Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-05
- Page
- 428 (sequence 4)
- Language
- German
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428 Verse über den Zeitpunkt, in welchem Huri der Solymosi mitkhcilte, daß ihre Tochter verschwunden sei. Huri behauptet, in einer Zeit die Mittheilililg gemacht zu haben, in welcher, nach Trüberen Äumgcn, $rau 3011}in0fl schon bei der Theiß ihre Tochter suchte. — Frau 30l1)1nofl erklärt, sie sei gleich nach Mittag, noch ehe sic das Verschwinden ihrer Tochter wußte, von einer Ahnung getrieben, an die Theiß gegangen. Verth. -Heumann beantragt.die Vernehmung der Zeugen Samuel Fränkl, Andreas Hatalovsky, und der Frau Andreas Jakob׳, er bittet, den ersten Zeugen aus den Umstand ein; uvernehmen, daß;wischen ihm und Frau Andreas Huri über Esther So lymosi ain Sonnabend gesprochen worden sei, den;weiten Zeugen darüber, ob er gesehen habe, daß Esther Solymosi im Dienste der Huri hie und da deren Vieh getränkt habe, und die dritte Zeugin darüber, daß gelegentlich der Ausbahrnng der verstorbenen Frau Michael HegedüS die Huri deren Stiesel abgezogen habe, folglich nicht leichenscheu sei. — Zeugin Frau Lanezy dcponirt aus Befragen, daß sie am l. April dabei war, als die Huri die Esther ins Dorf um Farbe schickte. Als Esther an ihrem Hause vorbeikam, gab sie ihr auch 2 Kr. mit, um Vitriol;u kaufen, da sic auch Tüuchsarbc brauchte. Gegen Mittag begegnete sic der Huri, als diese auf der Suche nach Esther war. Die Huri erzählte ihr bei dieser Gelegenheit jene Acußcrung Sophie Solymosi's, daß diese die Esther vom Einkäufe schon zurückkommen gesehen habe. — Zeugin Frau Ujvegcs giebt an, daß sie am I. April!0 Kr. der H.ri ins Haus getragen und bei dieser Gelegenheit gehört habe, daß die Huri der Esther wegen Hebens eines schivercn Backtroges einen wohlwollenden Verweis ertheilt habe. Von Zorn war nichts zu bemerken, und die Zeugin erklärt, daß die Huri gutgearteten KaraktcrS sei und die Esther gut behandelt habe. Nun läßt der Präsident die Aussage der inzwischen verstorbenen Zeugin Frau Gabriel Csardas verlesen, welcher zu entnehmen ist, daß die Huri am 1. April zu ihr binübergeruscn habe, ob sie nichts holen lassen wolle, da sie die Esther cinfaiifett schicke. Die Csardas gab an, Nägel zu brauchen, und nahm an dem Mädchen nichts von Niedergeschlagenheit wahr. Die Huri habe die Esther gut behandelt; am Tage des Verschwindens der Esther sei die Huri 'Nachmittags wiederholt zu ihr gekommen und habe ihrer Unruhe Ausdruck gegeben. Die Juden hat die Huri bei dieser Gelegenheit nicht verdächtigt. — Die nächste Zeugin. Frau Soos, erzählt aus Befragen des Präsidenten, des StaatSamvalkes und des VerlheidigcrS, sie habe von dein kleinen Samuel eine Woche nach dein Verschwinden der Esther erzählen ׳gehört, daß der Papa das Christenmädchen hercingcrusen habe und der Schächter Bacsi habe ihr den Hals abgeschnitten; da habe sie das der Frau Solymosi erzählt. — Schars fragt, was die Zeugin anläßlich eines GanskanfeS zu seiner Frau gesagt habe. — Frau Soos: Dessen erinnere ich mich nicht. — Präsident: Sagen Sie cs ihr. — Schars: Sie haben damals gesagt: Jetzt kommt die Zeit, wo wir alle Juden ans Ungarn hinanStrcibcn, und ich selbst werde den Prügel ergreifen. — Frau 000«: Ja, das sagte ich; wenn die Inden jetzt hier freigelassen werden, kann sich das ganze Dorf ohnehin in die Theiß werfen. Es folgt der Zeuge Joseph Kohlmcycr, Kaufmann ans Tisza-ESzlar. Er giebt an, daß er die Esther Solymosi seit zehn Jahren gekannt habe. Am!.April sei sic zwischen 11 und 12 Uhr in sein Geschäft gekommen, um Farbe zu kaufen. — Staatsanwalt rechtet mehrere Fragen an den Zeugen, aus welcher dieser dcponirt, daß Esther nur 5 bis li Minuten lang in seinem Laden blieb, und daß;wischen ihnen kein Wort gewechselt wurde. — Verth. Friedmann befragt den Zeugen über mehrere Umstände, bezüglich welcher Kohlmeyer angicbt, er könne sich nicht erinnern. Esther sei allein in den Laden getreten, doch habe Zeuge bei dieser Gelegenheit eine fremde Frau bcmerkt, die außerhalb des Ladens stehen blieb. Diese Frau war nicht ans TiSza-Eszlar. Eine halbe Stunde nach der Ent. fernung Esther'« habe er zu Mittag gegessen. — Staatsanwalt: Hat sich bei Ihnen Jeiuand um die Esther erkundigt? — Zeuge: Nein. — Staatsanwalt: Wann erkundigte mail sich das crstcmat bei Ihnen nach dem Mädchen? —Zeuge: Erst vier bis fünf Tage später fragte ein mir gegenüber wohnender Nachbar. — Staatsanwall -zur Frau Huri»: Warum sind Sie denn nicht nachfragen gegangen? — Huri: Weil Sophie Solymosi schon gesagt hatte, daß sie die Esther schon nach Hanse kommen gesehen habe. — Ans die ferneren Fragen des Verth. Friedmann führt Zeuge ans, daß er bei der Esther keine besondere Eilfertigkeit bemerkt habe und nur sah, daß sie die in Papier gewickelten Waarcn in ihr Tuch einschlug. Staatsanwalt überreicht den Bericht des Stadthauptmanues in Angelegenheit des angeblichen Attentats gegen Mari; Schars, wonach zwei Herren Montag Nachmittags wiederholl im Hofe der Schute neben dem KomitatSgebäude erschienen seien, die Mauer besichtigten mit» sich nach dem Lehrer, der den Mori; unterrichtete, erkundigten. Dies sei sehr auffällig gewesen, später habe einer der Herren auch seine Visitenkarte dort gelassen. Dieselbe lautet: Tot, Journalist. -Große Heiterkeit., — Friedmann loustatirt heute wieder, daß sich der Untersuchung«- richter Vary im Publikum befinde, so das; jeder vorübergehende Zeuge ihn sehen müsse. — Präsident läßt, ohne hieraus zu achten, die Zeugin Sophie Solymosi, Schwester der Esther, vorführen. Sie erzählt die Vorgänge des 1. April und sagt, sie sei ihrer Sck'westcr zwischen N und 12 Uhr Vormittags begcgnet, als diese zum Einkäufe ins Dorf ging. Nach dieser Begegnung trug sie von ihrem Dienstherrn Hermann Rosenbcrg Wein zürn Schächter Taub, wo ihr der Wein im Vor- Hanse abgenommen wurde. Sic hörte bei dieser Gelegenheit mehrere Stimmen in einer Unterhaltung ans Tanb'S Wohnung. Als sie den Wein abgegeben hatte, ging sie nach Hanse zu Rosenbcrg. Im Hansthorc sprach sie später ihre ans dem Dorf mit dem Einkäufe zurückkehrende Schwester das;weile Mat, daun begleitete sie ihre Schwester mit den Angen bis zur Mühle und sah sie nie mehr. Ans die Fragen des Staatsanwalt« dcponirt Sophie, daß ehre zweite Begegnung mit Esther nur sehr kurze Zeit gedauert habe. Esther trug in ein Tuch gewickelt ihren Einkauf in der Hand und sagte ihr, was sic gekauft habe. ES wird nun der Widerspruch konstatirt, daß die Zeugin bei ihrer ersten Vernehmung anssagte, daß das Tuch Esther'«, in welchem sie Farbe trug, gelb gewesen sei, während sie heute behaupte:, es sei von schwarzer Farbe und weiß geblümt gewesen. Während Sophie'« Vernehmung bemüht sich deren Mittler, mit ihrem eigenen Tuche anzudcnlen, wie Esther ihr Tuch gewickelt gehalten habe. Angeklagter Lustig bemerkt dies und bittet den Präsidenten um Abstellilng des Unfugs. — Präsident verbietet den anwesenden Zeugen, mit einander Zeichen zu wechseln oder sonst zu verkehren. Ans Befragen seilen« des Verth. Henmaun giebt Zeugin :veiler an, das; ihr Dicnstgcber, Rosenberg, allein ans dem Tenivel nach Hanse gekommen und daß kein fremder Schächter im Hanse abgesticgcn sei. Als sie den Wein zu Taub trug, hatte weder ihr Dicnstgcber noch sic zu Mittag gegessen, was gewöhnlich um 12 Uhr zn geschehen pflegte. Die Tochter ihres DicnstgebcrS habe sic gefragt, warum die Esther traurig sei. Es pflegte häufig vorznkommen, daß das Samstagsessen de« Eszlarer Schächters schon am Freilag bei Noscnbcrg war und von hier durch einen Dienstboten zu Taub getragen wurde. Am 1. April habe das Essen nicht die Zeugin zu Taub ge׳ tragen und sie sei der Rosa Fencrmann bei ihrer Rückkehr von Noscnbcrg nicht begegnet. Aus Befragen Fricdmann's dcponirt die Zeugin, daß sie mit ihren: Dicnstgcber gleichzeitig zu Mittag aß, an jenem Tage waren Gerstel 'und Samstagsspcise zum Mittagsessen, welches erst genossen wurde, als Zeugin den Wein zu Taub hingetragen hatte. Zeugin sei der Esther nach dem