Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1883)
- Article
- Opposition muß sein!
- Date
- 1883-07-05
- Page
- 418 (sequence 2)
- Language
- German
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418 Zweckmäßige, das vollbracht, alles Nachtheilige, das abgewendet wird, auf Rechnung der eigenen energischen Initiative und der eigenen umsichtigen Durchführung setzen und;um Piedcstal der eigenen Größe verwenden kann, diese Ehrsucht ist es, die in dem Schooßc der jüdischen Gemeinden von je das größte Unheil geslistcr und den Herd der unseligsten Zerwürfnisse gebildet hat. Freilich dürfen!vir in einer Zeit, in der die schmäblichslc Verlästerung des IndenthnmS und die jämmerlichste Verkleinerung der Indenheit ihre Orgien feiert, in Hinblick ans das Parteitrcibcn in so vielen anderen Kreisen mit berechtigten! Stolze hinzufngen: nur die Ehrsucht, nie die Habsucht. Denn was der modernen germanischen, romanischen und slavischcn Jugend als Ideal antiker Tugend vorgcführt wird, daß nämlich in der guten Zeit des alten Routs alle Staatsämter nur Ehrenämter gewesen seien und ihrem Inhaber auch nicht den geringsten materiellen Bortheil direkt oder indirekt gebracht hätten, das gilt noch in den Kreisen des!nodernen ״geldgierigen Israel" bis ans den heutigen Tag. Immer war es nur die Sucht nach Ehre, nimmer nach!natericllem Nutzen, die die Brust auch der schlirnrnsten Agitatoren im Schoße des jüdischen Gcmeindclebens erfüllte. Wer auch immer Sieger blieb in den nicht selten erbitterten Kämpfen: das den heiligen Gesammtzwecken bestimmte, häufig gar nicht unbeträchtliche Gemcindevermogen blieb intakt und rein und nur seiner Bestimmung geweiht. Auch die Hände der ehrsüchtigsten Streber waren und blieben rein. In einer Zeit, in!velchcr, um von Anderem zu schweigen, B. in einer großen Nachbarrcpublik der Bestand eines Ministeriums davon abhängt,!vie viel einträgliche Acrntcr den Häuptern der einzelnen mächtigen Parteien eingcränmt werden, in einer Zeit, in welcher in der großen, freien, transatlantischen Republik noch iinmer Kümpfe bei der Präsidentenwahl mit so gewaltiger Erbitterung geführt werden, weil der siegenden Partei der goldene Preis sämmtlichcr lukrativer Aeutter winkt, dürfen wir cs wohl mit einigem Selbstbcwnßtsein aussprechen: für die jüdischen Parteiführer hat das Geld nie einen Reiz gehabt. Verzeihen Sie, wenn ich mich von dein eigentlichen Gegenstände, von dein ich sprechen wollte, so weit entfernt habe. Ich wollte ja eine kleine natnrgeschichtlichc Studie über die Merkmale, Lebens- und Ernährnngsweise der so verderblichen angeblich grundsätzlichen Oppositionen innerhalb der jüdischen Genicindcn versuchen, und beginne mit einer Glorifizirnng derselben. Es ist dies aber so natürlich. Man kann ja kaum ein politisches Blalt in die Hand nehmen, ohne durch die empörendsten Verdächtigungen sich angeregt zu fühlen, der Wahrheit die Ehre zu geben und der strengsten Wahrheit gemäß die sich selbst bei den beklagcnswerthesten Auswüchsen dem unbefangenen streng kritischen Blicke darbietenden Vichtseiten gewissenhaft zu verzeichnen. Und wollen Sie dies zugleich als einen Beweis meiner streng unparteilichen Objektivität im Sinne behalten, wenn Ihnen vielleicht im Folgenden das eine oder das andere Wort etwas scharf erscheinen sollte. Dieselben Ursachen erzeugen unter übrigens gleichen Verhältnissen stets dieselben Wirkungen, und deshalb giebt eS, was das Thun und Treiben der Menschen in seinem Wesen betrifft, nichts Neues unter der Sonne — die Wahrheit dieser Sätze tritt vielleicht nirgends klarer zu Tage, als bei dem Verhältnisse, welches wir hier betrachten wollen. Männer und Erscheinungsformen wechseln, Beweggründe, Ziele, Mittel und Methode bleiben ewig dieselben, gleichviel, ob es sich um die Opposition eines Korach gegen einen Mann Moses, oder um die eines Korach-Iüugers gegen eine im Geiste dieses Mannes Moses wirkende Persönlichkeit handelt. In der Geschichte unserer Väter in der Wüste, die in den Tagen dieser Wochen wieder vor unserem Gcistesauge vorüberzieht, treten alle Grundzüge des jüdischen Nationalkaraktcrs, die guten und die nicht guten, die Vicht- und die Schattenseiten, die erhabenen und die kleinlichen, in lebensvoller Natnrwahrhcit scharf ausgeprägt hervor. Unter diesen Zügen tritt nicht am wenigsten hervor der Unabhängigkeitssiun, der stets geneigt ist, sich gegen jede persönliche Autorität anfznlehnen, jener Sinn, der bei aller Begeistcrnngsfähigkeit für die Sache stets den fruchtbarsten Boden bietet für jedes Samenkorn des Mißtrauens gegen die Person der Führer, und der bei aller Befähigung znr höchsten Selbstlosigkeit und opferfreudigsten Hingebung einen ansgeprägten ' Individualismus und eine sehr ausgiebige Schätzung des Werthcs der eigenen Person an den Tag legt, der ferner mit aller Entzündbarkeit für geschickt gewählte Schlagwörter eine hohe Vorstellung von der eigenen Kompetenz zu vereinigen weiß, — kurz, der denkbar schneidendste Gegensatz zu williger Unterordnung unter irgend welche persönliche Autorität. Aus dem Materiale, welches jene Völker des Altcrthiuns lieferten, die als historische Staffage zum größeren Ruhme eines Einzigen willig ״mit ihren Leibern dieWahlstatt deckten," war und ist der jüdische Menschenschlag in seiner Uranlagc ganz entschieden nicht gebildet. Damit aber war für alle Zeiten allen Ehrsüchtigen, die Kreise eines solchen Volkes mißleiten wollten, das Progranlni gegeben mld der Arbeitö- und Feldzugsplan vorgezeichnet. Da gilt cs in kluger Berechnung jenen kleinen nationalen Schwächen den huldigenden Tribut der Anerkennung zu zollen. Da gilt es also zunächst, t