Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Die Rabbinerversammlung zu Kassel
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 350 (sequence 12)
- Language
- German
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350 Die Nabl'mervcrsammlimi; zu Kassel. lagen gar nicht in Berathung ziehen will, denn zwingen kann man fte Ja nicht dazu — was denn eigentlich diese Rabbinerversammlung, diese Commissionen, ihr Reden und Beschließen — kurz welchen Werth diese ganzen Veranstaltungen eigentlich gehabt haben würden und in Folge dessen den Antrag einzubringen: sich gleich am ersten Tage wieder aufzulösen. Beschlossen wurde endlich — wie erwähnt auf dringende Mahnung des V1-. Philippson, welcher zugleich mit Niederlegung seines Mandats drohte —: Den dreijährigen Cyklus der Thoravorlesung den Gemeinden zu empfehlen; Die Haftara in der Landessprache vorzutragen; Die Schemone Esre nur einmal, auch an Werktagen, sprechen zu lassen; Das Minjan ist zum öffentlichen Gottesdienste als erforderlich zu betrachten; Daß in den Gebeten die religiöse Mission Israels, die providentielle Führung in der Geschichte Israels, die großen Priucipien des Judenthnms: der fortschreitenden Entwickelung, der dereinstigen allgemeinen Herrschaft der Gottcserkenntniß, der Liebe, des Rechts und des Friedens, der allgemeinen Nächstenliebe u. s. w. zum Ausdruck kommen sollen. Wir haben zu bemerken, daß der letzte Beschluß gefaßt worden ist, nachdem zuvor in einer sehr erregten Debatte die Bitte um Wiederherstellnng des Tempeldicnstes und des Eintritts des Messiasreichs, wie es das Judenthum lehrt, fast allgemein als unstatthaft bezeichnet worden ist und die Herren lediglich aus Furcht vor ihren Gemeinden diese ihre Ansicht in keine Resolution gefaßt haben. Dr. Adler aus Kassel ist so ehrlich gewesen, dies offen zu erklären. Er habe Rücksicht auf seine 60 Landgemeinden zu nehmen, die noch der naiven religiösen Anschauung huldigen und denen er mit einem Gebetbuche nicht kommen möge, das nach den hier angestrebten Grundsätzen entworfen sei. Diese ״Naivität" des Herrn Landrabbiners ist wahrlich auch nicht gering; — sollten seine 60 Landgemeinden nicht vielleicht auch so ״naiv" sein zu wähnen, daß An Rabbiner vor Allem ein ganzer, Lchter Jude in dem Sinne ihrer