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Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 264

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Vom Dniepr
Date
1883-04-19
Page
264 (sequence 4)
Language
German
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264 Wir schlachten Mann und Weib und Kind und brennen sie;u Kohlen." Und das Jauchzen und Jubeln? ׳Raubgier und bacchantische Brunst, vom Fusel bis zur Bestialität entstammt! Beehr denn zweihundert «Gesellen stürmen heran; — ihre Augen glühen in trunkener Wnth; — die Faust schlviugt die Lense und Hacke; — Raub und Mord ist dagelüste ihrer entfesselten Leidenschaft. ׳Alle Zucht und Ordnung hat ausgchört; die Organe der Gerechtigkeit dulden die zügelloseste Ausschreitung; der Orgie wird freier Laus verstattel. 'Bich! Bcenschcn, Tiger Haufen in dem Dorfe. Man reißt die zitternden Inden aus ihren Woh- -nungcu und entkleidet sie aus offener Gasse. Der frechsten Gier fallen die Frauen anheim, Nicht der Säugling an der Mutter Brust wird geschont — man schleudert die Kleinen in den Brand der lodernden Judenhäufer und sendet ihnen die geschändeten Mütter, die gebundenen Bäler hohnlachcnd nach. Noch steht eine jüdische Hütte, noch lebt eine jüdische Familie. Oie am äußersten Ende des Dorfes liegende Schenke Jussosski'S ist bis jetzt verschont geblieben. Dorthin wälzt sich das von der Blutarbeit zur neuen Trunklust anfgestaehelte Gesindel. Der seurige Stofs ist rasch verschlungen; im rasenden Taumel lechzt die Menge nach neuen Schlachtopfern. ״Wo ist die Judenbrut?" brüllt es ans heiseren,׳. Kehlen. AuS dem Verstecke schleppt man den greisen! Ephraim und sein Weib, Ehanna mit ihrem Knaben i hervor.; Die unglückliche Mutter steht um Schonung deS s Kindes. Das Thier der Wildniß hätte vor dem ent-; schlichen Tone der Mullerangst Mitleid empfunden; : — die menschlichen Bestien aber entreißen ihren Armen j das wimmernoe Kind ulld schlcuderil eS zu Boden, j daß sein Gehirn die Erde bedeckt.! Und auf die Blutlache ihres Sohnes wirft man ׳ die Mutter nieder, lim sie zu vergewaltigen.! In diesem Augenblicke fällt daS einzige Fenster klirrend nieder, ein Mann schwingt sich durch die Oefsuung. Mit wuchtigem Hiebe streckt er den Frechen zn Boden, welcher Hand an Ehanna gelegt. Es ist Abraham, der eben hcimkchrt. Er richtet sein Weib auf und stellt sich schützend; vor sie hin. Die Verzweiflung verleiht ihm Riesenstürke. | Aber was vermag er, der Einzelne, gegen die Menge? Unter den Axt hieben der wilden Meute, aus ' unzähligen Wunden blutend, hauchte er sein Leben aus! und in seinem Falle sinkt auch Hanna tödtlich getrosten , ihm zur Seite.! Prasselnd schlagen die Flammen zusammen; — | der m1tl)cnhc Hansen hat die Hütte an allen Seiten angezündet. Dichter-;Bauch erfüllt den Raum. Die Mörder eilen in's Freie, den alten Lebedinow und seine Frau mit sich schleifend. Sie zerren den Greis am Barte; — sie reißen der alten Frau die Ringe aus den Ohren und schicken sich an die beiden zu martern. ״Wir wollen sie braten!" ruft eine Stimme. Wieherndes Gelächter lohnt diesen Einfall. Ephraim und Nahet werden aneinander gebunden; Erdöl wird hcrbeigeschasfl und über sie ausgegossen. Da rollt eine Kalesche heran. Ein Herr steigt aus. ״Laßt ab von Eurem Verbrechen.'" donnert er dem tollen -Hansen entgegen. Sein Blick fällt aus die unglücklichen Gefesselten. Alles Blut weicht aus seinem Gesichte und mit dein Aufschrei: ״Vater! Mutter!" ist er an ihrer Seite. Vor der gebietenden Erscheinung des Herrn war die Rotte unwillkürlich zurückgewichen. Dieser Ruf gab ihr den Muth zurück. — ״Der Sohn! Der Sohn des Jndcnpacks!" ״Werst ihn mit den Alten in's Feuer!" ״In's Feuer der Junge niit den Alten!" So tönte cs wild durcheinander. ״Nehmt Euch in Acht!" schrie der Kutscher. ״Mein Herr ist der kaiserliche Regierungsrath Lebedinow!" Man hört nicht. — Die Wulh hatte die Leute taub gemacht. Ein Dutzend starker t^cfeilen ergreifen Vater, Mutter und Sohn und schleudern sie in den lodernden Brand. ״Vater! Mutter! Vergebung!" erschallt cS noch aus der Mitte der Flamme. — — Im sausenden Trabe jagte der.Kutscher die Pferde die Landstraße entlang. Die betrunkene Menge lagert vor dem Dorfe, zechend, schmausend, tosend, sich ergötzend an dem Scheine der brennenden Judcnhäuscr. ׳Roch glimmt das Feuer; — vor dem Dorfe ist es stiller geworden. Von den -Heldeuthaten des Tages und dem Branntwein ermüdet, schlafen die Mordbrenner im Freien während der milden Sommernacht. So trifft sic an! Morgen das Detachement Soldaten, welches aus der Stadt in Folge der Meldung des Kutschers herbeigeeilt kam. Widerstandslos lassen sie sich fesseln, um wegen Ermordung des kaiserlichen Negierungsraths Lcbedinow gerichtet zu werden. — — Für den an Inden geübten Mord giebt cS aber kein irdisches Tribunal. Er schreit zum himmlischen Richter empor: wie lange annoch? — — —

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