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Jeschurun · 1883-03-15 · Heft 11 (15.3.1883) · p. 162

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 11 (15.3.1883)
Article
Der erste Adar und unsere Synagogen
Date
1883-03-15
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 bcm?eben in ihnen jene Weihe, jene Innigkeit und jener heilige Ernst gesichert wurde, von denen die j modernen Spnagogen u.ud ihre Ordnungen, die bloß den äußeren Ausland im Auge haben und haben können, keine Ahnung haben. 2״db)'t außerhalb der Zeit des Gottes-! diensteo darf im Gottcshausc kein unnützes Ge- : spräcl) geführt, .nicht gegessen oder getrunken, hin und; her spaziert, gcschivcige denn Ocher; getrieben werden; nicht mit beschmiltzlcn Gewändern und nicht 11111 211)110 vor Regen oder Sonncngluth zu suchen und nicht als Durchgang zur Ablürzung des Weges darf es benutzt werden. — Alles dieses gilt, wie gesagt, selbst außerhalb des Gottesdienstes." Voll:'! t out! das ist im Wesentlichen die 2ynagogenorduung unserer Weisen im Ochnlchau aruch, und für ein jüdisches Gotteshaus ist sie mehr als ausreichend, denn alles Andere ergiebt sich hier von selbst. Leider, leider! beider hat man in einer späteren Zeit diese Anordnungen unserer großen Weisen außer Acht gelassen und die sonst bewiesene Gewissenhaftigkeit nicht auch überall in dem Ernste bethäligt, mit welchem die עבודה im ביה הגנבת gepflegt werden sollte. Die Li läge über ,׳ביהה חולי, das Plaudern im Gotteshause, selbst während des Gottesdienstes, ist eine alte und selbst לונזדים und בני הורה. Männer, die sonst durch Gewissenhaftigkeit und (Gelehrsamkeit hervorragten, haben sich nicht frei davon gehalten, vielmehr ein nur um so verderblicheres Beispiel in dieser Beziehung gegeben. Die beklagensiverthen folgen sind nicht ausgcblieben. Zunächst hatte man dadurch deu dem jüdischen Leben überhaupt Abgewendeleu willkommenen Borwand gegeben, um die alte Ordnung als Unordnung zu verlästern und die Losung ״Reform des Gottesdienstes" ans die Fahne des Abfalls zu schreiben, während es doch nur gegolten hätte, vielmehr sich nach der uralten Ordnung des Gottesdienstes zu resormiren. Aber auch im Kreise der Gesetzestrencn konnten die traurigen folgen nicht ausbleibcn. Je wichtiger und folgenreicher die Bestimmung der Tcsilla בצבור ist, um jo empfindlicher mußte ihre schwere Beeinträchlignng sein; je tiefer und ergreifender der Eindruck des ächljüdischen Gottesdienstes auf das Kindesgcmüth, um so weniger konnten die Folgen ansbleiben, wenn das Kind nun sah, daß cs dem Batcr doch nicht so Ernst sei mit dem was er bete, daß die Tcsilla doch nicht seinen ganzen inneren Menschen in Anspruch nehme, da er sich noch hinlängliche Objektivität bewahrte, um sich nicht noch zu ['שיחה הול, und bestünde es auch bloß in einer bei- oder abfälligen Kritik des Borbctcrs, angeregt zu fühlen. Wie verlor durch dieses einzige ״harmlose" Wort die ganze Tcsilla den Karakter der Innerlichkeit! Dafür hat Niemand ein feineres Gefühl, als das kleinste Kind, und je gottseliger daS sonstige Gcbahren des BaterS beim Gebete war, um so ernüchternder mußte auch das ״unschuldigste" Wort wirken und um so unabweisbarer bekam das Gebet und — die ganze Frömmigkeit des Vaters, — denn Kinder sind im Generalisiren noch stärker als Große — den trostlosen Karakter einer מצות אנשים גזלונזדה, wie der Prophet es klagend nennt, einer äußerlichen, jeder Innerlichkeit entbehrenden, angelernten mechanischen Gewöhnung. Wuchs nun aber das Kind heran und lernte, wie שיהה חולין, das Plaudern im Gottcshause; ein איסור sei, von dem es gleichwohl den gestrengen [ Baker sich dispcnsiren sah, so hatte dessen moralische! Autorität damit den empsindlichsten Stoß erhalten.! Das Prinzip der selbständigen Dispenscrthcilung, durch! des Vaters Beispiel praktisch sauktionirt, wurde von! dem Sohne auch anderen איסורים gegenüber still- , schweigend bestens akzcptirt und nach eigener Auswahl, j sowie cs ihm paßte, gleichfalls in Praxis umgcsctzt. j Wollte Gort, wir wären berechtigt, in dieser! Beziehung nur von der Vergangenheit zu sprechen und! die Erinnerung des ersten Adar, der auch uns unsere; Pflichten gegen unsere Hciligthümcr iws Bewußtsein i rufen will, gestaltete sich nirgends zum Worte ernster Mahnung, zum Worte schweren Vorwurfs! Ist aber in Wirklichkeit aus allen jüdischen Gotteshäusern jedes שיהה הולין gebannt? Ist überall dem ganzen Vcrhalten der Karakter des Ernstes und der Weihe aufgeprägt? Ist es überall das Bewußtsein von der Heiligteil, ist es das Ergrifsensein von der Bedeutung des Ortes und der Aufgabe, was unbewußt und unwillkürlich in der ganzen Haltung der im Gotteshause versammelten Väter und Mütter, Söhne und Töchter znm Ausdruck kommt? Sind in Wirklichkeit überall ein jeder Sohn und eine jede Tochter Israels durch ihre בונה, durch ihre Sammlung, durch die Innigkeit ihrer Tesilla und durch ihre Ehrfurcht vor dem Gottes- Hause ein Beitrag zu der Erhöhung der בונה und des בורא ם ס,דש der Genossen? Werden überall alle Gedanken an die großen und kleinen und kleinlichen Auliegen des gewöhnlichen Lebens an der Schwelle des Gotteshauses abgelegt und bekunden es Alle, daß sie , vom Betreten bis zum Verlassen des Gotteshauses die! Mahnung beherzigen: דע לפני מי אהה עובד, wisse vor i Wem du stehest! Giebt cs gar keine Synagogen mehr, in denen das Gotteshaus für den Rabbiner nur zur j Domäne seiner Hohenpriester-Hcrrlichkcit, für die Vor-! sicher nur zur Stätte ihrer Amts-Herrlichkeit, für den! Ehasan, Pardon, Ober-Kantor zur Bühne seiner j ״Künstler"-Herrlichkeit, für die nicht dckorirten, einfachen! ״Besucher" des Gotteshauses znm Stelldichein des j s. v. v. Gedankenaustausches hcrabgcsnnken ist, und i sind nirgends jo die heiligen Raume, die den Quell

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