Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1883-03-15
- Page
- 174 (sequence 3)
- Language
- German
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174 und zwar alö Nachfolger dcS vor einigen Monaten pcnfiontrtcn Herrn Hirsch B. Fasse!, sehen wird. Dem Vernehmen nach warten auch andere nicht unbedeutende Kougreßgemeiudcn mit der Besetzung der in ihrer Mitte vakant gewordenen Rabbinerposten ans Jünger des ungarischen Seminars. Die Kongreßvartci cntsaltet überhaupt eine eifrige Rührigkeit, lägt kein Mittel zur Förderung ihrer Ziele unversucht und gewinnt immer mehr Terrain. Aber auch nichtkongreßliche Gemeinden hegen das völlig bcrcchtigte Verlangen nach Rabbinern, welche allgemeines Wissen besitzen, und wenn derartige Männer auf den Jcschiboth vergebens gcjtlcht werden, so nimmt man sic sich aus dem Seminar. Dieses gewinnt natürlich dadurch an Auschet!!mb Bedeutung. Die ungarische Orthodoxie aber blieb und bleibt bis jetzt dent gegenüber fast ganz nuthätig. Wohl haben 2<8י hierländischc orlhodoxeRabbiuee das Nabbinerscminar öffentlich verunheilt: aber dieser feierliche Protest sdatirt von ל ממות ומסעי תרל״ו unb später in der Einleitung zu dem Werke התן כופר על שוי׳ע אוי׳ ה abgedruckl) hat wenig gesrnchlcl. Das in den Gemeinden lebhaft empfundene Bedürfnis nach ״gebildeten" Rabbinern und das Streben der Rabbiucnskaudidaten nach allgemeiner Bildung und Wissenschaft find Faktoren, die durch das stereotype .,non j׳o>>umnD' nicht zu bcwältigcn sind. i11t<\lli׳nte et enidnniui! — doch nein, es bedarf keiner Belehrung, denn Alle wissen es, daß etwas geschehen muß, mit der Maulwurfsarbcit der Kongreßparrci cntgegenznwirken. Nur ein ge stehen wollen cs nicht Alle, tvcil sie es scheuen, die Arena des Kampses zu betreten. Es fehlt uns leider an Männern, welche den Math besitzen, die Schäden nnnmwnnden auszndecken und den maßgebenden Pcrsöitlichkeiten unerschrocken zuzurufen: raffet Euch auf zur rettenden That, blicket לפו־, einmal auf ans den אמות sehet, es j wird fast buchstäblich zur traurigen Wahrheit: אץ לו להקב״ד. אלא ד״א יכיל הלכת, aus dem Leben außer Eurer Klause entweichet immer mehr der Geist der Thora, entschwindet immer mehr die Treue und der Gehorsam, greift immer weiter der Abfall um sich'. Erhebet Eure Augen und erkennet die haltlosen Znstände der ישיבות, um sie zu bessern!! Die Nolhwendigkeit einer llmgestallung fleht außer Frage, cs handelt sich nur um die Modalitäten. Diese aber find sehr heikler Natur. Die in der großen Rabbinerversammlung zu Ofen gemachten Vorschläge in dieser Beziehung würden allerdings die sichersletl Garantien bieten, um das kostbare Kleinod der ungarischen Judcnheit, unsere ישיבות vor gänzlicher Auflösung und ׳ innerem Verfall zu bewahren. Doch wir müssen aus Opportnnitütsgründen davon absehen, um die so schwer geborene Transaktion mit den Chassidim nicht zu altcriren. — — — Können wir doch die Vergangenheit nicht vergessen. Vor dem Kongresse paktirtcn die Ehassidim mit den Ncforlliern; die Extreme berührten sich und bildeten eine Phalanx gegett den von den Nabbinen zu Preßbnrg, Ujhcly und Uu.gvnr in's Leben gerufenen Verein שומרי־ הדת. Im Jahre 1888 angebahnt, kam der Anschluß der Ehassidim an die Orthodoxen erst nach Jahren sporadisch zu Stande. Es geschah dieses auf Kosten der konservativen 8t.ntu8-qno-Gemeiuden. Es ist dies der wundeste Fleck in der Geschichte der ungarischen Orthodoxen, deren Nichtttug sich wesentlich änderte, seitdent sic sich mit den Protektoren des ביום ג׳ וישלה תרני׳ו in Nagy-Mihnly erlassenen פסק בית דיין identifizirtcn. Durch diese unglückliche Assimilirung kam cs im Lager der Orthodoxie zu einem nicht sehr heilvollen Schisma. Mau hat hervorragende Rabbiner und sehr bedeutende Gemeinden gewaltsanc in daS Lager der Status-quo-an t-e gedrängt. Die konservativen Gemeinden dieser ״Partei für Alle" arbeiten nun rüstie an der Kousolidirnng ihres Prinzips. Auch in Avlas der allcrneuesten Begebenheiten möchten wir der Orthodoxie die ernste Mahnung erthcilen, den konservativen Elementen im Stntus-quo-Lager von ihrer Schroffheit und unversöhnlichen Geringschätzung abzulasscn. Sonst erhebt sich ohne Zweifel bald eine neue, mächtige konservative Partei im Lande, welche die Machtsphärc der ״Dnrchsührungskommission" empfindlich erschüttert. Wir aber wollen keinen Sturm hcraufbcschörcn; nur wollen einen Modus Vorschlägen, der hoffentlich allen Anschauungen entsprechen wird. Organisiren wir unsere ישיבות nach dem bewährten Muster von Nagy-Surnny! Also: 1) Sorgen wir für eine ntateriell und intellektuell günstige Situirung der בהורים und steuern wir der üblich gewordenen zeitraubenden, das Ansehen der Thora sehr beeinträchtigendem Wanderschaft der Jünger in den Monaten Ellul-Tischri und Adar-Nissan durch Gründung von Uutcrstütznngsvcreinen mit entsprechend reichlichen Mitteln. 2) Den ישיבות soll ein zielbewnßtcs System zu Grunde gelegt werden. Die Vorträge sind dem BildungSgrade der -Hörer anzupassen. Anfänger können unmöglich mit reiferen Jüngern eine Klasse bilden. 3) Ablenkung von beiu breitgetretenen Pfade deS ״Pilpnl" resp. der ״Ehilukim". Die bis jetzt mit Vorliebe betriebene Fabrikation von ״Pschätelchcn" ist aus der ״Schiurslnbe" zu verbannen. -Hier soll גפ״ת unter stufenmäßiger Benutzung der älteren und jüngeren מפרשים behandelt und die Schüler zum Ncproduzircn des Gelernten und selbstständiger Präparation angclcitet werden.