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Jeschurun · 1868-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1868) · p. 375

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 10-12 (Juli 1868)
Article
Pädagogische Silhouetten
Date
1868-07-01
Page
375 (sequence 3)
Language
German
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Pädagogische Silhouetten. BfB niilientischr, verlebe -einmal «in Mertelstüiidchen in 'der 'Kinderstube, — ist in Wahrheit die Zeit schon da, die Feder rasten!zu lasse», den Schreibefinger in Ruhestand zu versetzen? Wird der Wahrheit, der sie dienen möchten, bereits eine so lebendige Beowiiklichnng zu Theil, daß ihrer Gedenken — trivial, aller Wegen Anerkanntes lind Geübtes hervorhebcn heißen müßte? In ihrem volleil Umfange, in all' ihren Coüsequenzen dürfte sie sich noch nicht einmal allseitiger Anerkennung, geschweige denn llöbniig zu erfreuen haben. Hier das kleine hübsche Geschwisterpaar im Alter von vier und sechs Jahren. Das Eine von ihnen!war so den weinend zur Mutter gelaufen, um ihren Rechtsschutz gegen das Andere, welches ihm ein Spielzeug entzogen, zu erbitten. In Folge dessen wird der kleine gewaltsame Besitzer zur Restitution aufgefordert, allein Beklagter in Duodezformat geht stüchtig in eine Zimmerecke -und werbleibt in beharrlicher Renitenz. Das Andere sucht inzwischen seinen Bcschwerdegründen durch ein lauteres Weinen erhöhte Gewichtigkeit zu geben. Ein kritischer Augenblick! Da leuchtet es-aus im Auge der bedrängten Mutter; in jeder Hand hält sie dem kleinen Flüchtling eine Lockspeise entgegen; während dieser natürlich ״mit beiden Händen zugreifend" den Raub fallen läßt, lehrt sie das Andere diesen Augcnblick benutzen, — und Madrid hat den Frieden. Das kleine Geschwisterpaar wird gewiß recht viel aus diesem Verfahren prefitircn! Allein möchte doch dieser Mutter und allen, welche sich gestehen müßten, unter gleichen Umständen ähnlich gehandelt zu habe», möchte ihnen doch einmal ein solches Verfahren in seinem wahren Charakter, in seiner ungeschminkten Wirklichkeit, in der ganzen Bedeutsamkeit seiner Folgen vor die Augen treten. Ihr elterliches Herz würde erschrecken, zöge es sich zur Rechenschaft, legte cs sich einmal ernst, so ernst wie die Verantwortung, die Frage vor: entspricht denn die Anschauung die einem solchen und ähnlichen Verhalten zu Grunde liegt, oder die Gedankenlosigkeit, die in ihm zu Tage tritt, der Erziehungsaufgabe, ist es recht und gut? — Weder recht noch gut! Der bei irgend einer Gelegenheit sich äußernde in fehlerhafter Richtung begriffene Wille des Kindes ist eine Mahnung an die Eltern, ruft 'sie auf ihren Posten — und der Vater und die M.-tter sind nicht auf ihrem Posten, begehen eine Desertion, die diesem Willen nicht entgegentreten und ihn nicht in die richtige Bahn zu lenken suchen.

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