Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 381 (sequence 9)
- Language
- German
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Pädagogische Silhouetten. äÖi Zeit — und doch noch in pvtenzirter Bedeutung in einer Zeit, in welcher die Zahl Derer sich gemindert, die in rückhaltloser Entschiedenheit unerschütterlichtreu um die Standarte des alten jüdischen Gesetzes sich schaaren und nur unter ihrer Aegide theilnehmend eiutrctcn wollen in das Gewoge des Lebens; in einer Zeit, in welcher die Kenntniß des ji'idischen Gesetzes aus dem Kreise seiner eigenen Sohne und Töchter so vielfach geschwunden, und die Verkennung und die Abirrung daher um solcichter zum Siege gelangen kann. — — Ihr wollet eure Kinder zu wackeren Menschen heranblühen schen? So beginnet frühzeitig ihre Erziehung. Ucbcrantworten aber Eltern dem Zufalle die geistige und sittliche Entwickelung ihrer Kinder, überlassen sie es dem Zufalle, welchen Einfluß die Außen- Welt ihm bringt, ob gut oder böse, ob falsch oder wahr, ob göttlich oder gotteutfremdet, dann mögen sie das Kind nicht anklagen, wenn es immer und immer wieder den Frieden der Kinderstube stört und, herangcwachsen, die Heiterkeit aus dem Leben der Eltern scheucht. Sie habe» die Augen geschlossen und die Gelegenheit der Erziehung unbenutzt entschwinden lassen; haben wohl glücklich gelächelt, wenn es Vater, Mutter gerufen, aber haben den Ernst nicht herausgehört, die darin enthaltene Mahnung nicht verstanden: Vater — sei Vater, Mutter — sei Mutter! Das Werk ihrer eigenen Gedankenlosigkeit oder ihres eigenen Leichtsinns ist es, wenn sie nun in späterer Zeit an das herangewachsene Kind herantrete», um Gutes zu pflanzen — aber nur für Böses Empfänglichkeit vorfinden; den Geist der Sitte zu pflegen — aber dem Sittlich-Idealen das Herz des Kindes den Eingang wehrt; Wahrheit zu lehren und Recht — aber dem Jrrthnme seinen Geist geweiht sehen, und für den Ernst es die Kraft eingebüßt; sie es warnen und mahnen — es aber ״nicht hört auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter" — Ihr möchtet eure Kinder zu wackeren jüdischen Söhnen und Töchtern heranwachse», möchtet sie ein vom Gesetze geleitetes, vom jüdischen Gedanken durchgeistigtes Leben fuhren sehen? Möchtet einst das jüdische Leben und den jüdischen Sinn eurer Söhne und Töchtcr als daS Vermächtniß eures Lebens eurem Volke hinterlaffen? So pflanzet frühzeitig diesen Sinn in ihren Geist und ihr Gcnu'ith, lasset sie aufwachsen in jüdischer Lcbensgewohnung und Lebensanschauung und führt sie früh schon ein in dieKenntniß des jüdischen Gesetzes