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Jeschurun · 1883-07-05 · Heft 27 (5.7.1883) · p. 427

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 27 (5.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-05
Page
427 (sequence 3)
Language
German
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427 loch geschaut hast? — Mori;: Es war vielleicht auch eine Stunde lang. — Di*. Friedmaun: Sage mir, wann hast du bei RecSky das Protokoll unterschrieben? — Mori;: Noch am selben Abende. — Dr. Friedmann: Um wie viel Uhr? — Mori;: 18ז war Mitternacht. — Dr. Friedmann: Hat man dich aufgeweckt? — Mori;: Nein. — I3r. Friedmaun: Und;um;weiten Protokoll? — Mori;: Da wurde ich geweckt. — Dr. Friedmann: Wenn mit dir jetzt Jemand konsrontirt werden würde, dem du in letzter Zeit gesagt hast, daß Alles, was du vor Gericht ausgrsagt hast, nicht wahr sei? — Mori;: Das ist nicht inöglich. Verth. Szekely: Sagen Sie mir, Mori;, wer hat die Esther auSgeklcidet? — Mori;: Der Bettler. — Szelclp: Woher wissen Sie das? Wie Sie beim Schlüsselloch hineingcschen haben, war die Esther schon entkleidet? — Mori;: Der Bettler legte eben damals deren Kleider auf den Tisch. Verth. Heumann: Sage mir, Knabe, war Taub damals im Tempel anwesend? - Mori;: Nein. — Hmmann: Hat man je diese Frage an dich gerichtet? — Moriz: Ja. Heu« mann: Und du hast sic ebenfalls so beantwortet? — Mori;: Ja. — Heumaun: Warst dlt au jenem Tage bei eurer Nachbarin Batori? — Morr;: Nein. — Heumann ׳. Man wird dir das Gcgeuthcil beweisen. Sage mir, warum haben die Juden die Esther ermordet? — Mori;: Vielleicht ist eS in ihren Gesetzen. — Präsident: Woher vcrmuthcst du das? - Heumann: Hat man dir das gesagt? — Mori;: Auch mir. — Heumann: Direkt dir? Wer denn? — Mori;: Viele, auch große Geistliche. — Heumaun: Was für Geistliche? — Mori;: Auch katholische Geistliche. — Heu mann: Wer sind diese Geistlichen? — Mori;: Ich weiß nicht. Mir haben eS Andere cr;ählt. Verth. Funlak ׳.große Unruhe): Ich bitte, ich will nur eine Frage stellen. Sage, Mori;, erinnerst du dich, wie das Blut aus der Halswunde geflossen? Dünn oder dick, langsam oder schnell? -- Mori;: Es ist ganz dünn und langsam ge« flössen. — Funtak: Ich mache dich aufmerksam, daß du da etwas sehr Unwahrscheinliches behauptest, denn das Blut spritzt, wenn auch nur eine Ader am Halse dnrchgcschnittcn wird, wie.du ja auch beim Geflügel gesehen, im Bogen und plötzlich, sehr rasch, aus der Schnittwunde. — Mori;: Ich habe es nur langsam fließen gesehen. Lalomon Schwär; tritt vor und bittet, an den Knaben eine Frage richten;u dürfen. (Zu Mori;׳: Wer hat das Blut aufgesangen? — Mori;: Sie. — Schivar;: Und wer hat den Schnitr-^gesührt? — -Mori;: ׳-Lie. — Schwär;: So? Ich konnte den Hals durchschneiden und dabei auch das Blur ausfangen? — Ni ori;: Sie haben das Messer weggelcgt. — Schwarz: Wie konntest du scheu, wer geschnitten hat, wenn die Leute vorgestandcn sind? - Präs.: Nach seiner Aussage sind damals dort nur drei Personen anwesend gewesen. Der Staatsanwalt ersucht um Vorladung des Panduren Ignaz Bako, mit dem Mori;;um erstcumale;u NceSty nach N.rgrssaln gefahren ist, ferner des Daniel Bareza, der Aufklärungcn geben soll, was daran wahr sei, daß Mori; während seines Auscnthalkcs im Komitatshause angeblich gesagt habe, seine Aussage beim Untersuchungsrichter sei nicht wahr. — Ouody ruft aus dem Publikum: Gin sauberer StaatSanivalt das! — Verth. Friedmaun ersucht den Präsidenten, er möge den Knaben nochmals aufmerksam machen, daß er nichts;11 fürchten habe, wenn er auch anders als bisher aussagt. — Präs.: Fürchtest du, Mori;, daß dir etwas geschieht, wenn du anders anssagst? — Mori;: Nein. — Dr. Friedmann bittet auch, den Knaben der Obhut irgend einer dritten Person zu übergeben-, denn so lange er bei seinem jetzigen Hüter bleibe, sei nicht;n erwarten, daß man seinen Anssagcu Glauben beimessen wird; denn dort hat man ihn gelehrt, Vater und Mutter;u hassen, und giebt ihm überhaupt keine sittliche Gr;iehung. (Unruhe und Murren im Publikum.) Präs.: Mori;, hast du deiner Mutter einmal ein Messer nachgcworfen? — Mori; - Ja, ich war damals sehr zornig, aber das ist schon lange, mehr als zwei Jahre. — Präs.: Hast du auch gesehen, daß sic verwundet wurde, und daß Blut ans der Wunde geflossen? Hattest du lein Neucgesühl? — Mori;: Nein. Ich war sehr erbost. — Verth. Heumaun ersucht um Zitirnng mehrerer Zeugen, darunter einiger Dicnsllcntc Rccskp'S, die darüber vernommen werden sollen, was in jener Nacht, als Mori; das Geständnis; machte, dort geschah. — Hiermit wird die Verhandlung auf morgen vertagt. Die Verhandlung am 2!. Juni wird um 0 Uhr eröffnet. Zunächst wird verhört die Zeugin Frau Solymosi, welche auf Veranlassung des Staatsanwalts erzählt, Esther habe zuerst bei Frau Olajos gedient, sei dann im Januar oder Februar 1882;u Hause gewesen und habe leichte Arbeiten im Hause verrichtet, dann sei sie bei Frau Huri cingestanden für 15 Gulden und ein Paar Stiesel bis Januar. Die Zeugin berichtet ferner, wie und wo sic ihre verschwundene Tochter gesucht. Au! Befragen des Präsidenten antwortet die Zeugin, die Fußzehen ihrer Tochter seien auseinander gestanden. Dann erhebt sich der Berlhcidiger Götvös und spricht mit warmen Worten zur Zeugin, die ans seine Fragen ihre Fahrt zu einer weisen Frau erzählt, wo sie das Schiüsal Esther'- erfahren wollte, und wie die Juden sic daran gehindert. Ferner, daß ihr Gott cingcgcbcn, die Juden hätten ihre Tochter vernichtet. Sie habe das nicht geträumt. — Götvös: Ihr Schicksal hat überall im Lande Mitleid erweckt, man hat Geld für Sie gesammelt in der ״Augsb. Allgemeinen" — Sie kennen das Blatt nicht. (Heiterkeit.- Bis jetzt sind in Deutschland 6000 Thaler gesammelt und Ihnen;irgcscksickt worden. — Zeugin: Ich weiß nichts davon. Ich verstehe Sie nicht, ich habe nie und von Niemandem Geld erhalten. — Götvös: Gott hat Ihnen scharfen Verstand gegeben, Sie wissen, wie schwer der Mord bestraft wird, aber Sie wissen auch, daß eS schon geschah, daß Unschuldige unter falschem Vcrdachte litten und selbst Richter getäuscht wurden. Ich bitte Sie darum, wohl zu bedenken, und wenn Sie vielleicht Zweifel haben bezüglich der Art des Vcrschiviudcns Gsther's.— Zeugin (kopfschüttelnd!: Ich habe leinen Zweifel. Zeugin erzählt dann, wie traurig damals ihre Lage war, ihr ältester. Sohn war gestorben, sie sei mit sechs Kindern zurückgeblieben, darum war auch Esther traurigen Gemüthcs, doch Hane sie gewiß keine TodcSgedauken, sic war bei Frau Huri zufrieden. Aus die Bemerkung Götvös, eine Frau im Dorfe habe gesagt, Esther sei zu Falle gekommen und habe die Schande nicht überleben wollen, antwortet die Zeugin gekrault, es sei dies unwahr und unmöglich. Der Präsident verwahrt sich dagegen, daß die Guten verschiedener Zeitungen hier vorgcbracht werden und verbittet sich Seitens der Benheidigung, deren Rechte er nicht rinschränken will, Morallehrcn an Zeugen zu richten. — Friedmann: Wissen Sic die Heiligkeit des Eides und daß Sie auch in Angelegenheit gegen Inden nur aus Wahrheit schwören dürfen. — Sotymosi. Ich bin ja nicht so dumm, das nicht zu wissen. — Präs.: Hat Schars die Esther gekannt? — Soly״ mosi: Ohne Zweifel, früher haben die Scharss in unserer Nähe gewohnt. — Schars: Ich versichere, sie absolut nicht gekannt zu haben, tvenn ich sic auch oft gesehen haben sollte, habe ich gewiß nie gefragt, wie sie heiße und wessen Tochter sie sei. — Eö folgt nunmehr die Vernehmung der Zeugin Frau Huri, die Dieusigcberiu Esthers, »velchc nichts Neues vorbringl, Sie erzählt umständlich das Suchen der Esther; als Kind habe sie sich nicht gefürchtet, seit Langem aber fürchte sic sich entsetzlich vor Leichen, und deshalb habe sie sich um keinen Preis getraut, die Dardaer Leiche anzuschen. Sic wäre angesichts der Leiche und des großen Publikums znsammengeslürzt. — Bei einer Fragestellung des Staatsanwalts entsteht eine scharfe Kontro-

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