Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1883)
- Article
- Judenthum und Bibel auf der Anklagebank im Hause der Abgeordneten
- Date
- 1883-03-29
- Page
- 194 (sequence 2)
- Language
- German
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194 der Beständigkeit und Unwandelbarkeit dieser Ordnung i bas allmächtige Fortwirkcn des bei der Schöpfung \ gesprochenen Schöpfcr-Wcrde. j ׳Aber — höre ich mir entgegnen — erzählt nicht J die Bibel auch von dem Eingreifen Gottes in den Gang! der natürlichen Ordnung oder wollen Sie sich.etwa! hinter das Spinngewebe jämmerlicher rationalistischer! Wnndererklärnngcn flüchten, die auch nicht der oberj slächlickisten Prüfung Stand halten'? Sicher nicht. Aber! es gehört eben die ganze unglaubliche Oberflächlichkeit! dazu, die für die Betrachtung und Behandlung der; Bibel in gewissen Kreisen leider traditionell geworden > ist, um zwischen der Thatsache der Gesetzmäßigkeit in! der ׳Natur und jenen von der Bibel gelehrten Offen׳! barnngsthaten Gottes, die man in nicht eben glücklicher; und zntressendcr Uebcrsctzung als ״Wunder" bezeichnet, j einen Widerspruch zu konslruiren. Das vollendete! Gegentheil ist die Wahrheit. Nicht einen Widerspruch,! sondern die unerläßliche Boransjctzung zu den ״Wundern" bildet das Vorhandensein der Erkenntniß! von der Gesetzmäßigkeit der ׳Natur. Einer Anschauung, die die Gcsctzmäßigleit leugnete und alle Vorgänge in der Natur auf Willkürakte des Schöpfers zurückführtc, wäre der Begriff des ״Wunders" geradezu 111111töglidj, weil er vollständig inhaltlos wäre. Wo keine Regel ist, giebt es auch keine Ausnahme, die Slatuirung einer Ausnahme setzt mit Nothwcndigkeit das Bewußtsein von einer Regel voraus. Einer unbefangenen Betrachtung der Bibel stellen sich vielmehr die ״Wunder" als dasjenige dar, als was sic in der Thora bezeichnet werden, nämlich als אותות, THatsachen, die eine Erkenntniß, in diesent Falle die Erkenntniß Gottes als allmächtigen Herrn und Gebieter der Natur, vermitteln sollen und בדפתיש, Belehrnngslhaten, denen nach der Wortbedeutung das charaktcrislische Alertmal zukommt, daß sie ihrer Natur nach sich Beachtung erzwingen. So bei den Offenbarnngsthaten, die die Erlösung Israels begleiteten. In einer gesunkenen Menschheit war über der Gesetzmäßigleit in der Statur der Gedanke an den Gesetzgeber, über der llnwandclbarkeit des Kreislaufes der Erscheinungen die ursprüngliche Offenbarung von dem freien allmächtige! Herrn der Welt und des Menschen gänzlich verdunkelt worden. In dem Augenblicke, als Gott sich ein Volk als Herold an die Menschheit znin Träger seiner Lehre von dem freien Gott und dem zur freien Pslichtthat berufenen Menschen schassen wollte, galt es, die Thatsache von diesen! freien Gott und von der Idcniität dieses sein Pflichtgebot an den Menschen anssprcchenden Gottes!nit den! Gesetzgeber und Herrn der Natur durch eine Reihe von überzeugenden Thatsache!! für Israel und dieGesainmtnicnschhcit festzustellcn. Durch diese, im Gegensätze zu anderen Wundern, von einem ganzen Volke erlebten Thatsache!! der freien Herrschast des Gesetzgebers über die von ihm gesetzten Gesetze, sollte gerade die Wahrheit seinem Volke nnd durch dasselbe der ganzen Menschheit zum unverlierbaren geistigen nnd sittlichen Eigenthum gemacht werden, daß die Gesetzinäßigkeit und Ordnung in der Natur nichts als die fortdauernde Wirkung des bei der Schöpfung ausgesprochenen Willens des Schöpfers und Gesetzgebers sei, der soinit in den! ״gewöhnlichen" normalen Kreislaufe der Erscheinungen sich nicht minder, ja noch herrlicher offenbare, als in den zur Belehrung der Menschen gewirkten ״Wundern." Also die Thatsache. daß cs über der von unS so genannten Natnrnothwendigkeit einen freien allinächtigen Gott gebe, der sie anfheben könne, sobald eS ihm beliebt, steht zu der Thatsache eben dieser Gesetzinäßigkeit in feiner Weise in! Widerspruche. Allein wir haben noch einen Schritt weiter zu gehen. Auf die Gefahr hin, Verächtern des Jndenthnnis selbst noch weiteres ״Belastungsmatcrial" zu liefern, müssen wir der Wahrheit die Ehre geben und cs anssprechen: die Bibel und das Indenthum lehren nicht nur die Gesetzinäßigkeit in der ׳Natur, sondern sie lehren gleichzeitig auch die Wahrheit, daß die Leitung dieser natürlichen Ent-!vickelnngen für die Erziehnngszwecke, welche die göttliche Vorsehung für Einzelne wie für die Gesammtheit im Auge hat, in Gottes Händen liegt. Daß Gott in nicht höheren! Grade durch offenbares Eingreifen in die Natnrordnnng als dnrch die Leitung derselben seinen Willen ausführe und die Menschen für seine Ziele erziehe, das lehren allerdings Bibel nnd Indenthnm. Allein nur blinde Voreingenommenheit und dadurch erzeugte seichteste Oberflächlichkeit kann in der Benutzung der Naiurordnung von Seiten des Schöpfers eine Störung eben dieser Ordnung und in der Leitung der den Kräften gegebenen Gesetze eine Verneinung oder Aufhebung eben dieser Gesetze erblicken. Denn daß Freiheit, ja Willkür in der Benutzung der gegebenen Naturgesetze und in der Leitung der Kräfte zu gänzlich außerhalb derselben liegenden Zwecken gleichfalls keinen Gegel!satz zu der Thatsache der Gesetzn!äßigkeit der Natur bilde, dieselbe vielmehr zur noth« wendigen Voraussetzung habe, das dürfte doch in dem Jahrhundert keines besonderen Nachweises bedürfen, dessen Stolz die Fortschritte der Technik nnd die AnS- Nutzung der Narnrkrüjtc in! Dienste des Menschen bilden. Der Maschinenbauer, der die Dainpfinaschinc konstruirt und znsaminensetzt, der Heizer,, der ihr das Material zur Wärlnecntwickelnng zuführt, der Lokoinotivführer, der sic nach Willkür in Bewegung oder in Stillstand versetzt, oder der Stcuerinannn, der zur Dainpfkrast . auch die Widerstandskraft des Wassers nnd der Ströinung in Rechnung zieht und durch einen Druck auf daS