Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1883)
- Article
- Acher und seine Epigonen
- Date
- 1883-06-14
- Page
- 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933020-2953109--12774-2953163- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
370 Erfahrung der Geschichte hat uns gelehrt, .daß 'לפני ה, daß bevor Gott und Tein Gesetz in die Menschheit als Herrscher cinziehen, רוח גדולה והזק מפרק וזרים ומשבר סלעים ,רעש ואש Israel und die Menschheit für Gott und Sein Gesetz zu erobern haben; daß der gewaltige Hauch, der die Geschichte bewegt, die Berge, welche die Menschen von ihrem Herrn trennen, ebenen, und das Gestein, welches ihr Herz umschließt, zerschntetlern muß; daß die Unwetter die Nebel zu zertheilcn unb die Lust zu reinigen haben und das läuternde, leuchtende und erwärmende Feuer seine volle Wirksamkeit ausüben muß, bis קול דממה דקה, bis die Stimme des Vaters der Menschheit leis und innig den Weg zum Herzen seiner Kinder gefunden, uub in demselben der Wiederhall des Gehorsams ertönt. Wir wissen dieses und begreifen es, daß in dein kurzen Zeitraum von zweiunddreißig Jahrhunderten der Weg zur Sinaihöhc weder von Israel, noch von der Menschheit znrückgelegt worden ist, daß wir noch immer ״ מנגדin der Ferne" des Heiligthums lagern. Aber dennoch könnte uns die Ferne, in welcher wir uns in der Gegenwart noch befinden, eine zu große dünken, und namentlich dürfte uns die Wahrnehnmng befreutden, daß auch gerade unter denjenigen Männern, welche von dem Geiste der Thora sich durch langjähriges Studium derselben Hütten durchdringen lassen müssen, so viele dem Gesetze den Rücken wenden und Verächter des Jndenthtuns geworden sind, ja daß diese vielleicht an erster Stelle Diejenigen sind, welche den Verrat!) und Abfall in die Kreise des Volkes tragen und verbreiten. Doch auch schon in den Tagen einer weit entsernten Vergangenheit von etwa siebzchnhnndert Jahren tritt uns ein Name entgegen, welcher die Apostaten tlnserer Zeit an Größe weit überragt, und den gefeiertsten Männern an Geist und Kenntnissen ebenbürtig, ja ursprünglich zu den Gesetzeslehrern Israels zählend, einer der erbittertsten Feinde des Jndcuthnms gewesen ist. Elischa ben Abuja, später Ach er genannt, der Enke! Rabbi Jakobs, der Genosse Rabbi Aki ba's, der Lehrer Rabbi Müir'S, ist das klassische Vorbild aller Gesetzesverüchter; יודע רבונו ומתבוין ״ למרוד בוer kannte seinen Herrn und empörte sich mit allcr Absicht gegen ihn;" er hatte daö Gebot Gottes gelernt, er war von früher Jugend an bis zum reisen Alter vertraut geworden mit den?ehren und Gesetzen des JndenthnmS, er gehörte mit zu den Meistern der Thora und trat dennoch in bewußten Gegensatz zu derselben. Er verfolgte die Gesetzeslehrer; er ging in die Schulen uub predigte den Abfall. ״Was soll euch das Studittm des jüdischen Gesetzes?" sprach er zu der Jagend- -״eS hindert euch nur auf eurem Lebenspfade, hindert euch in eurem Berufe!" ״Was thut ihr hier in den Schulen und Lehrhäuscrn? Dieser soll Banmeister, jener soll Wirker werden, — geht doch eurem Lebenszwecke nach — das Judenthnm steht euch dabei überall im Wege." Und diese ״zeitgemäße" Rede Acher's fand auch Eiugaitg in das Genu'ith der Zuhörer; sie verließen die Stätten der Gotteslehrc und wendeten sich ihrem Broderwcrbe zu. — Ja, er ging in seinem Hasse gegen das Judenthum so weit, daß er es nicht verschmähte, die gesetzestreuen Juden bei der Regierung zu dcnunziren und bei der damaligen Judenverfolgung die ״Orthodoxen," welche am Sabbath nicht das Verbot des Hinaustragens vom Privatgebiete in das allgemeine Gebiet übertreten wollten, durch die römischen Machthaber z!tr Verletzung dieses Gesetzes zu zwingen. So sehen wir, wie Elischa ben Abuja schon vor siebzehnhnndert Jahren ganz im Sinne der Reform unseres Jahrhunderts ״anfklärend" wirkte. Er hatte zu den großen Männern gehört, deren kühner Geist bis an die äußersten Grenzen menschlicher Erkenntniß vordrang, Aber während der größere Rabbi Akiba, שיראת הס א ו קודמת לחכמתו, dessen reine, gottesfürchtige, sündenschencnde Gesinnung die Grundlage seiner Weisheit war, zu innncr tieferer Erkenntniß gelangte und sein großes reiches Leben in Gott durch den Märtyrertod besiegelte, gerieth Elischa zum Jrrthum und Abfall. Und dieses מינות führte ihn zum זנות, zur Unsittlichkeit. ״Weil ich das Jenseits cingebüßt habe, so will ich das diesseitige Leben genießen," sprach er, gab sich der Ausschweifung hin, und wurde der ״Acher", der Gegensatz von dem, der er bis dahin gewesen, ״ein Anderer." Der nach der höchsten Erkenntniß Strebende sank in den Pfuhl der Sinncslnst hinab; aus dem weisen Lehrer und Meister des Gesetzes ward ein Verächter und Feind der Lehre, der im Bunde mit den römischen Feinden die treuen Söhne seines Volks verfolgte. Die Urkunden berichten auch den Grund dieser traurigen Verirrung eines solchen bedeutenden Mannes, welcher zur Gottesleugnnug, Ausschweifung und Befeindung des Judenthums führte. Es wird erzählt, Acher habe eines Tages gesehen, wie ein Mann, dem Gesetze zuwider, den Mnttervoacl mit den Jungen aus einem Neste herausgcnommen, während bald darauf ein Anderer in genauer Befolgung der gesetzlichen Vorschrift den Mnttervogel freigclassen habe. Jener, der das Gebot: Du sollst den Muttervogel frei fliegen lassen, übertreten hatte, sei von dem Baume glücklich zur Erde gelangt, dieser aber, welcher das Gesetz getreulich erfüllt, sei beim Hinabstcigen von