Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 379 (sequence 7)
- Language
- German
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Pädagogische Kllhoueüeit. _ M3 ihre tausendfache Bestätigung und Vergegenwärtigung in her Analogie unzähliger, den Augen Aller offen vorliegender Erscheinungen des Lebens, jederzeit gefunden und stndet — gleichwohl »och so weit entfernt ist einer allgemeinen Anerkennung uizd Bethätigung theilhastig zu werden, so mag dies in vorzüglichem Maaße veranschaulichen, welches Kampfes und welches Zeitraumes die Wahrheit überhaupt bedarf, um zur Erkenntniß der Menschen zu gelangen, von der Erkenntniß zur Anerkenntniß fortzuschreiten, sich die Geister und Herzen und endlich die That und Handlung der Menschen zu erobern. Eben weil auch diese Wahrheit die freie, rein geistig-sittliche That in Anspruch nimmt, darum stebt sie zurück im Leben, obgleich sie der Erkenntniß doch so einleuchtend, doch so leicht faßlich. — Dieselben Eltern, die in der ganzen großen Hingebung, deren nur ein elterliches Herz fähig ist, und in der unvergleichlichen Selbflvergessenheit, die sein Adel, Tage und Nächte und Wochen nicht von dem Krankenbette ihres Kindes weichen würden, dieselben Eltern kennzeichnen sich oft als die sorglosesten, ungeeignetsten Erzieher. Woher der Zwiespalt dieser ErscheinungenV Nicht in der Art des von den Eltern zur Lösung dieser Aufgaben geforderten Opfers liegt das Unterscheidende. Die Krankheit des Kindes, überhaupt sein physisches Wohl fordert zunächst materielle, physische Opfer von den Eltern.. Auch die Erziehung, sofern sic ja eine Ueberwindnng des natürlichen unveredelten Zuges der elterlichen Liebe, in deren Richtung das Gewährenlassen der Wünsche des Kindes liegt, in Anspruch nimmt. Nur aber in Motiv und Zweck liegt das Unterscheidende, und Motiv und Zweck verleihen der Tha! ihre» objcctiven Charakter. Dort wie das Mittel so auch Motiv und Zweck zunächst physischer Natur, eoncret sichtbar —: die physische Erhaltung des Kindes. Hier aber zunächst unsichtbar, idealer Natur: seine geistig-sittliche Veredlung. Der zunächst physische, eoncret sichtbare Zweck ist allmächtig. Ohnmächtig der andere. Zu der rein sittlichcu That fehlt ihnen die Kraft, fehlt ihnen der Ernst. Schon diese Erfahrung, die Eltern ja nicht selten aus ihrem eigenen Verhalten entgegentritt, müßte sie wachrufen und zur Entfaltung der regsten Energie wecken. Die in der Erziehung anzustrebenden, durch sie zu erreichenden Ziele sind ja vorzugsweise 8b