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Jeschurun · 1883-01-11 · Heft 2 (11.1.1883) · p. 18

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 2 (11.1.1883)
Article
Egyptische Lasten
Date
1883-01-11
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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Darum ist auch die Geschichte von dem egyptischen Galuth, von dem was unsere Väter damals vollbrachten und litten, die Geschichte von ihrer Schwäche und ihrer Stärke, von ihrer Verzweiflung und ihrem Muthe noch keine alte Geschichte gemordet! und wird eS nicht werden bis an das Ende der Tage. Darum ergeht aber auch au uns wie einst an die Väter die Aufforderung, uns geistig lebendig zu erhalten, um allen im Einzclleben wie als Gesammtheit gegen uns andrängendcn Feindsetigkcitcn standhaft zu begegnen, uns durch kein Mißtrugen uicderbcugcn, durch keine Verkennung verbittern zu lassen, vieliuchr geistesfrisch das Ohr offen zu halten für das, was auch uns noch jetzt durch Moses gebracht wird und. unter dein Drucke auch unserer Lasten es uns gegenwärtig zu halten, daß sobald wir uns nur entschließen, Gott ״unseren" Gott, d. i. den Gesetzgeber unseres Lebens sein zu lassen, auch zu uns gesprochen ist: Ihr werdet es erfahren, daß ich euer Gott bin, der nicht nur im Momente der Erlösung aus Egypten, sondern der fort und fort euch vor dem Erliegen unter egyptischen Lasten bewahrt. (2 B. M. 6,7.) Denn cs ist von hoher Bedeutung, daß nachdem bereits zwei Verse zuvor mit den Worten והוצאתי אתכם בתחת סבלות מצרים die Befreiung von den egyptischen Lasten verkündigt war, dieselbe Verheißung mit denselben Worten wiederholt wird, nur daß statt והוצאתי ich werde euch vor dem Erliegen bewahren, Zukunft, es jetzt המוציא אתבס heißt, der euch vor dem Erliegen bewahrt, Gegenwart. Es ward uns somit im Augenblicke unserer Erstehung zum Volke die Fortdauer zu tragender Lasten und zwar gleichfalls von Haß und Feindschaft uns aufcrlegter, ״egyptischcr" Lasten, aber auch zugleich die Fortdauer des schützenden Gottesbeistandes verkündet, der uns unter denselben nicht erliegen lassen werde. Denn nicht die Schwere, sondern die Aussichtslosigkeit der Arbeit drückt nieder, nicht die Heftigkeit, sondern die vermeintliche Erfolglosigkeit des Kampfes eutmuthigt, nicht die Wucht der Sorge, sondern die vermeintliche Vernichtung der Zukunft bricht die Manncskraft und entnervt den Mannessinn. Nichts ist deshalb also geeignet, uns mit unserem Schicksale auszusöhncu, uns zu beruhigen und eben vor jener zur Verztveistuug führenden, zu jeden! freien Ausblick und zu jeder vernünftigen Erwägung unfähig!!lachenden Ungeduld zu bewahren, als die Erkcnntniß, daß die Lasten, die wir zu tragen, die Anfeindungen, die wir zu erdulden haben, nicht das Werk des Zufalls, vielmehr von der höchsten wcltleitenden Vernunft, als für unsere geistige und sittliche Erstarkung und für die Entfaltung des Edelsten in u!!s unerläßlich, planvoll vorbereitet und als solche von vorn herein verkündet seien. Denn die Lasten, die von der Vaterhuld unseres Gottes uns aufcrlcgt, beugen uns nicht nieder, die Kämpfe, die von ihn! uns durchzustreiten bestimmt, sie lähmen nicht, sie stählen unsere Kraft. Deshalb ward jene Bestinnnung uns sofort bei der Ankündigung unserer National-Gcburt ausgesprochen. Ein Wort unserer Weisen aber lehrt uns, wie diese Ankündigung unseres Kümpferberufcs und die trostreiche Verheißung steter Widerstandskraft und endlichcn Sieges nicht erst in der Geburtsstunde unseres Volkes, sondern bereits in der Gcburtsstunde unseres Stammvaters Jakob ausgesprochen worden. Es ist nämlich ein höchst auffälliges, bei näherer Betrachtung jedoch unendlich tief blickendes Wort in! Tanchuma, welches in den! Satze I.B.M. 25,19: ״Dies sind die Nachkontiucn Jizchakö, des Sohnes Abrahams" die Verheißung findet: ״Jede Waffe, die gegen dich, Israel, geschmiedet wird, wird nicht gelingen und jede Zunge, die sich auklagcnd gegen dich erhebt, wirst du ihrer Schuld überführen." (Jcs. 54,17) Dieses Wort versetzt sich im Geiste an die Wiege Israels und schaut von dort aus, wie daselbst weiter ausgesührt wird, Israel, wie es sich von feindlichen Mächten!!!!!geben fühlt. Verzagend spricht eS zu Gott: Herr der Welten, siehe, wie die Völker mich knechten, all ihr Sinnen, all ihr Trachten ist gegen uns gerichtet, wie eS heißt (Klaget. 4, 63) ״Sieh ihr Ruhen, sieh ihr Ausstehen, ich bin ihrer Lieder Stichblatt." Da antwortet Gott: Was richten sie denn aus? Wohl fassen sie Beschlüsse und schaffen Gesetze gegen euch, aber ich vereitele ihre Judengesetze. Und ihre Lieder? Nicht wie du glaubst bildet dein Untergang den Text ihrer Ruhineslieder, sondern ich!nache sic und ihr Unterliegen zun! Inhalt der meine Allinacht verkündenden Ruhn!cslicder, wie bereits Malkizedek zu Abrahau! preisend sprach: ״Gesegnet sei der höchste Gott, der deine Feinde gab in deine Hand!" — ״In den Strom mit jedem Sohne!" so Pharao'S Gebot. Aus der Geschichte Gängen aber tönt mit Macht der Gottcsruf: ״Dies Wort — wer sprach's, daß sich's erfüllte? Nur Pharao, nicht Gott ist, dcr's gebot!" ״So wie sic Pein und Druck ihm mehrten, so mehrt' cs sich an Zahl und Kraft." So wollte Haman alle Juden tobten, doch Gottes Wille war es nicht. So wollten Bileam und Valak Jakob fluchen, doch Gottes Ohr verschloß sich ihren! Fluch. Seht, deshalb heißt cs: Wer ist's denn, der gesprochen und es hätte sich erfüllt, da Gott dies nicht gewollt! Seht, so erfüllt sich die Verheißung: ״Jede Waffe, die gegen dich nian schmiedet, wird zu Schanden, und jede Zunge, die dich anklagt, stellst du als Frevlerzunge hin!" — Soweit Tanchuma. Und das GottcSsiegel zu dieser Verheißung läge in den Worten: ״Dies sind die Nachkommen Jizchaks"? Jawohl, und zwar ein Gottcssiegel, so herrlich und leuchtend, daß sein Gepräge auch dem blödesten Auge überzeugend entgegenstrahlt. Di? Pharaonen und die

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