Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Vom Dniepr
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 263 (sequence 3)
- Language
- German
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263 weine, — cs wird Dir gut th.׳m luib mir auch —! ich habe feine Dljränc, feine Klage — -- Gott! schwer ruhet Deine Hand auf uns!" Aber Nahe! hatte auch feine Thräne, feine Klage. Der Schrecken über ba^ furchtbare ließ das Blut in ihren Adern erstarren — ohnmächtig sauf sie ihrem Gatten in die Arme. Seit dieser Stunde war der Glanz ans den Augen der Eltern geschwunden; fein fächeln trat wieder auf ihre?ippen, bis nach fünfzehn Jahren aus den Augen ihres Großkindes ein Gruß vom Paradiese ihnen entgegen strahlte. In glücklicher Armuth lebte die Familie in dein Dorfe. Jussosski trug sein Seid auf Händen, und sie erwiderte die 1'iebc des Gatten in gleicher Innigkeit. Die Dorfschenke war ein Tempel ernster Gottesfurcht und reinster Menschenliebe; — gute Menschen, in Liebe verbunden, waren die Priester. Während Abraham seine Geschäfte in der Stadl zu erledigen bemüht war, gaben sich die beiden Frauen den häuslichen Beschäftigungen hin. (il)atum versah den Krug und die Erfordernisse auf dem kleinen Ackerstücke, welches zu der Hütte gehörte und Rahel wartete des Kindes. Ephraim saß in dem Stübchen und ״lernte." Im Lallfe des andern Tages brachten einzelne in das Dorf zurückkehrende Angehörige der kleinen Judengemeinde?rachrichten heim, welche die grauenhafte Verwirklichung jener seit Monden verbreiteten Gerüchte bekundeten. Die Zeit Ehmelriizky's war wiederum erstanden; — das Geschick der Juden dieses?andstriches war besiegelt. Pöbelhaitfeu durchzogen die Gegend undüberfielen die wehrlosen Juden. Deren Besitz wurde geraubt, deren Häuser niedergesengt; die ׳Männer gemartert und gemordet; die Frauen geschändet und erwürgt; ׳Kinder imö Säuglinge in bestialischer Wnth geschlachtet. Ja selbst an den Gräbern der Juden stillte die Hyänenlust ihre entfesselte Gier. Die Leichname, wurden auf־ gewühlt und Spott mit ihnen getrieben. Also war schon an drei Orten geschehen, und die. Behörden hatten ruhig die Horden walten faffen; — das Flehen der unglücklichen Juden um Schutz fand keine Erhörung; unter den Augen der Sicherheitsorgane vollzogen sich diese Greuel. -- In später nächtlicher Stunde versammelten sich die Juden des Dorfes zur Berathung. Wie sollten sie sich schützen, daß ihnen nicht das Loos der ׳Nachbarorte zu Theil werde? so fragten sie einander immer wieder und wieder. Und immer banger klang die Frage, und immer bleicher wurden die Waugen tlnd immer verzweiflungsvoller der Blick der Männer, welche für das Leben ihrer Weiber und Kinder nach Rettung umschauten und keine fanden. Es war unmöglich — das kleine Häuflein Inden vermochte nichts gegen den in übermächtiger Anzahl hereinbrechenden Feind, und die Ortseingesessenen würden statt Beistand zu leisten sich mit der 'Mordbrennerbande vereinigen, um der Juden Habe nicht Fremden zu überlassen, sondern für sich zu erbeuten. So sahen sie das gewisse Verderben und mußten ohnmächtig die Wogen der entsetzlichen Ereignisse über sich ergehen lassen. Es wurde schon lauge nichts nwhr gesprochen in dem Kreise der Aermslen - man hörte nur die schweren Athemzüge, die Seufzer der Verzweifelnden. Da unterbrach endlich Ephraim Lebedinow die unheimliche Stille. Er hatte sich von seinem Sitze erhoben und stimmte den Psalm 69 an: ״Hilf mir Gott -- denn Wasser sind bis zur Seele gedrungen — -׳" Leise und bebend rangen sich die Worte von des Greises Lippen, — aber sie fanden ihr Echo in den Herzen der Versammelten. ״Ich versinke in den Schlamm der Tiefe, der bodenlosen — —" antwortete ein Anderer, den Psalm ergänzend. Der Bann war gebrochen die Seele war auS ihrer Erstarrung erwacht. Die Männer hatten den Aufblick nach Oben )nieder gelernt und suchten Trost und Kraft, dein morgigen Tage eutgegenznharren. Laut klang das Flehen der Inden, welche das begonnene Gebet vereint zu Ende führten, durch die dunkle ׳Nacht — — ״Laßt uns hei.mfehren, Brüder", sprach Ephraim wiederum. Gottes heiliger Wille werde von uns in liebender Ergebung erfüllt! — Wir gleichen den Sterbeuden — bekennen!vir unsere Sünden — verzeihen!vir Einer dem Andern — rein und schuldlos wollen wir vor Gottes Herrlichkeit erscheinen mit Weib und Kind! — Sein Name sei gesegnet in alle Ewigkeit!" Die beiden Vorsteher der ״Ehewra-Kadischa" traten hin und sprachen die Gebete vor, mit welchen sie die letzten Arhemzüge der Verscheidenden zu gclcitcu pflegten. — Die Versammlung wiederholte die Worte und zerstreute sich geräuschlos in den Dorfgassen. — — — Was umhüllt die Staubwolke, welche dem Dorfe sich nähert? — Eine Schaar fröhlicher 'Menschen, die scherzend und jubelnd zum Tanze ziehen? —, — Wohl tönt Gesang aus ׳Mitten der Schaar, wohl schallt des Herzens unbändige Luft in lautem Jodeln zum Himmel; — aber wie lauten die Worte des SangS?? ״Unser Väterchen, der Kaiser, sehr seine .Kinder liebt Des Inden Geld und Gut gnädig er uns giebt!" ״Die Juden schlagen wir alle tobt, der Kai- (er hat'S befohlen,