Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1868-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1868) · p. 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 10-12 (Juli 1868)
Article
Angela
Date
1868-07-01
Page
388 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932987-2932995-2951358--11243-2951458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Pharaonen überbietend, die mir die Leiber jüdischer Kinder morden ließen, mordet man ihre Seelen. — Jedes Herz blutete, jedes Auge blickte schmerzerfüllt ge» Himmel, und in den stummen Blicke» Aller las man die bange Frage: wie lange noch? — Bevor man seine Wohnung erreichte bat der unglückliche Vater, man möge seiner Gattin das Vorgefallene verschweigen. Giuditta hatte das Bett noch nicht verlassen dürfen, aber ihr Zustand war durchaus nicht Besorgniß erregend. — Auf dem Fußboden vor ihrem Bette saß Marco, ihre nächsten Bekannten traten abwechselnd in's Zimmer, in dem ein trübes Schweigen herrschte. Die ihres Kindes beraubten Eltern schienen versunken in ihrem Schmerz, die Uebrigen wagten nur leise flüsternd hin und wieder einige Worte zu wechseln. — So verging der größere Theil des Tages. Es war schon gegen Abend, die Gatten befanden sich endlich allein und waren herzlich froh darüber. Ueber dem Bette gelehnt, berichtet« Marco eben, in welcher Weise er es möglich zu machen boffe, daß sie vielleicht schon in kommender Woche ihre Reise würden antreten können, als die Thür hastig aufgerissm wurde und die alte Köchin leichenblaß, mit allen Zeichen des größten Schrecken in's Zimmer stürzte. ״Herr Dal Monte! Herr Dal Monte! um Gotteswillen retten Sie sich! verbergen Sir sich! inan sucht Sie, man — ״ Mit einem herzzerreißenden Schrei war Giuditta aufgesprungen und bing zitternd an ihres Gatten Arm- ״Aber wer sucht mich denn?״ fragte dieser, mit Aufbietung aller Geisteskräfte, seine Fassung zu bewahren suchend. Doch die Antwort sollte ihm nicht in Worten werden, schon drangen Bewaffnete herein, ergriffen ihn, rissen die ohnmächtige Giuditta aus feinem Arm und schleppten ihn fort. ״Sorgen Sic für meine Frau, schicken Sie eilends zum Doktor!" rief er der treuen Dienerin zu, di« laut schluchzend um ihre bewußtlose Herrin bemüht war. Er wollt noch einiges hinzufügen, aber man wehrte cs ihm. — ,, Stunden vergingen bevor Giuditta aus ihrer Ohnmacht erwachte, und als sie endlich erwachte, hatte ei» hitziges Fieber sich ihrer bemächtigt; nur ans Augenblicke gelangte sie zum vollkomme-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.