Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 387 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon «... 3.87 ilnn möglich zu machen die Stiege hinunter zu gehen. — Langsam bewegte der Tranerzng sich vorwärts. — Wenn nur schon Alles vorüber — Dal Monte athmete leichter, je mehr man der Degräbnißstätte nahte. — Schon öffnete sich die Pforte des Friedhofs, schon waren die Männer, die den kleinen Sarg trugen, im Begriff die Schwelle desselben zu überschreiten, als ein katholischer Geistliche im Priestergewand gefolgt von niehren bewaffneten Dienern des geistlichen Gerichts den Weg ihnen vertrat. Das Kind, dessen Leiche man eben bestatten wollte, sei getauft, erklärte der Priester, sei daher als Christin gestorben, also als solche berechtigt, in geweihter Erde zu ruhen. Er verlange daher, daß man sie seinen Leuten übergebe. Angstvoll und erschrocken blickten Alle auf den unglücklichen Vater. Vergebens protestirte dieser, obgleich es ihm im Innern seines Herzens vollkommen gleichgiltig war, auf welchem Friedhof die ihm gänzlich fremde Leiche begraben werde; aber er mußte doch das Möglichste versuche», die angeblichen Ueberreste seines Kindes sich nicht entreißen zu lassen. — Doch der Priester beachtete weder den Protest, noch das Flehen des Vaters, noch die Fürbitten von dessen Begleitung; auf seinen Wink bemächtigten sich die Bewaffneten des Sarges und waren bald den Blicken der voll Entsetzen ihnen Nachstarrenden entschwunden. — Als sie nur erst wenige Schritte sich entfernt hatten, gewahrte Dal Monte ein Frauenzimmer in einem dunklen Shawl gehüllt, bas sich dem Geistlichen anschloß und eine unsägliche Angst erfaßte ihn, als er in diesem Gianna, die treulose Wärterin seines Kindes, erkannte. Aufgeregt, von düstern unheilvollen Ahnungen erfüllt, trat et den Rückweg an, begleitet von seinen Freunden und Bekannten, die sich zu dem vermeintlichen Begräbnisse eingefunden hatten. Alle befanden sich in einer dumpfen erregten Stimmung; war ihnen doch wieder ein Beispiel geworden, daß man sie des Theuersten beraube» konnte, ohne daß sie eine Ahnung davon hatten, ohne daß sie Hoffnung auf Zurückgabe je hätten hegen können; war ihnen doch wiederum gezeigt, daß man Judenkinder auch wohl als vogelfrei betrachten, daß man im Namen der Religion selbst Kinder den Eltern entreißen, zur größer» Verherrlichung Gottes die heiligsten Bande der Natur höhnend mit Füßen treten könne.