar bei Michael Tebreezeni im Dienste stand und folglich unmittelbar Nachbar des Huri'schcn Hauses war. Wie die Huri'S gelvirihschastet hätten, wisse er nicht ganz genau, doch sei ihm bestimmt bekannt, daß die innere Wirlhfchast durch Frau Huri versehen iverdc. Im Hause wurde auch Vieh gehalten und ein Knecht stand im Dienste, der dasselbe zu versorgen hatte. Wenn der Knecht auswärts beschäftigt war, wurde das Vieh entweder durch die Huri oder durch deren Magd abgcwartet. Er habe öfter gesehen, wie Esther Solpmosi iin Mär; vorigen Jahres beim Brunnen vor Dcbreezini'S Hause das Vieh der Huri tränkte. Zeuge ivird mit der Andreas Huri konfrontirt. Letztere verwickelt Zich in Widersprüche und gesteht endlich ein, daß Esther Lolnmosi, wenn Zeugin oder deren Unecht anderweitig bcschäftigt waren, das Vieh abgewartet habe. Nach Abführung der Zeugin Huri tvird Hataliezky über die Vorgänge des 1. April befragt. Au diesem Tage, sagt Zeuge, habe er zu Hause bei Dcbrceziui gearbeitet, Hof und Garten gereinigt, und habe Nachmittags um K Uhr, im Garten stehend, die Slimltic der Huri gehört, als diese sprach: ״Tu kannst bis Abend aus dem Dorfe auch dreimal zurück sein." Esther Solh'.nosi habe er gekannt, doch nicht näher, da er sich mit dem Kinde nicht beschäftigt habe. Staatsanwalt: Wie heißt der Knecht, der im vorigen Jahre bei der Huri diente, und wo ist er gegenwärtig/ — Zeuge: Gabriel Esereuyi, derselbe ist assentirt ׳und dient gegenwärtig beim Militär. — Verth. EölvöS: Erinnerst du dich bestimmt, daß, als du diese Worte hörtest, Nachmittag war/ — Zeuge: Ja. — Eölvös: Wußtest du, wer gesprochen habe/ Zeuge: Ja, denn ich kannte die Stimme der Huri sehr gut. - Eölvös: Hast du Acht gegeben/ — Zeuge:!)kein, ich beachtete das Gespräch nicht besonders. — Eölvös: Als du vom Verschwinden der Esther hörtest, erwähntest du den Umstand dieses erlauschten Gespräches vor Jemandem/ — Zcnge: Im Allgcmeinen erzählte ich nichts davon, doch erwähnte ich an einem Sonntag Nachmittag in der Schänke Lüßmann s diesen Umstand; cs waren damals Süßmann, dessen Frau, die beiden Töchter und die Dienstmagd zugegen. Die Huri habe Esther gut behandelt, und aus den angeführten Worten habe Zeuge nur gefolgert und nicht eirlschieden behauptet, daß jene zweite Person, an welche obige Worte gerichtet waren, nicht gehorchen wollte. — Der Zcnge wird mit Frau Huri ein zweites Mal konsroulirt. Sie giebt nach längerer Kontroverse zu, cS sei möglich, daß sie Nachmittags, als sie schon Esther vermißte, diese Worte zu einem eventuell anwesenden Siinbe gesagt habe. Be« züglich der Distanz bemerkt der Zeuge, daß er damals etwas

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