Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-07-05
- Page
- 426 (sequence 2)
- Language
- German
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426 haben die Esther gehalten, und der eine hat ihr, nachdem ihr ׳"iund mit einem Tuche verbunden war, den Hals abgeschnitten. — Staatsanwalt: Wohin ist das Blut geflossen? — Moriz: ף" Tin (Scfafj. — Staatsanwalt: Wie wurde das Blut anfgcflaugen^ — Alloriz: Sie legten den Leichnam ans den Bauch, bcr’&opf wurde ausgehoben, die Füge auf die Erde gelassen. — Staatsanwalt: H.u sie damals einer der Männer gehalten'-? — Morr;: 2a. — -Staatsanwalt: Warum gingst du nicht zu dem zwei Schrine entfernten Fenster, wenn du so neugierig warst? - Moriz: Ich wollte nichts versäumen. — Staats, auivalt: Hast du dich nicht vor deut Leichnam gefürchtet? — iUtouij: )?ein. — Staatsanwalt: Warum hieltest du Nachmittags, nachdem dll wieder in den Tempel gekommen, nicht Umschau, tvo die Leiche und das Blut hingekommen, wenn du so neugierig bist? — Moriz: Daran habe ich gar nicht gedacht.— Staatsanwalt: Als die Männer weggingen, bemerktest du nichts in ihren Händen? — Mori; schweigt. — Staatsanwalt: 'Waren ihre.Hände nicht blutig? — Mori; schweigt. — Staatsanwalt: Wo hätten sie sich waschen können? — Äori; schweigt. — Staatsanwalt: 220 sollten die Gefaste hingekommen sein, in die das 2Mnt geschüttet worden? — Mori; schweigt. — Staatsauwalt: Wohin wurde der Leichnam geschasst?— Mori;: Das weist ich nicht. — Mori; erzählt weiter, er sei mit dem Ko inmissär Nccsly und den! Panduren 3gna; Balo nach Nagysalu gefahren. Der Staatsanwalt erklärt, er behalte sich seine weiteren Fragen für einen späteren Zeitpunkt vor. Angeklagter Burbaum ersucht, er möchte eine Frage stellen. — Präsident: Fragen Sie. — Burbaum in deutscher Sprache : Zu tvelchem Zwecke hat mau eigentlich daS ).Mädchen in den Tempel gerufen? — Mori;: Ich spreche nicht Deutsch, nur Ungarisch. — Scharf: Du verstehst schon gau; gut, wenn du willst. — Mori;: Ich weist nur Ungarisch. — Scharf: So? Rede nur deutsch, du Lump! — Präs.: Heine Beleidigungen. Ich werde die deutsch gestellten Fragen nngarisch wiederholen. Biixbanin Zn deutscher Sprache): Wozu hat man das Mädchen hiiieingcrnsen? — Mori;: Man hat ihr gesagt, man wolle einen Gegenstand nach Hanse tragen lassen. — Bnrbanm und Schars zugleich: Für wen. und was für einen Gegenstand? — Bnrbanm;11 Schars-: Lassen Sie mich allein reden. — ,Schars: Lassen Sie mich, ich rede auch für Sie (;n seinem Sohne sortfahrend): wer war da, der etwas holen lassen wollte? — Mori;: DaS weist ich nicht. — Bnrbanm: Erinnerst du dreh, wie das Messer ansgesehen hat? — Mori;: Ein Schächtermesser. Die Airgellagtu. schlagen die Hände zusammen und schreien entsetzt ans.) — Weiststein: Ein Schächtcrnicsser entweihen Abraham Braun: Mori;, sag' mir nur Eines: Was für Augen hat die Esther gehabt? — Mori;: Solche, wie ihre Schwester. — Eötvös: Was für Augen hat aber die Schwester gehabt? — Mori; schweigt. — Braun: Was für Augen hat die Schwester gehabt? — Mori;: Sie haben zu schweigen! — Scharf: Sage mir nur, hast du während der ganzen Zeit nie Sehnsucht gehabt, mich;n sehen? Ich habe dich wahrlich wiederholt sehen wollen! — Mori;: Nein. — Schars: Schön von dir! Du willst also auch in Zukunft nichts von mir wissen? — Mori;: Nein. — Schars: Wer wird aber für dich sorgen? — Mori;: Man wird mich schon versorgen. — Schars: Aber wer denn? — Mori;: Das Kgl. ungarische Ministerinin des Innern. > Sensation. > — Scharf: Das meistt du auch? — Moriz: Ihnen mußte man das nicht sagen! — Scharf: Mit mir sprichst du per ..Sie"? — Mori;: Soll ich Sie vielleicht einen gnädigen Herrn heißen? — Schars: Du weistl dich deinem Vater gegenüber sehr schön anS;ndrücken. — Mori;: Wozu fragen Lie mich, wenn Sie sich einen Lertheidiger genommen haben? — Scharf i sich niedcrsetzend): Ich möchte mich auch . wirklich lieber selbst vertheidigen. Angeklagter Lustig: Mori;, ist eS wahr, daß du gesagt hättest, daß du kein Jude mehr sein willst, und daß du dich um deine Glaubensgenossen nicht bekümmerst? — Moriz: Ich will kein Jude sein (Sensation!, will von euch nichts wissen.— Lustig: DaS ist traurig. Hat man dich bei NecSkh nicht geschlagen? — Mori;: )?ein. Man kann ihn herrnfen und auch den Panduren, sie werden der Wahrheit gemäß anssagen. — Joseph Schars (einsallend): Du Esel, die werden daS hier aussagen! Eötvös: Du Moriz, kennst du die Elisabeth SooS? — Moriz: Ja. — Eötvös: Die SooS erzählte, daß du und dein vierjähriger Bruder Samuel beim Abschlachten der Esther zu׳ gegen gewesen, und daß du ihr dabei die Hände gehalten hast. Ist das wahr? — Mori;: Nein. — Eötvös: Sie hat das nicht gesehen — Mori;!,,entfallend): Dann soll sie das Maul ha):-n. — Eötvös: Da hast du Necht-, aber höre, mein Kind, von nnin sie das gehört: von ke:ne׳n Andern als von deinem fleiiu ז Bruder Samuel, der eS ihr genau erzählte, und als später der Untersuchungsrichter, der hochansehnliche Vice-Notät Herr Jeserck Bary, mit ihm ein Protokoll ausgenommen — du kennst dock diesen Herrn, kennst ihn vielleicht recht gut? — Mori;: Ja.״ EölvöS: Nlin denn, damals bei Aufnahme des Protokolls b:, der kleine Samuel, dein Bruder, gesagt, beim Äbschlachten war.:: du und er dabei gewesen und du hättest den Kops gehalten. - Mori;: Vorher haben Sie die Hand erwähnt und jetzt d.! Kops. — EötvöS: Ja. das sagte die ErSzö aus, und das w. r tvieder bei Aufnahme des Protokolls. — Mori;: Das ist Alles nicht wahr; ich war selbst dabei, der Knabe hat daS gar nick! gesagt. — Eötvös: Du kannst daS mir und dem Herrn v. Barn schon glauben, er hat niedergeschrieben. waS dein Bruder ausgesagt hat. — Mori;: DaS ist nicht möglich, - er hat es auch anders gesagt. UebrigenS wußte das kleine .Kind nicht, was es spricht.^ Eötvös: Sage mir, mein Sohn, woher weißt denn du, daß daS Ministerium des Innern dich erhält und für diel! sorgen wird? — Moriz schweigt einige Zeit und sagt dann: Ich weist eS. — Eötvös: Aber woher? Hat dir das Jemand gesagt. — Moriz: Ich habe später Zeit gehabt und habe eS im Archiv nachgelesen, wo ich die 'Acten gefunden habe. — EölvöS: Wurde das Protokoll bei Neeskh vor dir angefertigt? — Mori;: Ja' - Eötvös: Und das zweite Protokoll? — Moriz: Das wurde aus ein anderes Papier geschrieben. — Verth. Eötvös behält sieh weitere Fragen für einen spälern Zeitpunkt vor. Fricdmann stellt eine größere Anzahl Fragen an den Knaben, wie der Knabe den Vormittag auSgcsüllt, bei welchem Fenster er der kommenden Esther entgegengesehen habe, ob Vorhänge bei den Fenstern waren'und ob er in Folge Aufforderung seines Vaters die Esther ins Hans rief. — Mori; beantwortet die letzte Frage mit ״Ja", worauf Joseph Scharf aufstcht und fragt: ״Wann? Wozu?" — Mori;: Schweigen Sie! Wozu ist denn Ihr Advokat da? — Friedmann: Warst du auch Freitag 'Abends im Tempel? — Mori;: 'Nein! — Schars (erregt ausstehend',: Er lügt, er war mir, Braun war Vorbeter. — Friedmann: Hast du Vormittags beim Gottesdienst keine Gesäße im Tempel gesehen? — Mori;: Nein. — Friedmann: Woher hak der kleine Samuel die Geschichte gewußt? — Moriz: Wahrschcinlich hat er sie von mir gehört. — Friedmann: Du hast ja bei Nosenberg selbst Klage darüber geführt, welche Dummhciten man dem Knaben anlerne. — Moriz: Damals wollte ich nichts sagen. D1\ Friedmann: Als Wollner hereinkam und dir anbefahl, du mögest den Tempel;»sperren, warst du nach dem Geschehcnen gar nicht neugierig, zu sehen, wohin die Leiche und das Gesäß mit dem Blute gekommen seien? — Moriz: Nein. (Bewegung.) — Dr. Friedmann: Trotz deiner früheren Neugierde, wo du doch 3/4 Stunden ununterbrochen durch'S Schlüssel׳