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Jeschurun · 1883-01-25 · Heft 4 (25.1.1883) · p. 50

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 4 (25.1.1883)
Article
Die jüdische Perle
Date
1883-01-25
Page
50 (sequence 2)
Language
German
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50 das unsere Väter und Mütter erhalten hat die Jahrtausende hindnrch als die einzig Freien auch in Knechtesgestatt, als die einzig Neichen auch im Bcttlcrgcwande, als die einzig Glücklichen auch unter Verfolgung und Entbehrung. In dieser Einsetzungsurkundc des Sabbath heißt cs nicht: Besucht den Gottesdienst am Sabbath und versäumt die Predigt nicht, sondern שבו איש תחתיו bleibet ein Jeder an seiner Stelle, היום לא תמצאהו heute sollt ihr eure Nahrung nicht suchen! (2. B. M. 17, 29 11. 25.) (5s kann somit keinem Zweifel unterliegen, daß das Wesen des Sabbath in der שביתה liegt, in dem Einstellen des Erwerbsstrebens und der Erwerbsthätigkeit. Ebenso wenn uuS das. V. 23 gesagt wird: ״Das ist, was Gott bereits gesprochen: ein den Gott heiligen Sabbath begehender Wcrkstillstand tst morgen!" — wenn somit der Sabbath קדש, ein Heiligthum, ein, wie es so häufig im Gottesworte heißt, unserer Hur übergebenes Heiligthum genannt wird, von dem unsere eigene Lcbenshcitigung auSgehen solle: so soll und kann er uns diese Lebenshciliguug eben nur durch שביתה, durch Werkeinstellung bringen. Mögen wir deshalb den Sabbath feiern wie prächtig auch imuier, mögen wir unsere kostbarsten Sonntagsgcwändcr anlegen, mögen wir für den trefflichsten Mustergottcsdieust sorgen, mögen wir die größten Opfer bringen und nicht nur unsere Frauen und Kinder׳, sondern sogar uns selbst in die Synagoge schicken und selbst der längsten Predigt tapfer stand halten, wir versagten aber dem Sabbath die שביתה, wir schlössen unser Geschäft am Sabbath nicht, stellten unsere Erwerbs- und Werkthätigkeit nicht ein: so spräche trotz unserer Sonntagskleider und Sabbathgebete Gott zu uns: עד אנה מאנתם לשמר מצותי ותודתי, wie lange weigert ihr euch, meine Gebote und Lehren zu hüten? Und in der That, wenn uns Jesaias, dieser angebliche Reformator des Judenthums, den hohen Werth und den beglückenden Gewinnst schildert, den der Sabbath uns bringen will, so zeichnet er das Wesen des Sabbath mit den Worten (Jes. 58, 13.): ״Wenn du von dem Sabbath deinen Fuß zurückhältst, nicht deinen Willen auszusühren an dem von mir zum Hciligthum bcstimmten Tage, und du den Sabbath eine Wonne nennst, den Gott heiligen Tag, den zu ehrenden, und du ihn dadurch ehrst, daß du deine Wege nicht vollbringest, dein Ziel nicht erstrebest, auch nicht ein darauf bezügliches Wort sprichst." — Hier wird also der Sabbath nicht nur in dem Eiustellen der werkschaffcnden, Gewinnst austrebeuden Werkthätigkeit gefunden, sondern diese Einstellung selbst auf jedes Wort ausgedehnt, das dem geschäftlichen wcrkschaffeuden Leben angchört. Einen solchen ״Sabbath" hat Jesaias im Auge, wenn er sortsährt : Wenn du diese שביתה, diese Berzichtlcistung ans Gewinnst, diese Einstellung der geschäftlichen und wcrkschasfendcn Thätigkeit, nicht als Last, als Zwang, als Beschränkung trauernd und widerwillig erfüllst, sondern sic dir zu einem ענג zu gestalten weißt, deine Wonne darin findest: '״ אז תתעננ על דdann wirst du dich wonnig fühlen, von Gott getragen." Diese שביתה, dieser Werkstillstand ist cs also, welcher den Sabbath zum Sabbath macht, und diese שביתה wird unS als. jene מיצוה bezeichnet, die uns die höchste irdische Seligkeit zu bringen im Stande sei. Sie bringt uns קדשה, Lebensheiligung und עונג, die höchste Lebensfreude. Sie bringt unS Lebeusheiligung. Indem wir durch Einstellung unseres gesammten geschäftlichen und werkschaffcnden Thuns und Strebens unS und unsere ganze irdische Weltstelluug allsabbathlich Gott zu Füßen legen, prägen wir uns stets auf's Nene und immer inniger die einzige uns über alle Prüfungen und Versuchungen hinaus rettende Wahrheit ein: daß nicht nur einmal die Welt einen Schöpfer und Herrn gehabt hat, sondern daß wir diesem Schöpfer und Herrn und Meister und Vater mit allem Unsrigcn angchören, wir seinen Willen demgemäß zu unserem Willen machen und durch das ganze diesem göttlichen Willen entsprechendewerkschafsende und gewinnsterstrebende Leben der Woche die Vekenntuißthat unserer sabbathlichen Werkeinstcllung bewahrheiten sollen. Und עונג, des Lebens höchste Freude bringt uns diese שביתה. So reich kann uns Nichts machen, was wir irgend erwerben könnten, und wären cs Millionen, solche Kraft, solchen Trost, solches Glückseligkeitsgefühl kann Nichts uns bringen, wie der Nichterwcrb am Sabbath. Der wahre Jude lebt nicht sowohl von Dem, was er erwirbt, als von Dem, was er nicht erwirbt, weil cS gegen Gottes Willen wäre, und roeit er mit dem Nichtcrwerben sich eben der Allem fürsorgenden und für Alles ausreichenden Gottesleitung und Führung huldigend untergiebt. Denn Alles, was wir erwerben, und wären es Millionen, ist ein נהלה שיש לה מיצרים ein umschränktcs, begrenztes Gut. Aber dadurch, daß wir am Sabbath auf Gottes Geheiß Verzicht leisten aufdas, was wir sonst erwerben könnten, wird dasjenige, was wir im Einklänge mit desselben Gottes Geheiße in der Woche erwerben, zu einem נהלה בלי מיצרים, zu einenuGutc ohne Grenzen. Denn der Nichterwerb am Sabbath giebt uns die Zuversicht, daß mit dem Kleinsten, das wir redlich und im Gottesgehorsam erwerben, wir zu gleicher Zeit den alles Andere ersetzenden und durch nichts Anderes zu ersetzenden Schutz und Beistand Gottes erworben haben — dieser aber ist unbegrenzt. In diesem Sinne spricht Jesaias: 'אז תתענג על ד. Nicht irdischer Besitz und irdisches Streben ist es, was unS die untrübbare Lebcnöheiterkeit, עונג, bringt,

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