Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-05
- Page
- 429 (sequence 5)
- Language
- German
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429 MittagSesscn ba-3;weite Mal begegnet. — AngMagrer Sakomon Schwär;: Sagen Sie mir. haben Sie mich damals, als Ihr Dienstgebcr den Taub ans ein Gläschen Schnaps;n sich lud, gesehen? — Zeugin: Ich weiß nicht. — Schwär;: Wie konnten Sic also, als ich;wöls Tage später zu Noseubcrg kam, seus;end hinanSgchen und sagen, daß ich derjenige sei, der Ihrer Schwester den HalS abgcschuittcn Hüne? — Zeugin: Ich habe das nie gesagt. — (5s solgt das Verhör der Juliane Lzabo. Sic er;ählt ebenfalls, vom kleinen Samuel die Abschlachtungsgcschichte gehört;n haben. Sic habe dem Knaben Zuckerl gegeben; die Esther habe sie ins Geschäft gehen gesehen, zurückkounueu aber nicht, obwohl sie in der Mühle war; möglich aber sei cs, daß sie zurückging, als sic im Gebäude war. Sie habe um Mittag, obwohl sie den Tempel vor Augen hatte, gar keine Inden um den Tempel gesehen. - EölvöS: Wie viel Uhr war cs, als die Esther kam? — Zeugin: Es dürste elf gewesen sein. — Frau SooS ruft ihr im Nucken;u: ״So spät war cs noch nicht." — Staatsanwalt: Nicht dreinrcden. - Nächste Zeugin ist die noch nicht gan; dreizehnjährige Erstellet Soos. Sie erzählt ebenfalls, von Samuel die Abschlachrurigsgcschichte gehört zu haben. — Erzscbct Tanyi, sowie Esther Tann! sagen dasselbe auö. — Eötvös fragt die letztere Zengin, ob sie den Lamncl nicht ins Hans gerufen und ausgcsragr habe. — Esther Tanyi: Nein. - EölvöS: In der ersten Aussage haben Sie daS Entgegengesetzte gesagt.— Staatsanwalt: Haben Sic auch gcglaubt, das; die Esther auf diese Weise umgekommcn ist? — Zeugin: O ja. — Präsident fordert bc;üglich der Beeidigung Anträge. — Staatsanwalt beantragt, die Solymosi als Beiheitigtc nicht;n beeiden, die Huri erst später, da noch Kousrontationen nothwcndig seien, und die kleine SooS als;u jung auch nicht. Die Vcrlhcidigcr treten diesen Anträgen bei. Die nächste Zeugin, Wittwc Batori, war die sogenannte ״SamstagSfrall", die bei Schars jene Arbeiten verrichtete, welche den Juden am Sabbalh verboten sind. Tie Frage des Präsidenten beantwortend, erzählte sic, der Gottesdienst habe an diesem Sonnabende länger gedauert als sonst, was ihr aufgefallen sei. Mori; habe aus ihre Frage geantwortet, cs sei Probe gesungen worden. Aus die Frage des Präsidenteu sagt Zeugin, cs könne wohl auch schon 12 Uhr gewesen sein, als der Gottesdienst;n Ende.war; sic selbst sei au jenem Tage nicht bei Schars gewesen, wohl aber ihre Tochter Sophie, und zwar Letztere;wcimal; das erste Mal vor dem Tcmvelgange, um Feuer auzumachen, dann nach dem Gottesdienste, um Hot; nachznlegcn. Morr; habe die Sophie gcrnscu. — Ter Präsident hält ihr vor, dast sic jetzt nicht in allen Details dieselben Angaben mache, wie früher. — Zeugin: Das, was ich;ncrst gesagt, bin ich bereit, zu beschwören. Sie habe nicht gefragt, wie die ' Schächter heißen. Bis Mittags habe sic Brot gebacken, Abends hat sie sich niedergelegt. Um 11 Uhr Nachts sei ihr Sohn, der um 8 Uhr nach Hause gekommen rvar, plötzlich erwacht und habe gefragt, wie es denn komme, daß im Tcurpe! drüben jetzt noch Licht sei. Des andern Tags fragte sic hierüber Schars, der ihr sagte, cs sei Abends Schächtcrwahl gewesen. — Schars: Elf Uhr kann cS nicht gewesen sein, auch war cs nicht im Tempel, wo Licht war, sondern in der Vorhalle. — Zeugin erzählt weiter, Frau Lcugycl habe ihr am Dienstag mikgerhcilt, sie habe am Sonnabend ihren Namen rufen gehört. Das erste Mal habe sic geantwortet, der Hund sei nicht bissig. Nach dem zweiten Ruse sei sic hinausgegangen, habe aber Niemanden gesehen. Mil dem kleinen Samuel habe sic gesprochen, und dieser habe ihr erzählt, der Vater habe daS ungarische Mädchen bei den Füßen gehalten, und der Schächter habe sie geschnitten. Damals, Sonnabend Nachmittags, sei Frau Schars zu ihr herübergekommen, habe längere Zeit mit ihr gesprochen und erzählt, ihr Mann sei unwohl, er habe sich niedergelegt. Dann sei Frau Scharf zu Lichtmann gegangen. Irgend welche Nuse habe Zeugin nicht gehört, auch kein Stimmengewirr im Tempel.,— Verth. Szckcly macht daraus aufmerksam, daß jetzt schon von der zweiten Zeugin das Wort ״Stimmengewirr" für betendes Singen angcwcndct wird. — Der Präsident richtet an die auf der Zeugenbank sitzende Schwester der Esther die Frage, wie sie denn das verstanden, was sie bei Taub gehört. Darauf antworlet sic nach einigem Nachdenken: Es war ein großes Gesumme. Ans die Frage des Staatsanwalts erklärt Zeugin, daß sie den ganzen Vormittag über mit ihrer Tochter und Schwiegertochter zu Hanse gewesen, daß sie Wicht gesiebt und Brot gebacken habe. Sic habe gar keine Ruse gehört. Für die Sonnabend-Arbeiten hat sic von Schars Bezahlung erhalten. Tags« über brannten im Tempel niemals .Kerzen, sondern nur am Abend. — Vertli. EölvöS: Hat die Lcngyel Ihnen gesagt, um tvelche Zeit sie die Rufe gehört? — Zeugin: Nein. — Verth. Fried mann: Wann legen Sic sich Abends nieder. — Zeugin: Wenn cs sinstcr wird. — Der Präsident richtet an den Angeklagten Lustig in scharfem Tone die Frage, ob er denn seine Situation für so heiter erachte, daß er fortwährend lache; er benehme sich unairstäudig. — Angeklagter Schars erwähnt, der Untersuchungsrichter habe!1,111 gesagt, die Familie Batori sei den ganzen Vormittag nicht zu Hause gewesen. — Der nächste Zeuge, Gabriel Batori, weiß nur zu erzählen, daß er tagsüber außer Haus gewesen. Er sei Abends nach Hause gekommen, habe zu Nacht gegessen und sich dann niedergelegt. Als er gegen 11 Uhr aufivachle, habe er im Tempel Licht gesehen. Der Strohschober habe nicht die Aussicht bcuoiumeu. — Angeklagter Scharf: Elf Uhr kann cs unmöglich gewesen sein; sic hatten ja nur eine Zwcikreuzcrkerzc. — Staatsanwalt: Wie konnten Sie wissen, wie spät es war, als Sie auswachteu und Licht sahen? — Zeuge: Ich hielt cS für so spät. — Sodann wird die Frau des vorigen Zeugen vernommen, tvelche erzählt, sie sei den ganzen Tag über zu Hanse gewesen; Moriz war bei ihnen. Es mag l l Uhr gewesen sein, als der Gottesdienst zu Ende war. Auch hat sic das Licht in der Nacht gesehen. — Staatsanwalt macht die Zeugin daraus aufmerksam, sie habe m ihren srühcrcn Aussagen depouirt, daß sie selbst nicht Licht gesehen, und das; sic am 'Nachmittag bei Schars war. — Die Zeugin hat dir Esther nicht gekannt. — Die nächste Zeugin, die Tochter Sophie der Wiltive Batori, ein süns;ehnjäh>.igcS kränkliches Mädchen, erzählt, sic sei an jenem Sonnabend van Moriz in der Früh gerufen worden, um bei Schars Feuer auzumachen, Nach dem Gouesdieusie im Tempel habe er sie rviedrr gcruscn; da hat sic Hol; nachgclcgt und ist hieraus zu Lichtmanu gegangen. Später am Abend seien Schars und Frau der Solymosi ciilgegcugegaugeu und sprachen mir ihr über Esther. Am Abend sind dort die Juden zusamiuengekoiumeu, die in den Tempel gingen. Sie zählt einige auf; au Alle erinnere sic sich nicht.!Schars nickt ziisiimmeud.) Die Zeugin glaubt, die Männer seien alle von Lichtmauii'gekommen; sie weiß sich nicht -zu erinnern, ob sie, wie sonst, auch au diesem Tage die Leuchter wcggcsiellt habe: ohne daß man cs ihr besohlen, habe sie dies nie gelhan. Der Zeugin wird unwohl: es wird ihr ein Glas Wasser gereicht, und es tritt eine kleine Pause ein. — Fricdmaun fragt, um ivclchc Zeit die Leuchter gcivöhulich weggcstcllt wurden? Die Zeugin antwortet: Dieses geschah beim Zusaiunieuräumen Morgens gegen 8 Uhr. Aus die »Frage des Verth. Szekcly antwortet die Zeugin, daß ihr Frau Lcugycl erzahlle, daß sic Hülserufe gehört habe. Die Lcugycl sagte ihr aber nicht, um welche Zeit. — Der Präsident fordert miiliuchr ans, bezüglich der Eidesleistung der Zeugen Anträge zu stellen. Staatsanwalt stellt den Antrag, Sophie Solymosi lvcgen ihrer Verwandtschaft mit der verschwundenen Esther, sowie Sophie Batori, weil sie erst jetzt fünfzehn Jahre alt geworden sei, nicht zu. beeiden. Heumann schließt sich bezüglich der Sophie Solymosi dem staats-