Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 390 (sequence 9)
- Language
- German
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390 Angela. Lange Gerichtsverhandlungen erfolgten. — Der Arzt, auch als Zeuge vernommen, erklärte, daß er am Sonntag Morgen durch die Kinderwärtenn Gianna zu dem jüngsten Kinde des Marco Dal Monte gerufen morden, sei, das; er das Kind untersucht und erklärt habe, es sei von den Blattern befallen und daß die vor ihn? liegende Lerche, die Leiche des Kindes sei, das er behandelt. Als Arzt, fügte er noch hinzu, müsse er noch darauf aufmerksam machen, daß es keine Seltenheit, daß die Blattern Gesichtszüge bis zur Dzkenndlichkeit entstellen, und daß es auch vorkomme, daß in schweren Krankheiten die Haare sowohl ihre Farbe, als auch ihre natürliche Kräuse verlieren. Diese Angaben wurden auch durch die Gerichtsärzte bestätigt, aber Gianna war ihrer Sache ׳ sicher, sie behauptete fort uyd fort, die Leiche sei untergeschoben. — Erst nachträglich eutsanu sie sich so mancher auffallender Thatsachen, die sie während der angeblichen Krankheit des Kindes nicht beachtet hatte. Trotz per Erklärungen der Aerzte stand ihre Ueberzeugung fest, daß es eine Unmöglichkeit sei, daß ihr schönes Kind sich in dieser Weife verändeck, und von dieser Ueberzeugung ausgehend, gelang es ihr bald, sich einen Sachverhalt zu erdenken, der von dem wirklichen nur wenig abwich. Sie behauptete, ihre Herrschaft müsse unmittelbar nach der Taufe des Kindes, von derselben Kenntniß erhalten haben, müsse, aus Furcht, des Kindes beraubt au werden, dasselbe in irgerrd einer Weise verborge» und sich darauf ein anderes krankes Kind verschafft haben, das nun der Krankheit erlegen. — Me wußte diese Behauptungen so glaubhaft darzustellen, wußte so niai ches hinzuzufügen, das dieselben unzweifelhaft erscheinen ließ, daß das Gericht die genauesten Nachforschungen anstell-te. Up« Gianna begleit׳t, durchsuchten die Diener des Gerichts jedes Haus, jcdcn Winkel des Ghetto und auch in der Umgebung wurden die schärfsten Untersuchungen vorgenommen — Alles umsonst. Der Tag neigte sich zu Ende, doch die Kaufläden in F. Mem kleinen Städtchen nahe an der Grenze des MrchDstgM, WMir