Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1883)
- Article
- Die jüdische Perle
- Date
- 1883-01-25
- Page
- 51 (sequence 3)
- Language
- German
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51 sondern das Bewußtsein, על ד׳, uns auf den Fittigcn der Gottcsfnhrung getragen zu wissen, läßt uns diese durch nichts mehr zn trübende LebenSheiterkeit gewinnen, die JesaiaS als נחלת יעקב אבינו, als das Grbc unseres Paters Jakob bezeichnet. Es ist das jenes Hochgefühl, jenes in Wahrheit von nichts Irdischem mehr bedingte, durch Nichts begrenzte Erbe, das nnS, und wenn wir auch Jakob gleich ein dienendes, arbeitendes, allen Beschwerden und Ehilancn auSgcsctztcö KncchtcSlcbcn führen müßten, dennoch Jakob gleich fühlen und gleich sprechen laßt: לי בל D*\ ich habe Alles. Andere haben Segen בבל, durch Alles, Andere gewinnen Segen מבל, von Allem, allein nur Jakobs Gesinnung, die in dem Frohgcfühl der unmittelbaren GotteSgestaltnng dcS Geschickes von jedem Stückchen Brode, das sic zur Nahrung, von jedem Gewände, das sie zur Bekleidung gewinnt, spricht: Du, o Gott, hast cs mir gegeben! und dcShalb heiter Verzicht leistet auf glänzendes äußeres Geschick, gerade die — hat Alles. Zu dieser Gesinnung erhebt uns, in dieser Gesinnung stärkt uns eine jede wahrhaft jüdische Sabbathfeier. DaS ist die Gesinnung, die den sabbathfeiernden jüdischen .Menschen frei macht von der alle Anderen beherrschenden Macht der Sorge, so daß ein jüdischer Weiser, R. Elasar Hamudoi das große Wort auSsprcchen kann: Wer für heute zn essen hat n^d fragt ängstlich: was werde ich morgen zn essen haben'? der zeigt damit, daß er ,מקטני אמנה, daß er von der ächten jüdischen vertrauensvollen Hingebung an Gott noch nicht durchdrungen ist. DaS ist aber auch die Gesinnung, die die unerläßliche BorauSsctzung für die Erfüllung des ganzen GotteSgcsctzes bildet. Wer nicht in diesem ächten Sabbathgeiste sich von Gott getragen weiß und in dieser unmittelbaren GottcSnähe sein Glück und seine Freude findet, an den stellen die scchshundcrtunddreizehn Gebote und Verbote, welche so tief eingreifend über Zeit, Kraft, Besitz, ErwcrbSthätigkcit und Genuß dcS jüdischen Menschen diSponiren, geradezu unerfüllbare Anforderungen. Wie dies die Weisen ausdrücklich mit den Worten auSsprcchen:!לא נתנה הורה אלא לאובלי מ, Gott hat seine Thora nur Menschen gegeben, die nicht darin ihr LebenSglück und ihre LebenSbcstimmung finden, mit einem Male Neichthümer zu gewinnen, die sie und ihre Kinder und Kindeskinder für alle Zeiten über jede Sorge für das tägliche Brod hoch hinaus heben, sondern die heiter und zufrieden die bescheidene Stellung hinnehmen, unter Gottes Schutz und treugchorsam dem GotteSwillcn hinauszuziehen Tag für Tag und den Bedarf eines jeden Tages als ״Manna," d. i. als das von Gott ihnen unntittelbar Zugethciltezn gewinnen an jeden! Tage. Zu dieser Gesinnung sollen wir unsere .Kinder erziehen, zn dieser Gesinnung will uns eine jede ächte Sabbathfeier allsabbathlich erziehen. So wird der ächte altjüdische Sabbath uns zum קודש und zum עונג, so heiligt er uns und macht uns frei und reich und glücklich. In allen diesen Beziehungen bildet der imitirte Sabbath und bewirkt die moderne gefälschte Sabbathfcier das gerade Gegenthcil. Aber sind denn der Besuch dcS Gotteshauses und daö Gebet für gar nichts zu rechnen? Der rechte Jude betet täglich drei Mal, und seine Sabbath gcbetc bringen nur in herrlichen! WortauSdruck die Bedeutung der von ihm vollzogenen Gott huldigenden Bckeuutuißthat seines geschlossenen Geschäftes und der gewissenhaften Beachtung des איסור מלאבה, dcS Werkvcrbotcs, ihm selbst zur stets erneuten und dadurch ihn heiligenden Erkeuntuiß. Was aber bedeuten die Sabbathgcbetc des modernen Israeliten? Sein Geschäft ist geöffnet, seine ErwcrbSthätigkcit nicht eingestellt, das Wcrkvcrbot beachtet er nicht, sind da seine Sabbathgebcte ohne שביהח nicht eher alles Andere, als eine Huldigung des Gottes, an dessen Gesetze er sich wohl erinnert, denen er aber den Gehorsam beharrlich vcrweigert'? Und bekennt er nicht durch sein geösfnetcS Geschäft eben daö gerade Gegenthcil der Sabbathwahrheit, spricht er nicht bnmit ans: der Mensch muß immer arbeiten, er darf nicht einhalten, darf nicht aufhören zu erwerben, weil er sonst der Noth anheimfallen würde, er kann und darf sein (Geschäft nicht schließen, selbst wenn cö ihm sein Gott gebietet? Da fragt es sich in der That, ob cs für die rcformjüdischcu Greife nicht besser wäre, wenn ihre Geistlichen sie deS Sabbath lieber gar nicht mehr gedenken ließen, als ihnen nach eigener Willkühr eine solche Sabbathimitation zu gestatten. Denn was ist die Wirkung einer solchen gefälschten Sabbathfeier? Die ächte Sabbathfeier lehrt den jüdischen Menschen etwas Höheres als Erwerb und Gewinnst, die gefälschte lehrt ihn Erwerb und Gewinnst als das Höchste schätzen. Die ächte Sabbathfeier erhebt ihn weihend zum Diener Gottes, die gefälschte sanktionirt allsabbathlichiu ihmdaS fürwahr wenig sittigeudestVewußtseiu, daß er sich als Herrn des GottcSgesctzes begreifen dürfe. Jene stärkt alles Edle und Gute in ihm, diese übt ihn in der traurigen und wenig schwierigen ,Kunst, um deS Gcwinnstcs willen sich über Gesetz und Pflicht hinwegzusetzcn. Die ächte Sabbathfeier lockert die Bande der Sorge, die gefälschte schürzt sic nur noch fester. Die ächte Sabbathfeier macht den Menschen frei von dem Joche des NahrungSstrcbcnS, die gefälschte spannt ihn erst recht ein in dieses Joch. Die ächte Sabbathfeier hebt ihn und alles Seine auf die Fittigc der Gottesführung, die gefälschte stellt sein und der Seinigen Geschick auf die eigene Kraft und Klugheit. Die ächte Sabbathfeier macht ihn reich, denn sie macht ihn