Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Die Rabbinerversammlung zu Kassel
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 349 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932995-2951354--11200-2951419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dir Nabbmerversanmüung zu Dassel. 346 Emphase eingeleiteten dreitägigen Versammlung um, so ist dasselbe in jeder Weise ein klägliches und wir glauben kaum, daß jemals eine Versammlung von ״sachkundigen" Männern, und das zir sein beanspruchen doch wohl sämmtliche Anwesende, sich so gänzlich unfähig erwiesen hat, der gestellten Aufgabe nachznkommen. Ans freienr Entschlüsse waren diese 24 Männer zusammengetreten, um in ihrem Sinne ״die gottesdienstliche Frage" zu lösen und wenn nicht am zweiten Tage der Urheber der Versammlung die Anwesenden beschworen hatte, sich ״endlich zu ermannen", so hätten sie wahrscheinlich die Blamage ans sich geladen gar Nichts beschlossen zu haben. Wie bereits erwähnt, sind ofsicielle und ausführliche Referate bislang nicht veröffentlicht und eine eingehende Darstellung und Würdigung der Verhandlungen muß ausgeschlossen sein. Es scheint aber, als ob die Herren im entscheidenden Momente sich klar geworden sind über ihre eigene Unklarheit und über das Gejährliche, das für ihre Stellung in und zu ihren Gemeinden denn doch offenes und bündiges Aussprechen ihrer Ansichten bei conkreten Fällen haben könnte. Sie hätten freilich klüger gethan zu Hause zu bleiben. Um diese Armuth zu verhüllen, wurde zunächst der Beschluß gefaßt, d. h. erst am zweiten Tage zur endlichen Erledigung gebracht, daß regelmäßige Synoden, welche sich mit der Lösung der hier vorliegenden Frage zu beschäftigen haben und ju welchen ״Rabbiner, Gemeindevertreter und Gelehrte" zu berufen seien, abgehalten werden sollen. — So haben die Herren sich den Rücken gedeckt und den Synoden, welche kaum vollständig in ihrer Einbildung existiren und welche ebenso wahrscheinlich niemals abgehalten werden, die Lösung der Aufgabe, welche sie sich selber gestellt, übertragen. Nach diesem gescheidten Beschlüsse erklärten sie alsdann, daß ihre Arbeiten (?) nur als Material für die Commissioneu gelten sollen, welche ihrerseits wieder nur Vorlagen für die erste Synode zu schaffen haben und mit ihren Arbeiten 4— 6 Wochen vor Zusammentritt derselben zu Ende kommen mögen! Es wundert uns nur sehr, daß keiner der Herren den frommen klugen Gedanken gehabt hat, die Frage aufzuwerfen: wie wenn nun eine Synode gar nicht zusammentritt, oder, wenn es wirklich gelungen sein sollte eine solche zu schaffen (wie leicht und rasch war diese Rabbinerversammlnng nicht geschaffen!) welche aber diese Vor-