Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932995-2951357--11234-2951450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SSO Pädagogische Silhouetten. jdealer Natur, gehören ja dem Gebiete der freien sittlichen That an. Und ist die ihnen im Leben und Verkehr, in welche ja dereinst das Kind theilnehmend «intretm soll, concedirte Macht eine geringere — umsomehr müßten sie die Zeit für den Beginn der Erziehung erspähen, in welcher der Sinn des jungen Menschen zuerst sich öffnet, für Alles empfänglich ist, aber noch Nichts empfangen, jedem leisen Einfluß, jedem Eindruck auflauscht im großen All das ihn umgibt, diese Zeit müßten sie denkend erfassen und in ihr ic ne Uebung, jene Leitung und Kräftigung der intellectuellen und sittlichen Entwickelung beginnen, deren hohes Ziel die Ertüchtigung für das Leben, die vollkommene Bereitschaft für die erkannte Aufgäbe und die freudige, der Opfer nicht scheuende Hingebung an das Sittlich-Ideale. In noch gesteigertem Maße tritt diese Mahnung an jüdische Eltern heran. Die Gewinnung des Lebens für eine Wahrheit, die nicht aus der Präzis erst abstrahirt ist, sondern sie beherrschen will; für eine Lehre, die nicht die Einsiedelei und nicht die Tempel, sonder» die Gesellschaft, das Leben in der Allumschließung seiner weitesten Peripherie zur Pflanzstätte sich erkoren; für ein Gesetz, das daher nicht an den Geist allein und nicht an die That allein sich wendet, sondern beide, Erkenntniß und That, gleichzeitig in seinen Dienst beruft und in ihnen und an ihnen zum Ausdruck und zur Verwirklichung gelangen will — das ist ja das Ziel der jüdischen Erziehung. Und weil es rein idealer Natur, und das ganze Leben in seinen mannichfachsten Beziehungen umfaßt, darum muß es vor Allem ein denkendes, frühzeitig schon beginnendes Hinstreben zu sich verlangen, eine frühe Gewöhnung zum Gehorsam, eine früh beginnende Ertüchtigung und Uebung der Erkenntniß und des Willens und ein stets vom Geiste des Gesetzes beherrschtes, durch ihn geweihtes und gehobenes Beispiel der Eltern. Darauf blickt das Gesetz hin, wenn es uns tagtäglich uns selber mahnen läßt: ־;ושננחס wenn es eine Theiluahme unserer Kinder an der Feier unserer Feste kennt und uns eine Antwort lehrt ans das מה נשתנה des Kindes. Nicht umsonst warnt es ״die Großen um der Kleinen willen", nicht umsonst haben die großen Lehrer nuferes Gesetzes den Gedanke» der Unterweisung und Uebung unserer Kinder zu einem legislatorischen Begriff (מחנכין) erhoben. Von dieser frühzeitig beginnenden, denkend geübten Erziehung hängt die Lösung der jüdischen Aufgabe ab. Zu jeder