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Jeschurun · 1883-03-15 · Heft 11 (15.3.1883) · p. 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 11 (15.3.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
Date
1883-03-15
Page
173 (sequence 2)
Language
German
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1 fajTcY stellte die Einrichtung der unter dem hochverdienten Rektor der Ragy-Surauyer seit 34 Jahren blühenden Jeschiba als Muster ans; und in der Thal gleicht dieselbe einer Oase in der Wüste. Als wesentliche Borzüge der hier befolgten Methode wurde von dem Herrn Korrespondenten zunächst hervorgehoben, daß dieselbe, im Gegensätze zu der an fast allen anderen üblichen, die verschiedenen Stufen der Jünger berücksichtige. Demgemäß wird auch für jede Klasse täglich einmal שיעור פשוט vorgctragen. Die Befähigteren haben Gelegenheit, sich im פוםק auszubilden. Es wird auch täglich ה ובת הלבבות ,טגן אברהם und wöchentlich die בררה mit Kommentaren gelehrt, ebenso auch Uebnngen im Midraschlesen veranstaltet. Bor Allem jedoch sei der sonst übliche Pilpnl hier nicht vorherrschend. — In dieser Weise denkt sich der Berfasser eine herbeizuführende Umgestaltung der Ieschiboth. Wir!vollen vorweg bcuierken, daß lmitatis umtaiidis hierin Im Wesentlichen das unter den obwaltenden Verhältnissen Nichtige getroffen sein dürfte. Um Mißverständnissen vorznbeugen, halten wir cs nicht für überflüssig, an dieser Stelle uns eine Digression zur Erläuterung des Wesens der pilpnlistischen Lehr- und Lcrnart zu gestatten, als dessen intellektuellen Urheber R. Jakob Pollak, Lehrer des טהר" ם פאדובה, (lebte in der zweiten Hülste des 13. und in der ersten -Hälfte des Hi. Jahrhunderts) angesehen wird. Trotz des Tadels,!velcher von Seiten gefeiertester Autoritäten gegen dieselbe ausgesprochen wurde, sieht der Pilpiil auf den ungarischen Ieschiboth leider noch iinmcr in voller Blüthe. Wir verweisen auf צטה דוד z. St., auf שויית הוות יאיר קב״ג של״׳ה Pag. in ו, desgl. ווי העטוים Pag. 0, שפתי ישנים Pag. 8; . ferner auf Einlcitung zu den Nesponscn תשובה טאהבה L Th., auf die treffliche Einleitung דרך הישר zu ברית אברהם, wo noch viele andere Stellen angeführt sind. Die Pilpnlrittcr suchen ihre Manier mit einigen talmndischen Sentenzen zu rechtfertigen (Ehagiga 10, Sauhedrin 24, Horioth 14), vergessen aber, daß unsere großen Weisen unter פלפול nie und uiminer eine Art הלוגן, wie der technische Ausdruck lautet, für die talmudistischen Dissertationen nach der Weise des erwähnten R. Jakob Pollak verstanden haben. Der Pilpnl in! rechten Wortvcrstäudnisse ist ein unumgänglich nothwendiger Behelf zum richtigen Erfassen der heiligen Traditiouslehre. Wer den künstlerisch-architektonischen Vau des Talmuds nicht recht versteht,!vird in seine geweihten -Hallen nie eindringeu; der Pilpnl im wahren, edlen Sinne ist der Schlüssel, der uns die Pforten des Talmuds eröffnet, der Leitstern auf dem Gebiete der Gcmara. Wie grundverschieden jedoch ist der heule übliche Pilpnl von dem der talmndischen Weisen! Der פלפול unserer הבטים זייל war eine streng akademische 3 Disputation, die sich als Ziel einzig und allein Erkenntuiß nnd Erforschung der Wahrheit gestellt hatte. Der הלוגן hingegen erschöpft sich fast in geistigen Turn- Übungen; man ״baut und reißt wieder nieder," man stürzt die Thesen auf den Kopf, um sic wieder aus die Füße zu stellen; — ein Bonmot löst das andere ab; er ist eine Art Feuilleton voll Geist, Witz und Scharfsinn, aber auch nicht mehr; -in wissenschaftlicher Be- Ziehung ist er werthlos. Mit Unrecht wird dem רבנו תם untergeschoben, er habe diese Methode protcgirt. Wir finden vielmehr (פ׳ הישר סי׳ תקפ״ב), daß er sehr energisch gegen dieselbe eiferte. Der gefeierte Verfasser des שאגת אריה beklagt, (Einleitung zu diesem Werke) daß er in seiner Jugend mit solcher Sophisterei Zeit und Kraft vergeudet habe, sticht iniuder scharf verurtheilt auch der große התם כופר den פלפול הנהוג הטבלבל דעות הישרות וטקלקל אורה׳ ונתיב׳ יושר (S. denen Approbation zu dem Werke כפף נבהר). Es ließe sich noch eine ganze Anzahl hervorragender גאונים anführen, welche sich dahin aussprechcn, daß der פלפול das Streben nach Erkenntuiß beeinträchtige und deohalb zu verpöncn sei. Und dennoch feiert derselbe noch immer in den ungarischen Ieschiboth große Triumphe; und dennoch verschwendet man die kostbare Zeit mit oft kläglich zuscnnmcugeschweißten הלוקים, so daß cs zahlreiche בהורים giebt, welche am Ende des Semesters wohl!nanches ״Pschätelchcn" dcS Rabbi wiedcrgeben können, aber von dein eigentlichen Wesen des Talmuds kaum einiges Perständniß besitzen. Das nennt inan denn [״ [תורהLernenund wer dieser Manier nicht huldigt, wird mit dem Epitheton עם הארץ beehrt, — wer ihr aber geradezu abhold ist, als נושע verschrieen! Doch kehren wir zu unferm eigentlichen Thema zurück. — Seitdem wir das Wort genommen und in den beiden .Kundgebungen damit fympathisirendc Stimnicu zum Ausdruck gelaugt sind, sind nun acht Jahre über unserem -Haupte dahiugcrollt — unsere Anregung hat weiter kein Echo gefunden.' Die Verhältnisse haben sich nicht günstiger gestaltet, und was wir damals prognostizirten, ist inzwischen zur Wirtlichkeit geworden. Am 13. Oktober l!s77 wurde das unter Administratiou der Landcskanzlei gestellte ungarischeRabbiuerscminar eröffnet. Die Zahl der -Hörer steigt kontinnirlich von Jahr zu Jahr; cs sind heute mehr als <>0 ordentliche -Hörer inskribirt; natürlich liefern die Ieschiboth dazu das größte Kontingent. Der erste Sprößling dieses Instituts dcbütirtc bereits bei verschiedenen Gelegenheilen in Keezkeniet, Kis-Ezell und Kaschan und wird gegenwärtig von der israelitischen Gemeinde in Groß- Kanisza ordentlich examinirt. Es ist also wahrscheinlich, daß in Bälde das ungarische Nabbincrseininar zum ersten Male einen seiner Zöglinge im Rabbineramte, F

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