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Jeschurun · 1883-04-12 · Heft 15 (12.4.1883) · p. 226

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 15 (12.4.1883)
Article
Judenthum und Bibel auf der Anklagebank im Hause der Abgeordneten
Date
1883-04-12
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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226 mit scheinbar w llkürlicher Abwechselung zur Bezeichnung ein und desselben Wesens gebrauchte Worte stößt, sei dieses nun ein konkretes, eine Person oder Sache, oder ein abstraktes, eine Kraft, Macht, Potenz, im vorliegenden Falle Gott, so verlangen die ersten Elementarregeln einer gesunden, wissenschaftlichen Hermeneutik, daß er erstens durch Vergleich des Zusammenhangs, in welchem eine jede dieser Bezeichnungen vorkommt, dem Prinzipe auf die Spur zu kommen sucht, nach welchem in dem einen Falle diese, in dem andern Falle jene Bezeichnung gewählt sein möge. Ist ihm dieses in Beziehung auf eine größere Amzahl von Fällen geglückt, so hat er sich, um zur Erkenntnis der Bedeutung zu gelangen, zu fragen: unter welchem Gesichtspunkte, von welcher Leite wird also wohl daS in Frage stehende Wesen angeschaut worden sein, wenn cs dieser Reihe von Verhältnissen und Beziehungen gegenüber größtentheil durch diesen, einer anderen Reihe von Verhältnissen gegenüber durch jenen Ausdruck bezeichnet wird. Sodann wird er die Minderzahl der Fülle, bei denen das Prinzip versagt, die also eine Ausnahme bilden, darauf zu prüfen haben, ob nicht diese Ausnahme eine bloS scheinbare sei, ob sich nämlich nicht vielleicht Rüancirungen des Begriffes ergeben, die die Wahl gerade dieses, von einer oberflächlichen Betrachtung nicht erwarteten AuSdrnckes als eine wohl überlegte und voll beabsichtigte erscheinen lassen. Hand in Hand mit dieser Untersuchung hat er zweitens zu versuchen, sprachlich in den Sinn der verschiedenem Ausdrücke einzndriugen, um auch ans diesem Wege den Schlüssel zu ihrer wechselnden Anwendung zu ermitteln. Die auf beiden Wegen gewonnenen Ergebnisse sind sodann zu vergleichen und dienen zur gegenseitigen Ergänzung, Berichtigung, Kontrolle und bamit auch zur schließlicheu Probe auf die Nichtigkeit des Resultates. Erst wenn Alles stimmt und sämmtliche Stellen sich ungezwungen nach den getvouneneu Gesichtspunkten erklären lassen, wird der besonnene und gewissenhafte Forscher glauben, es sei ihm die wissenschaftliche vösung der Schwierigkeiten gelungen. So wird er einer jeden Urkunde, einem jeden Schriftwerke gegenüber verfahren, für dessen Verfasser er einen wenngleich schlsamen, aber doch vollsinnigcn und vernünftigen, die Sprache beherrschenden Menschen voraussetzt. So die wissenschaftliche Forschung. Das ist allerdings ein inühseliger Weg, der viel Geduld, viel Fleiß, unermüdliche Ausdauer und endlich noch jenen gewissen Funken erfordert, den alles Wissen und aller Fleiß nicht ersetzen kann, in erster Linie aber jene Liebe zur Wahrheit, die die Selbstverleugnung besitzt, über in langer Arbeit gewonnene und vielleicht auch durch Originalität blendende Resultate ruhig einen Strich zu machen, wenn sie die erwähnte Probe nicht bestehen. Daß dem gegenüber ein Verfahren, wie daS von uns im vorigen Artikel gezeichnete, welches rundweg erklärt, ein und derselbe Autor könne unmöglich verschiedene Bezeichnungen von Gott gebraucht haben und deshalb statt jeder wirklich wissenschaftlichen Forschung zu dem ungemein bequemen Ansknnftsmittel greift, für jede Bezeichnung einen besonderen Autor anzunehmeu, und sich nicht scheut, einzelne Kapitel, ja einzelne Verse zu diesem Bchufe auseinander zu reißen, je nachdem in ihnen der eine oder andere Gottesname vorkommt, ein jeder Hermeneutik geradezu Hohn sprechendes sei, dafür dürfte der Nachweis nach Obigen! wohl als erbracht gelten.- Daß aber selbst auf dem Standpunkt dieser die Göttlichkeit der Bibel leugnenden Forschung der wechselnde Gottesname, selbst bei vorhandenen anderen auffälligen Momenten, zu einem Prinzipe der Sonderung nach verschiedenen Verfassern daS absolut ungeeignetste sei, daS zeigt schon ein flüchtiger Blick in die Bibel. Da werden die beiden Namen einzeln uitb in Kombination gleichzeitig, offenbar je nach der Bedenluug wechselnd, in Stücken gebraucht, deren einheitlichen Ursprung auch der verblendetste Theilnngsfanatiker nicht anzweifeln kann. . Abgesehen von der überaus großen Anzahl schlagender Belegstellen ans den übrigen biblischen Büchern, namentlid) den Psalmen, sei hier nur eine aus der Genesis selbst angeführt. Kap. 26, V. 20 und 2l sagt Jakob: ,,Wenn Elokim mit mir sein und auf dem Wege, den ich gehe, mich beschützen wird und ich in Frieden heimkehre zu meinem Vaterhause: so soll Haschern mir Elokim sein!!" — Gehört nicht ein ganz erstaunlicher Mnth oder eine nicht minder erstaunliche Oberflächlichkcit dazu, angesichts einer solchen Stelle, zu der sich, tute gesagt, noch viele eben so schlagende hinzufügen ließen, allen Ernstes von einem Elokisten und einem Haschemistcn zu sprechen'?? Man vergegenwärtige sich doch den horribeln Unsinn eines solchen Dno's: in dein Vorsätze hören wir den ״Elokisten", dann füllt der ״Haschcmist" ein mit dem Subjekte des Nachsatzes, und der ״Elokist" wiederum liefert zu diesem Subjekte das Prädikat!! Denn zu dem Worte des ״Haschern- Elokisten" gehört dieses Kapitel offenbar nicht; denn Gott wird in ihm kein einziges Mal Haschem-Elokim, wohl aber 5 Mal Elokim und 4 Mal Haschen! genannt!*) *) Der Uebersicht halber führen wir ferner an: cS steht im 1. B. M. im Kap- 3: 8 mal Haschem. Elokim und 3 mal Elokim, Kap. 8: 2 mal (*., 2 mal Ha schein, Kap. 0: 8 mal E. und l mal H. und zivar in demselben Vers 23, in dem auch E. vorkommt und zwar Elokim als Opposition: ״Gesegnet sei Haschem, der Elokim Schems.״ Kap. 17: 6 mal E., 1 mal H., Kap. 10: 2 mal E. u. 1» mal H., Kap. 20: 4 mal E., I mal H., Kap. 2t: 8 mal E., 3 mal H., Kap. 22 in der Akeda 4 mal G.,

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