Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1883)
- Article
- Egyptische Lasten
- Date
- 1883-01-11
- Page
- 19 (sequence 3)
- Language
- German
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Hamane, die BalakS und die Bileams, die großen und die kleinen, alle die judcnfciudlichcn Potentaten und Staatsmänner, sei es daß sie über Weltreiche regierten wie die erstcrcn, oder wie Balak nur einen Kleinstaat dem Szepter ihrer königlichen Hoheit unterworfen sahen, oder wie Bileam, ohne offizielle Stellung, die leitenden Machthaber bloß mit ihrem Judenhasse inspirirtcn, sic alle, alle die zu allen Zeiten die Klinke zur Gesetzgebung in Bewegung setzten, um die Eingebungen des Hasses und des Neides, der Habsucht und der berechnenden Bosheit in offenen imb versteckten Judengesetzcn und Judenediltcn zu codisiciren — sie alle sind ja nichts anderes, als die Verkörperung Esau's, als die Verkörperung jenes Esau, der auf sein Schwert sein Leben gründet, von seinem Bruder Jakob aber spricht: ״Umbringcn möcht' ich meinen Bruder Jakob!" jenes Esau, vor dessen Mordgedankcn Jakob das erste Galuth antrcten, mußte. Und nun zeigt uns dieses Gotteswort: Sehet, nicht ein Zufall, etwa ein für Jakob unglücklicher Zufall ist cs, daß Esau so oft Jakobs Wege feindlich kreuzt. Dieser Esau, das Prototyp aller Pharaonen und Hamaue, dieselbe Wiege, in der Jakob lag, sie umschloß auch gleichzeitig Esau. Dieselbe Stunde, welche zur Geburtsstunde Jakobs bestiinmt war, sollte auch die Gcburtsstundc Esau's sein. Esau's Dasein, das Vorhandensein der Feinde Jakobs und ihre Anfcindungen 'waren somit nicht ein Unglück, sie waren eine Nothwendigkcit für Jakob, ihr Dasein gehörte mit zu seinem Dasein, ohne Esau kein Jakob-Jsracl, ohne Esau würde Jakob nie seine Bestimmung erreichen. Siche, spricht Gott, (Jes. 54,16) ich habe Jakob, den הרש, den Meister geschossen, bestimmt ״mit seinem Hauche" den göttlichen Funken in jeder Mcnschenbrust zur Flamme ״anzufachcn", und ich bin cs auch, der auch Esau, den ״Zerstörer" auf Erden geschussen, jedoch nicht um Vcrnichtung zu bringen, sondern להגל, mit neues Leben zu schaffen. Sehet, deshalb weil auch Esau zu תולדות יצהק gehört, weil nach Gottes Plan bei Jakob's Geburt schon Esau vorhanden sein sollte, deshalb können alle Anfeindungen und Unterdrückungen Esau's nur zu eurer Erstarkung, nur zu eurer von mir gewollten Vollendung, aber nie zu eurer Vernichtung führen. Und deshalb liegt in dieser Thatsache, daß ,אלד, Jakob und Esau, תולח־תיצהס sind, UN mittelbar die Verheißung: JedeWasfc, die gegen dich!nan schmiedet, wird zu Schanden, und jede Zunge, die dich anklagt, stellst du als Frevlerzunge hin. Bannen wir deshalb jede Ungeduld, lassen wir uns den freien Ausblick nicht trüben, tragen wir unvcrzagt und unverbittert, heiteren Muthcs alle Lasten und Anfeindungen, die unö noch bcschicdcn sein mögen, so lange die Nacht des Wahns noch nicht von uns, noch nicht von der Erde gewichen. Wenn der Tag anbricht, so sinken die Lasten, und cs schwindet der Haß, und die Lästerung verwandelt sich in das Gott huldigende Bekcnntniß, daß Jakob nur zum Segen Esau's, als Träger des Mcnschcnhciles seine Wanderschaft auf Erden vollende. Vis zu jenen! Tage aber erfahren wir's in jeder Stunde, daß Gott cs ist, der uns vor dem Erliegen unter ״egyptischcn" Lasten befreit. ׳ M. H. SülöMinslhe Zzmchukistreit. Von Lamsoii Naphacl Hirsch. I. Reich und Arm. (Fortsetzung.) Alle Tage eines Armen sind schlecht, Ist er jedoch von Herzen gut, hat er ein beständiges Gastmahl. Besser Weniges mit Gottesfurcht, Als reicher Schatz und Unruhe dabei, Besser eine Schüssel Kraut und Liebe dort, Als gemästeter Ochse und Haß dabei. (K.1 5,15-17.) Besser Weniges mit Pflichttreue, Als Erntesütte mit Rechtlosigkeit. (K. 16,8.) Vesser trockenes Vrod und. Friedlichkeit dabei Als ein Hans voller mit Streit genossener Mühler. (K. 17,1.) Nur allzusehr bcurthcilcn wir das Glück der Menschen nach äußerem Schein. Nur allzusehr gewöhnen wir uns und unsere Kinder an Ucberschatzung von Acußcrlichkeitcn, die mit Nichten das Menschenglück bringen, die aber als alltägliches Zubehör ihren Werth verlieren, mit ihrem Vorhandensein keine Freude mehr bringen und nur entbehrt den an Aeußerlichkeiten gewohnten Sinn betrüben. Nicht nach dem Mehr und Minder der äußeren Errungeuschastcn und nicht nach dem äußeren Erscheinen in der Gesellschaft sind die Menschen zu bcurthcilcn, in ihr Herz müßten wir schauen können, sic in ihrer Häuslichkeit beobachten können, wenn wir das Wort ״glücklich" oder ״unglücklich" über sie aussprechen wollen. Wohl, meint unser WeiSheitöspruch, sind alle Tage eines Armen Das, was die Welt ״schlechte Tage" nennt. Jeden Tag muß er von Neuem sich die Mittel der Existenz erringen, und kein Tag gewährt ihm die Bürgschaft für den folgenden. Und doch, wenn er das ״Gute", das ihm seine äußere Lebensstellung versagt, im Herzen sich zu schaffen weiß, wenn er die karge Nahrung, die ihm und den Seinigcn daS Dasein fristet, seinem redlichem Fleiße, oder auch nur der freiwilligen Spende wohlthuender Bruderliebe zu