Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 377 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ißädügögische Silhouetten. Btt dazu angehalten, in dem Dürfen die Schranke seines Könnens, ja dessen eigentliches Gebiet zu erblicken. Mit diesem Einen kleinen Worte lehren Eltern ihren Kindern das ganze ABC der sittlichen Lebensordnung und dies Eine Wort genügt in seiner Kürze, wenn nur Eltern nicht unvernünftig und leichtsinnig ihre Autorität verscherzt; es genügt sicher, wenn sie in Wahrheit denkend ihre Erziehungsanfgabe zu begreifen sich gewöhnt, — von weiteren Argumentationen macht ihr Kind seine Folgeleistung nicht abhängig. Als Wort der Eltern gilt es ihm als zu befolgende Wahrheit und unter dem gewinnenden und imponirenden Eindruck ihrer Persönlichkeit findet es seinen sicheren Weg zum Herzen und Verstände des Kindes und wird hier Motiv, des Gehorsams. — Di« Fassungsgabe des Kindes! Welchem Gegenstände doch wendet sich mit Vorliebe elterliche Unterhaltung zu? Mütterliche Liebe kann gar nicht genug erzählen von dem glücklichen Gedeihen, der Entwicklung ihrer kleinen Lieblinge, von all' den freudig überraschenden Fortschritten, der merkwürdigen geistigen Lebendigkeit, den kindlich gcscheidten Fragen und Antworten, von all' den tausend erstaunlichen Kunstflückchen, die ihr mehr als ebenso viele glückliche Treffer bedeuten — und dennoch wäre da, wo eine erziehende Ein- Wirkung in Betracht kömmt, die in der Entwicklung begriffene Verstandesreise ein absoluter Hinderungsgrund, allgemein ein Necurs hierauf am Platze? Hätte es jener gewaltsame Kleine denn nicht gewußt, aus welchem Grunde er das entnommene Spielzeug zurückgeben müsse — wäre er nur dazu angehaltc» worden? Viel früher als der kleine Geist den Begriff ״ich" denken und sprechen lernt, lebt das ״mein" und ״dein" in ihm und wird richtig und bcwußtvoll von ihm gehandhabt. Die kleinen Eigenthumsstreitigkeilen der Kinderstube thnn dies ja täglich unwiderleglich dar. Und Dem gegenüber: ״das,Kind versteht es nicht"! Das ist der Schild für den eigenen Unverstand, der Ablaß für die Gewissenlosigkeit, die Formel, unter welcher der Leichtsinn Pardon sich erlheilt und durch welche man sich und sein Kind um die für die Erziehung geeignetste Zeit betrügt. In der fernen Umgebung eines seichten Teiches hüpft munter einher der kleine Weltbürger — in beflügellcr Hast hält ihn die elterliche Hand zurück! Und es war doch zweifelhaft, ob der Kleine