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Jeschurun · 1883-07-05 · Heft 27 (5.7.1883) · p. 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 27 (5.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-05
Page
425 (sequence 1)
Language
German
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J6 27. Jeschurnn. 425 TicVcrhaMmlg deSTiSza-Gszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyireghhaza. (Fortsetzung der Sitzung vom ־JÜ. Juni.) Präs, (unter lautloser Stille): Du kannst, wenn du willst, gegen deinen Vater aussagen. — Moriz Schars: Wenn man mich fragt, sage ich aus. — Präs.: Du mutzt erklären, ob du von selbst anssagen willst. — Mori;: Nein. — Dr. Friedinatm: Das wäre jci3t schon unzulässig. Im S'mue des Straf-- Verfahrens mutz der Zeuge, wenn er einmal Aussagen gegen seinen Vater gemacht hat, über Alles, was er weiß, aussagen und darf auch im Sinuc des Eides nichts verschweigen, Zeuge kann jetzt von diesem Nechte nicht mehr Gebrauch machen. -- Staatsanwalt: Zeuge hat auch gestern erklärt, er wolle gegen seinen Vater aussagen. — Präs, ( jn Mori;): Ich habe nur meine gestrige Frage wiederholt und fordere dich jetzt aus, in Allem und über Alles die Wahrheit zu sagen und nichts zu vcrschweigen. Hat dich dein Vater immer gut behandelt? — Zeuge : Nicht sehr gut, besonders die Stiefmutter nicht. — Präs.: Wenn du bestraft wurdest, hast du dir nicht vorgcnommcn, dich zu rächen? — Zeuge: Ich war erzürnt. Zeuge trägt dann wieder seine Erzählung über die Vorgänge am Sonnabend vor und sagt unter Andern!, sein Vater habe ihm befohlen, jenes Mädchen, welches eilends den Weg einherkommt, hereiuzurufeu. 9tim folgt unter beklemmender Stille und Aufregung die Konfroutim tu] mit Joseph Scharf. Vater und Sohn stehen einander gegenüber. Joseph Scharf: Hierher blicke aus mich, du . . . — Präsident untersagt Scharf jede Beleidigung des Knaben. — ' Verth. Eölvös erinnert, daß aus Grund des Gesetzes jeder Augeklagte, umsomehr der Vater, berechtigt ist, an den Zeugen Fragen zu stellen. — Präs,!zu Schars): Ich begreife, daß Sic aufgcregt sind, ermahne Sie jedoch, sich anständig vor Ihren Nichten! zu benehmen und den Zeugen nicht zu beleidigen. — Joseph Scharf (zu Mori;:: Kennst du mich? — Mori;: Ja — Scharf: Wer bin ich? — Moriz: Nt ein Vater. — Scharf: Weiß: du, tvie das fünfte Gebot lautet? — Präsident glaubt nicht, daß dies zur Sache gehöre. — Vertheidiger und Publikum erheben sich: es ertönen Nusc: Neoen lassen. Aller Anwesenden bemächtigt sich eine fieberhafte Aufregung. — Der Präsident Winkl nun Scharf, tveiter zu fragen; da erhebt sich der Vertrete!׳ der Privatklägerin Solpmosi und spricht den Gerichtshof mit lauter Stimme au, über welche Störung sich besonders am Verlheidigerlischc die größte Entrüstung kitndgiebt. Die Vertheidiger nnb Staatsanwalt prolestiren gegen die Anhörung deö Privatklägers, dem sodann der Präsident das Sprechen untersagt. (Große Bewegung.) — Scharf (zu Mori;): Also, du hast die zehn Gebote nicht vergessen; wie tautet denn das fünfte Gebot? — Moriz: Du sollst den Namen Gottes ... — Scharf (unterbrechend): Du weißt cs nicht, es lautet: Du sollst Vater und Mutter ehren. -׳ Präs.: So werden wir nicht fertig, das sind ja überflüssige Fragen. — Scharf: O, ich werde nicht so bald fertig, ich habe ihn viel zu fragen, zwei Stunden laug; er ist ja mein Sohn. Präs.: Ich kann nicht gestatten, daß der Zeuge durch überflüssige Fragen geängstigl und gepeinigt werde, und soroere Moritz Scharf aus, furchtlos Alles zu sagen, was er weiß. — Scharf: Was hast du damals gesagt, als dich der Untersuchungsrichter zum ersten Male fragte? — Moriz: Ich habe gesagt, ich wisse nichts, tvcil Sie mir verboten haben, etwas von dem Kadaver zu sagen. — Scharf (entrüstet): Du lügst, schlechter Junge, du weißt ja nicht einmal, was Kadaver bcdeutet. — Mori;: O ja, cs ist ein Leichnam. — Scharf: Also wenn ich sage, es sei nicht wahr, was du anssagst, so lüge ich? — Moriz: Ja, Sic lügen. — Scharf (bitter-: Ich habe so viel für dich geleistet, dich in die Schule geschickt und dir das Essen nachgetragen; habe vierzig Gulden für dich auSgegcben. — Moriz: Ja, Sic haben mich aus der Schule genommen. — Scharf: Also du hast durch das Schlüsselloch die Esther abschlachten gesehen? Wo war denn ich damals? — Moriz: Im Zilnmer. — Schars: Die Sache hat ja lange gedauert, und ich soll nichts davon gehört haben? — Moriz: Ich weiß nicht. — Scharf: Nun, ich habe alle diese Sachen nicht sehen dürfen? — Moriz: Ich weiß nicht. — Schars: Beim Essen hast du mir die Geschichte erzählt? — Moriz: Ja. — Scharf: Du Lügner, habe ich eS nun um dich verdient, daß inan mich deiner Anssage wegen hier ans dem Marktplätze henkt? Sage, Moriz, dauern dich denn alle diele unschnldigen alten Leute da nicht, die durch deine falschen Aussagen an den Galgen gebracht werden? Dauert eS dich gar nicht, daß ich deine Geschwister seit vierzehn Monaten nicht gesehen habe? — Moriz: Sie werden sie schon sehen. — Schars: Woher weißt du das? — Moriz (die Augen niederschlagend und den Kopf wegwendend): Ich weiß es sehr genau, daß Ihnen nichts geschehen wird. — Scharf: Wer sagte dir das? — Moriz: Der Untersuchungsrichter hat mir immer gesagt, tncinen Eltern geschieht nichts. — Scharf: Aber daß ich seit dreizehn Monaten dcincthalbcn unschnldig eingcsperrt bin, dauert dich nicht? — Mori;: Dafür kann ich nichts, wozu hat man Leichen geschmuggelt. — Scharf: Das weißt du auch? — Mori;: Ja, ich habe eS gehört und auch gelesen. — Scharf: Woher haben sie die Gesäße in den Tempel gebracht? — Mori;: Das weiß ich nicht. — Scharf: Und die Esther befahl ich dir hereiuzurufeu? Wo war denn die Batori? — Moriz: Die hat mir auch heute gesagt, daß sie damals zu thun hatte. — Präsident und Schars zugleich: Heute? - Präsident: Wo hast du sie heute gesprochen? — Moriz: Sie hat heute mit mir im Hofe gesprochen. (Sensation.) — Eötvös: Sie. Joseph Scharf, sagen Sie aufrichtig, ob Ihr Sohn während des Mittagesieus die Geschichte erzähtte. -- Scharf: Er lügt, Alles erlogen. — Fnnlak: Moriz, hast du dich nicht gefürchtet, als du die Abschlachlnng mit angesehen? — Moriz: O nein, ich wollte;11 Ende sehen, waS geschieht. — Staatsanwalt ersucht, nachdem er gestern mit der Fragestellung begönne!!, möge ihm gestattet werden, seine Fragen sortzusetzeu. — Staatsanwalt: Moriz, komm' näher und antworte gewissenhaft auf meine Fragen. Der Knabe giebt nun auf eine große Anzahl Fragen des Staatsauwaltes folgende Antworten: Die Esther trug eit! blaues Tuch auf dem Kopf. Au die Hand gebunden trug sie eit! gelbes Tuch, in welchem Kupservitriol und dunkle Farbe gewesen. Er habe sie gefragt, was sie trage. Später habe er auch nachgesehen, nachdem sie damals drei bis vier Minuten im Zimmer gewesen und den Leuchter vom Tische weggcstellt habe,^da au jenem Tage die sogenannte ״Samsragsfrau", welche am Sab bat h sonst die häuslichen Verrichlnngen versah, die Frau Batori, nicht herüberkommen konnte. Der Staatsanwalt macht Moriz ausmerksam, er habe in der Untersuchung auSgesagt, er hätte die Frau Batori gerufen, und diese sei nicht gekommen. — Mori; bemerkt, eS sei tvirklich so gewesen. — Auf weitere Fragen des StaatSanwaltS deponirt Moriz, daß Christcinnädchen in den Tempel eintreten können. Er habe sich an das Schlüsselloch begeben, nachdem er drei- bis viermal den Nns gehört: ,.Menschen helfet!" — Staatsanwalt: Und dein Vater hat den Nus nicht gehört? — Moriz: Das weiß ich nicht. — Staatsanwalt: Erzähle genau, waS hast du durch das Schlüsselloch gesehen? — Mori;: Das habe ich schon wiederholt erzählt. — Präsident: DaS glaube ich auch; er hat schon gestern seine Ans'agc gemacht. — Staatsanwalt '$11 Moriz): Ich utache^dich ausmerksam, daß du mir, den! Vertreter des Kgl. Ober-Staatsanwalts, Alles zu sagen hast, was du weißt. (Zum Präsidenten): Ich stelle ohnedies nur thatsächliche Fragen. (Zn Moriz,: Nun erzähle weiter; was sahst du in jenem Momente, it! welchem du durch das Schlüsselloch geblickt? — Moriz: Zwei Juden

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