Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 391 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932995-2951358--11246-2951461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bott K. .. Ml noch nicht geschlossen. Ein junges schlankes Zigeunerweib, ein kleines Kind auf dem Rücken, wandelte langsamen doch׳ rüstigen Schrittes durch die Straßen des Städtchens, aufmerksam die Auslagen, vorzüglich der Kleide'rhandliingen musternd. Vor einer derselben blieb sie stehen; fertige Frauenkleider hingen dort zum Verkaufe, die Zigeunerin schien zu überlegen, ob sie in den Laden treten ׳sollte;- eben betrachtete sie noch die Kleider, als ein junger Mensch, Commis in dem Kleiderladen, sie plötzlich zurückstieß. ״Zurück Diebsgestndel! hier gibt's nichts für euch, macht, daß ihr fortkommt, oder die Polizei soll euch den Weg zeigen. — Run, warum packt ihr euch noch nicht fort? ihr seht ja ich bin da, also zu mausen gibr's hier doch Nichts." Dunkle Gluth überzog das Antlitz des braunen Weibes, ״Ichwollte ja nichts stehlen" erwiederte sie mit leiser schüchterner Stimme ,,kaufen wollt ich's." ״Kaufen!" rief der Commis in ein schallendes Gelächter ausbrechend, ״das ZigeUnerpack will kaufen, hat das je ein Mensch gehört? Da wollt ihr mir wohl erst die Geldlade anfbreche», he? Aber nun ist's genug, packt euch da fort, sag' ich, oder —" bei diesen Worten holte er mit der Elle, die er in der Hand hielt, wie zum Schlage aus. Das Weib wich zurück und entfernte sich eilends, heiße Thräneu füllten ihre dunklen Augen. Sollte sie in einem andern Laden ihr Heil versuchen? - In dieser Straße wagte sie es nicht inehr, hier konnte leicht Jemand die Bischimpfiiiig des rohen Menschen bemerkt haben, in einer andern Straße, hoffte sie, würde es ihr eher glücken. — Doch am Eingang der nächsten Gasse war ein Austauf von vielen Menschen, Männer und Frauen, alle schrieen durch einander, haltet ihn! —haltet ihn! — er muß es gestohi.il haben — er ist ein Dieb, und mehr dergleichen. Aus dem wirren Geschrei war wenig zu entnehmen, aber die Zigeunerin, die sich durch den Hausen nicht durchzudrängen wagte, hörte, wie eine Obsthöckerin ihrer Nachbarin erzählte, man wollte einen ärmlich gellerbeten Betrunkenen verhaften, der in einer Branntweinschenke ein« Zehngüldennote hatte wechseln wollen. Durch einen bedeutenden Ditbstahl, der vor wenigen -Tagen in dem Städtchen vorgekomlucn und dessen Urheber noch nicht ermittelt war, waren alle Bewohner